Sport

100 Jahre Kanusport in Gera

Unter Trainer Helmut Schröter (2.v.l.) wurden Karsten Schmidt, Torsten Klakow und André Brodkorb (v.l.) 1987 in Zwickau DDR-Mannschaftsmeister der Junioren im K1. Gut 38 Jahre später trafen sich alle in Zwötzen wieder. Fotos: Jens Lohse

Erschienen am 15.12.2025| Jahrgang: NG 26/25

Von Jens Lohse

Gera (NG). 100 Jahre Kanusport in Gera wurden kürzlich im Bootshaus des TSV 1880 Gera-Zwötzen gefeiert. Bis ins Jahr 1925 reichen die Ursprünge dieser Sportart in der Stadt zurück, wobei noch keine offizielle Gründungsurkunde eines Vereins gefunden wurde. Fest steht die Existenz zweier Bootshäuser in der damaligen Zeit, wie Gerhard Lange bei seiner Arbeit an der Chronik „125 Jahre Sport in Zwötzen" herausgefunden hatte. Richtig begonnen mit dem Kanuslalom wurde in Gera nach dem Zweiten Weltkrieg. Erwin Weinschenk machte sich dabei als Initiator, Organisator und Trainer verdient. Der erste Slalom-Wettkampf fand am 7. Mai 1950 am Liebschwitzer Wehr statt. Nach einer sechsjährigen Pause - bedingt durch die vom Hochwasser 1954 angerichteten Schäden - wurde die Sektion Kanuslalom bei der BSG Fortschritt Gera 1961 neu aus der Taufe gehoben. Ein erster Einladungswettkampf wurde am 15. April 1963 ausgetragen. Recht schnell stellten sich auch sportliche Erfolge ein. Mit Uwe Schattke und Wulf Reinicke gehörten zwei Geraer zur Junioren-Nationalmannschaft der DDR. Wulf Reinicke wechselte 1967 zum SC DHfK Leipzig, wurde 1971 in Meran Vizeweltmeister im C1, ehe er sich in damalige BRD absetzte.
Auch in den 1980er Jahren feierten die Slalomkanuten - nun in der BSG Modedruck Gera organisiert - große Erfolge. Daran erinnerte André Brodkorb. Der 55-Jährige, der mittlerweile im irischen Midleton wohnt, wurde 1987 in Zwickau gemeinsam mit Torsten Klakow und Karsten Schmidt DDR-Junioren-Mannschaftsmeister im K1. „Ich habe Chemie studiert in Jena und dabei ein Erasmus-Jahr in Irland absolviert. Dort habe ich meine Frau kennengelernt. 2001 haben wir dann unseren Lebensmittelpunkt dauerhaft nach Irland verlegt. Ich fahre immer noch Wildwasser und bin sehr dankbar, was ich hier gelernt habe. Zur 100 Jahr-Feier wollte ich unbedingt herkommen", erzählte André Brodkorb. Auf dem nachgestellten Siegerfoto von damals war auch der aus dem schweizerischen Zürich angereiste Trainer Helmut Schröter zu finden.
Viele Zwötzener schafften es damals in die DDR-Spitze. Dirk Krech war 1990 noch einer der letzten DDR-Meister im Nachwuchsbereich, ehe er 1992 in Norwegen für das wiedervereinigte Deutschland an den Start ging und WM-Fünfter im C1 wurde. Mandy Planert wechselte 1990 aus Gera nach Leipzig und schaffte es im Anschluss bis zu Olympia, wo sie 2000 in Sydney (6.) und 2004 in Athen (14.) dabei war. Hinzu kamen zwei Vizeweltmeistertitel im K1. Im Nachwuchsbereich kümmert sich Thomas Küfner nach der Wende als Trainer darum, die Erfolge nicht abreißen zu lassen. Enrico Scherzer/Karsten Möller wurden im Jahr 2000 Junioren-Vizeweltmeister im C2. David Franke holte sich 2013 Junioren-EM-Gold mit der Kajak-Mannschaft. Stella Mehlhorn brachte 2019 zweimal Team-Bronze von den U 23-Europa- und Weltmeisterschaften mit. In der Gegenwart trumpfen die Krech-Schwestern Lucie und Neele auf, die es in der Junioren-Wertung auch wieder zu Einzelmedaillen brachten. Neele Krech durfte sich 2023 sogar über den Junioren-Europameistertitel im K1 freuen.
In Zukunft müssen die Zwötzener Kanuten einen langen Atem beweisen. Die Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz der Weißen Elster haben begonnen, so dass die nächsten fünf Jahre nur ein eingeschränktes Wasser-Training vor Ort möglich ist. „Wir werden oft nach Haynsburg bei Zeitz ausweichen müssen, um entsprechend trainieren zu können. Halten wir durch, ergeben sich dann durch die neuen Einbauten und die neue Toranlage gute Trainingsbedingungen für den Kanuslalom in Gera", weiß Abteilungsleiter Torsten Klakow, der an das Durchhaltevermögen der Abteilung beim Hochwasser 2013 erinnert und sich deshalb zuversichtlich zeigte.

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