Blicke über die Horizontlinie
Im Bild „IVO“ von Paul Wesenberg lässt der Künstler eine männliche Gestalt zerfließen und letztlich verschwinden. Foto: Wolfgang Hesse
Von Wolfgang Hesse
Gera (NG). Wer die aktuelle Ausstellung im Kunstverein auf dem Markt betritt, wird auf den ersten Blick die Räumlichkeiten nicht wieder erkennen. „Es war schon eine Mammutaufgabe, auf die wir uns als Team hier eingelassen haben", erklärt Thomas Bender, der Vorsitzende des Kunstvereins Gera e.V.
Der größte Dank gehe natürlich an den ausstellenden Künstler, Paul Wesenberg, der in sechs Tagen, teilweise ohne Zeitlimit, seine Ideen an diese Umgebung angepasst hat.
Unter dem Titel „Asleep On The Horizon Line" wird die in diesem Jahr begonnene Reihe zum obengenannten Thema fortgesetzt. Die Arbeiten von Paul Wesenberg vermuten beim ersten Betrachten, Unordnung oder Chaos. Doch genau hier sieht der Künstler eine Ordnung, die seinem Werke innewohnt. Die meist großformatigen Bilder zeigen lebendige Energie, die Paul Wesenberg mit dynamischen und rotierenden Bewegungen auf die Leinwand bringt.
Dabei bedient er sich einer Maltechnik, die sich grundlegend von der klassischen Malerei unterscheidet. Er bringt Häute aus Ölfarben teils reliefartig auf und durch gezieltes Entfernen entstehen Strukturen. Dabei „zeichnet" er mit einem Zahnarztbohrer auf der Leinwand, zerstört bewusst die Struktur und hinterlässt mitunter Löcher auf dem Bild. Diese Spuren und Verletzungen sind besonders in dem hinteren Raum der Ausstellung zu erkennen. Das durchscheinende Licht auf der Rückwand des Bildes macht diese Struktur sichtbar.
Der Maler Paul Wesenberg ging nach einem Ausflug in die Brand Architecture (Markenarchitektur), wobei er freie Kunst und Firmenkonzepte miteinander verband, nach Berlin. Inspiriert wurde er von einer frischen Sicht auf die Welt, die sich Ende der 2010er Jahre in Berlin etablierte. Um sich von den anderen Künstlern zu unterscheiden, entstand diese besondere Art von Malerei.
Nach der Einladung nach Gera habe er sich von der Kunstwelt der Stadt, insbesondere vom historischen Gebäudeensemble auf dem Markt, inspirieren lassen. Daraus entwickelte er ein Raumkonzept, wie es aktuell zu sehen ist. „Es entstand diese Kabinett-Situation, eine intime Art, die nahe am Betrachter ist", erklärt der Künstler. Durch das Abdunkeln der Fenster und das Schwarz, wolle er eine Sehnsuchtsrichtung eröffnen, um hinter den Horizont zu schauen, so Paul Wesenberg. „Mit meinen Werken möchte ich eine neue Sicht erschaffen, eine Sehnsucht, die jeder Mensch entwickelt, wenn er über das ‚Danach' oder das ‚Jenseits' nachdenkt", wünscht sich der Künstler. Die bemerkenswerte Ausstellung ist im Kunstverein Gera bis zum 11. Juli freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr im Markt 8/9 zu erleben.