Gesellschaft

Da können sich Schüler individuell entfalten

Mit Liedern eröffnete der Chor den Tag der offenen Tür. Fotos (2): Erika Baumann

Erschienen am 12.06.2024| Jahrgang: NG 12/24

Von Erika Baumann

Weida (NG). Wie jedes Jahr am Schuljahresende waren die Türen der „Schule an der Weida" für interessierte Besucher weit geöffnet. Der große Speiseraum dieser Förderschule der Lebenshilfe Zeulenroda gGmbH war proppevoll, als sich die Mädchen und Jungen der verschiedenen Klassenstufen unter viel Beifall mit einem bunten Gesangs- und Tanzprogramm vorstellten. Dann zeigten Schüler, was sie in den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften wie Fotografie, Kreatives Gestalten, Fußball, Wandern oder Tischtennis so drauf haben, eben alles, was zur individuellen Lebensbewältigung gehört. Einen großen Tag hatte Finn Hermann, der seinen 13. Geburtstag feierte. Er wurde auf die Bühne gerufen, wo ihm der Chor mit einem kleinen Ständchen gratulierte.
Schulleiter André Franke hieß die Gäste herzlich willkommen. „Wir sind ein Teil der Schullandschaft der Stadt Weida und des Landkreises Greiz und stehen für Vielfalt, Offenheit und Verständnis", betonte er. Förderschwerpunkt sei die geistige Entwicklung der derzeit 90 Schüler im Alter von sechs bis 18 Jahren. Dabei steht deren Individualität ganz oben, sind die Lerninhalte auf das geistige Niveau jedes einzelnen angepasst. Ziel ist es, die jungen Leute mit Liebe und Ausdauer auf ein selbstbestimmtes Leben in enger Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus vorzubereiten. Nur acht bis neun Schüler lernen zwölf Jahre lang in unteren, mittleren, oberen Klassenstufen sowie Werkstufen. Dafür sorgen 31 Pädagogen und zwölf Lernbegleiter. Nach zwölf Jahren endet die Schulpflicht. Danach haben die Schüler die Möglichkeit, in geschützten Werkstätten zu arbeiten oder durch weitere Fördermaßnahmen auf dem freien Arbeitsmarkt einen Job bekommen. „Das sind sogar zehn bis 20 Prozent", freut sich der Schulleiter.
Stolz zeigten Lehrer und Schüler den Besuchern ihre moderne Schule. In deren Räumen hatten die Klassen mit viel Ideenreichtum und Freude verschiedene Unterrichtsprojekte präsentiert. Die 17-jährige Anastasia nähte zum Beispiel in der Werkstufen-Klasse Beutel für den Einkauf.
Andere waren bei einem Wassermessungsprojekt auf der oberen Etage dabei. „Diese wurde im Schuljahr 2023/24 nagelneu und mit digitalen Tafeln eingerichtet, nachdem die Osterburg-Grundschule ausgezogen war", erläutert Lehrer Patrick Schmidt.
In einem Raum der Unterstufe malt die neunjährige Aiyana fleißig Bilder aus. Sie liebt Musik und Tanzen und lernt mit Hilfe der Pädagogin Karoline Däumler ihren Namen schreiben und Zahlen kennen. „Wir kochen auch einmal in der Woche zusammen, erledigen verschiedene Hausarbeiten, zum Beispiel Wäsche legen und bügeln, und alle zwei Wochen steht in Gera schwimmen an", berichtet sie aus dem Unterrichtsprogramm.
Dass sich alle Schüler überall in dieser speziellen Einrichtung ganz individuell entfalten können, das schätzt auch Simone Müller aus Wünschendorf. Ihr achtjähriger Sohn Mathias sei schon gut in der Sprachentwicklung vorangekommen. Wie Frau Müller erkundeten an diesem Tag viele Eltern und Großeltern die Klassenräume, die Lehrküche, den Aktivraum, das Pflegebad und schauten sich auf dem Spiel- und Sportplatz um.
Auch diesmal besuchten wieder einige ehemalige Pädagogen ihre einstige Wirkungsstätte. Dazu gehörte Erzieherin Regina Gewohn aus Ronneburg. Sie unterrichtete fast 30 Jahre an der Schule und fühlt sich immer noch mit ihr verbunden. „Wir waren eine prima Truppe in fast familiärer Atmosphäre, und das sind wir auch heute noch", schwärmt sie.

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