Abschied von Wismut Gera keine Überraschung
Jubelnde Wismut-Kicker - wie hier Nikita Bondarenko und Philipp Sovago gegen Grimma - hätte Trainer Steffen Geisendorf (l.) gern öfter erlebt. Foto: Jens Lohse
Von Jens Lohse
Gera (NG). Nach nur einem Jahr als Trainer hat sich Oberliga-Absteiger BSG Wismut Gera wieder von Steffen Geisendorf getrennt. Der 47-Jährige, der vor der Saison von Landesklassist Thüringen Jena zu den Orange-Schwarzen gekommen war, war 1999 unter Rainer Schlutter mit dem damaligen 1. SV Gera als Spieler in die Oberliga aufgestiegen.
Wie überraschend kam der Abschied von Wismut Gera für Sie?
Ein Abschied ist nie schön, aber überraschend kam er nicht. Es gab nach sehr guten, intensiven Gesprächen nach den verlorenen Relegationsspielen gegen Staaken einfach zu viele Punkte, die nicht für einen gemeinsamen Weg sprachen. Daher war es nur logisch sich zu trennen. Ich denke die Wismut sollte als Verein mit den Spielern und Mitarbeitern konsequent den Konsolidierungsweg gehen. Und dabei intern nur auf sich schauen. Bodenständig, demütig, jung und heißblütig auf dem Platz.
Die Wismut-Anhänger hätten gern mit Ihnen weitergemacht...
Und ich erst mit ihnen. Viele habe ich nach 25 Jahren wieder am Steg gesehen. Das war fantastisch. Ich habe sogar ein paar wiedererkannt und mit ihnen über den Hallenlandesmeister-Titel und den damaligen Oberliga-Aufstieg gefachsimpelt. Bei manchen musste ich zweimal hinschauen. Leider blieb immer zu wenig Zeit, um alles zu besprechen. Ein Moment der Saison war sicherlich das Magdeburg-Spiel auswärts. Dort waren wir als Mannschaft emotional wohl die stärkste Einheit mit den Fans, besonders in der Schlussviertelstunde. Das zwischenzeitliche 2:2 hätte uns zum Klassenerhalt gereicht. Doch leider kippte das Spiel wieder.
Ist es richtig, dass sich die Hälfte der Mannschaft gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Steffen Geisendorf ausgesprochen hat? Wenn ja, wie bewerten Sie das?
Das müssen Sie die fragen, die so etwas erzählen. Ich habe mit jedem Spieler und allen Teamverantwortlichen stets offen und ehrlich gesprochen. Vor den Partien, nach den Spielen, zu den Zeitpunkten, als wir die sportlichen Entscheidungen getroffen haben. Ich würde heute keine Entscheidung anders treffen. Aber Fußball ist nun einmal ein Ergebnissport. Gewinnst du, ist alles richtig, verlierst du, wird vieles hinterfragt.
Was hat Wismut Gera letztlich gefehlt, um den Klassenerhalt zu realisieren?
Am Ende fehlte der eine Punkt. In der 90. Minute haben wir es in den Spielen in Ludwigsfelde (2:2/A), Bautzen (2:2/A), Halberstadt (3:4/A), Rudolstadt (3:4/H), Magdeburg (2:4/A) und Auerbach (3:4/H) nicht geschafft, den Klassenerhalt perfekt zu machen. Insgesamt sind dadurch acht Zähler verloren gegangen. In disen Partien hat vielleicht die Erfahrung, die Kaderstärke, die individuelle Klasse, der letzte „Punch" oder einfach das Spielglück gefehlt. Trotzdem denke ich, dass jeder Spieler im Training und im Spiel immmer versucht hat, alles herauszuholen. Niemand hat sich hängen lassen. Jeder hat sich entwickelt, jeder hat sich reingekniet entsprechend seiner Möglichkeiten. Dass es in einer Oberliga-Spielzeit schwere Tage gibt, weiß jeder. Dass es Niederlagen gibt, auch. Dennoch hat das Gros der Mannschaft hervorragend mitgemacht.
Müssen Sie sich vorwerfen lassen, dass die Mannschaft angesichts sechs in Schlussminute oder Nachspielzeit verspielter Siege oder Unentschieden körperlich nicht fit war?
Wenn man sich die ganzen Gegentore anschaut, glaube ich das nicht. Weil die Gegentreffer meist über frische Spieler gefallen sind. Wenn man nicht fit ist, bricht man zeitlich eher ein und bekommt andere Gegentore. Gegen Magdeburg II zu Hause beim 0:7 waren wir im Duell gegen den Staffelmeister auf diesem Niveau nicht fit. Im Heimspiel gegen Wernigerode beim 2:5 konnten wir körperlich nicht dagegenhalten. Da muss man schon ehrlich sein. Jedoch löst man dieses Problem nicht kurzfristig, sondern im Männerbereich nur mit einem mittelfristigem Leistungsaufbau über zwei, drei Jahre. In einer Spielzeit braucht man das „Glück des Kaders". Das hatten wir in dieser Saison leider nicht. Verletzungsbedingte Ausfälle von Philipp Sovago, Andy Haupt, Max Zerrenner, Tom Eichberger und Niclas Kubitz, zudem Sperren von Tom Eichberger und Szymon-Jan Frakowiak. Das waren in Summe zu viel über 30 Spieltage.
Unsere stärkste Elf stand zu selten auf dem Platz. Viele junge Spieler haben gekämpft und gemacht, aber haben ihre Entwicklung noch vor sich, die leider Zeit braucht. Deswegen haben wir teilweise Lehr-Spiele erlebt. Trotzdem sehe ich nicht alles negativ. 31 Punkte, neun Siege und vier Unterschieden sind als Thüringer Vizemeister nach 14 Neuzugängen nicht verkehrt. 50 geschossene Tore ebenfalls. Nur die 78 Gegentreffer sind definitiv die Wunde der Saison gewesen.
Als die Querelen im Vorstand mit dem Rücktritt von Maximilian Weiß als Präsident begannen, haben Sie versucht, dieses Thema von der Mannschaft fernzuhalten und sich aufs Sportliche zu konzentrieren. War das auf Dauer überhaupt möglich?
Nein, weil das natürlich auch Auswirkungen auf die Spieler hatte. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen.
Angesichts der zahlreichen Abgänge - Califo Baldé (ZFC Meuselwitz), Nikita Bondarenko, Tom Seidel (beide Blau-Weiß Zorbau), Max Zerrenner, Szymon-Jan Frackowiak, Paul Schneider (alle Einheit Rudolstadt), Robin Paulick (Thüringen Weida), Louis Schädel (Empor Glauchau), Yannick Linnemann (Meeraner SV), Shadrac Don Futi (Teutonia Weiden), Ondrej Cap, Tom Eichberger, Hamadou Diagne, Abiud Imani und Arne Böttcher - scheint die Wismut-Oberliga-Elf total zu zerfallen.
Viele Spieler werden trotzdem bleiben. Zudem wird der Kader mit hungrigen jungen Kickern aufgefüllt. Das Los hat jeder Oberliga-Absteiger zu tragen. Ich weiß, dass alle, die ab Juli das Wismut-Trikot tragen werden, sich für den Verein voll reinknien werden.
Kann es einen dritten Auftritt im Fußballer-Leben des Steffen Geisendorf bei Wismut Gera geben?
Sag niemals nie. Es gibt für mich nicht viele Vereine, für die ich tätig sein möchte. Es gehören aber immer zwei Parteien dazu, die das wollen.
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