Wirtschaft

„Auf ein sicheres Fundament gestellt”

Familienbetrieb Jens Ziegengeist feiert 90. Jubiläum – Dritte Generation erfolgreich im Handwerk

Erschienen am 12.03.2021

90 Jahre ist ein rühmliches Alter. Wohldem, der dies begehen und dabei noch gesund auf beiden Füßen stehen kann. Jens Ziegengeist gehört zu jenen Jubilaren. Indes ist die Person Jens Ziegengeist wahrlich noch keine 90 Jahre alt, jedoch die Institution um ihn herum.

Einst von seinem Großvater als Ein-Mann-Betrieb gegründet, zählt der Meisterbetrieb heute acht Angestellte, die alle im Betrieb gelernt haben und geblieben sind. „Alle unsere Mitarbeiter haben wir selbst ausgebildet. Aktuell haben wir zwei Azubis. Noch heute ist Günter Schumann bei uns aktiv. Er wurde von meinem Opa angestellt und ist uns seit 70 Jahren treu geblieben", zeigt sich Unternehmer Jens Ziegengeist stolz auf das Familienunternehmen. Zu Recht! 

Großvater Erich Zeigengeist baute 1931 mit 20 Jahren den Installations- und Klemperbetrieb auf. Zu jener Zeit gab es in Deutschland 5,6 Millionen Arbeitslose. Auch er gehörte dazu. Mutig ging er voran und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. „Auf dem elterlichen Bauerhof richtete er sich eine kleine Werkstatt ein und bemühte sich um Arbeit in den umliegenden Dörfern. Mit dem Sachs-Motorrad und dem Rucksack auf dem Rücken ging er zur Kundschaft. Dachrinne in Ein-Meter-Stücken wurden vor Ort zusammengelötet und ohne Gerüst für 4,50 Mark angebracht", steht es in der Familienchronik geschrieben. Sechs Jahre später expandierte Erich Ziegengeist und zog in die Frankenthaler Straße 47. In den Jahren wuchs die Werkstatt, Lager kamen hinzu, Mitarbeiter konnten eingestellt werden. Die ersten 25 Jahre vergingen, die „Sozialistische Umgestaltung" erschwerte die Arbeit des privaten Handwerks. 

Die Familie Ziegengeist blieb hartnäckig. 1961 kam Rudolf, der Vater von Jens Ziegengeist, mit ins Geschäft. „Gemeinsam mit drei Gesellen entstand eine gute, vertrauensvolle und solide Zusammenarbeit", erinnert sich Rudolf Ziegengeist zurück. Schon immer waren sie sowohl für öffentliche als auch private Auftraggeber im Einsatz. Drei Jahre später – früher als gedacht – sollte Rudolf das Zepter übernehmen müssen. „An den Folgen einer Gehirnblutung verstarb mein Vater Erich im Alter von nur 52 Jahren. Er legte uns ein stabiles Fundament, auf dem ich aufbauen konnte. Gemeinsam mit Günter Schumann führte ich die Unternehmung weiter", erinnert sich Rudolf Ziegengeist an das Jahr 1964, ein Jahr welches auch glückliche Momente brachte: er ehelichte seine Frau Rosi, legte die Meisterprüfung ab und wurde Vater von Sohn Jens. Knapp sechs Jahre später folgte der private Umzug in den Dr. Sauerbruch-Weg, weitere fünf Jahre später der betriebliche. 1981 feierte Rudolf Ziegengeist das 50. Geschäftsjahr. Sohn Jens stieg 1985 mit in das Familienunternehmen ein, nachdem er seinen Wehrdienst beendet und seine Lehrzeit bei Klempnermeister Reinhardt Kunstmann in Zwötzen absolviert hatte. 1989 adelte sich Jens Zeigengeist mit dem Meistertitel. 

Das Blatt wendete sich 1990. „Lagerbestände wurden wertlos, Werkzeuge, Maschinen und Fahrzeuge mussten durch neue ersetzt werden. Wir haben investiert und unsere Werkstatt um einen Anbau samt Büro, Lager und Aufenthaltsraum erweitert. Gleichwohl haben wir unseren Fuhrpark verdreifacht und unser Portfolio um den Heizungsbau ergänzt. An Arbeit mangelte es uns nicht", weiß Rudolf Ziegengeist zu berichten. Übrigens bis heute nicht. In den Jahren wuchs das Auftragsvolumen, sodass heute rund 60 Prozent öffentliche und 40 Prozent private Kunden das Geschäft am Laufen halten. „Zu unseren Kunden zählen Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften, private Immobilienunternehmen und öffentliche Einrichtungen. Aktuell bauen wir am Campus Rutheneum und an der Ostschule mit, statten Wohnungen in und um Gera aus und bereiten uns auf einen Großauftrag im Sommer in Jena – Neubau Sportschwimmhalle – vor", zählt Jens Ziegengeist ein paar aktuelle Baustellen auf. „Wir sind zufrieden und können es auch sein. Corona brachte uns eine Menge Regeln aber keine Baustopps." Und da immer gebaut wird, werden auch Fachkräfte immer gebraucht. Jens Ziegengeist bildet aus. Wer Lust an einem handwerklichen Beruf hat, der schnuppert mittels Praktikum einfach mal in die Branche rein und bleibt bestenfalls.

 

Fanny Zölsmann

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