Sport

„Das Boot lief wie von allein“

Die 22-jährige Geraer Slalomkanutin Lucie Krech holt sich in Krakau U 23-WM-Gold im C1. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 22.07.2026| Jahrgang: NG 15/26

Von Jens Lohse

Krakau/Gera (NG). Lucie Krech konnte es kaum fassen. Mit einer nahezu perfekten Fahrt sicherte sich die 22-jährige Geraerin, die für den Leipziger Kanuclub startet, die C1-Goldmedaille bei den U 23-Weltmeisterschaften im polnischen Krakau.
Im Vorlauf hatte sie nur Platz 15 belegt, sich im Halbfinale als Vierte gesteigert. „Da hatte ich viele Torberührungen, war aber enorm schnell unterwegs, was mir Mut für den Endlauf gemacht hat", verrät Lucie Krech, die im Vorfeld des Finals keinen sonderlichen Druck verspürte. „Ich war nicht nervös, habe mich aber auf dem Wasser sehr gut gefühlt. Irgendwie musste ich überhaupt nicht arbeiten, das Boot lief wie von allein. Ich habe den Flow einfach mitgenommen, habe eine gewisse Leichtigkeit gespürt", berichtet die Polizeischülerin, die Mitglied der Sportfördergruppe der Polizei Sachsen ist, ein par Tage später immer noch überwältigt.
Als Viertletzte ging sie im Finale an den Start, lieferte einen nahezu fehlerfreien Lauf mit perfekter Linie ab. Lediglich eine Torstange berührte sie, was zwei Strafsekunden nach sich zog.
Bei der Zieldurchfahrt sah sie die grünen Lampen, was bedeutete, dass sie in Führung lag. „Da ist alle Anspannung von mir abgefallen. Ich wusste, dass ich einen konkurrenzfähigen Lauf abgeliefert hatte, hatte allerdings keine Zeit, irgendetwas zu verarbeiten, will ich sofort in die Kiss&Cry-Zone musste, wo ich als Führende auf die verbleibenden drei Sportlerinnen wartete", erinnert sich Lucie Krech.
Doch weder die Slowakin Stanislava Duratna, die Italienerin Elena Micozzi noch die Tschechin Adriana Morenova schafften es nur in die Nähe ihrer Zeit.
Mit mehr als viereinhalb Sekunden Vorsprung vor der Italienerin Micozzi und der Chinesin Yishan Wu sicherte sie sich den U 23-Weltmeistertitel. Bei bisher drei WM-Teilnahmen in dieser Altersklasse war die gebürtige Geraerin, die beim TSV 1880 Zwötzen das Kanuslalom-Abc vermittelt bekommen hatte, in den Einzelkonkurrenzen stets leer ausgegangen.
„Einen Schub habe ich in diesem Jahr sicherlich dadurch erfahren, dass ich mit vielen verschiedenen Trainern zusammenarbeite und dadurch ganz neuen Einflüssen ausgesetzt bin. Sowohl meine Heimtrainerin Lena Stöcklin in Leipzig als auch Franz Anton in Krakau oder Felix Michel, der mich bei dem Weltcups betreut, leisten eine tolle Arbeit, die mich unwahrscheinlich voranbringt", weiß die 22-Jährige, die erst Ende Juni Geburtstag feierte. „Sonst bleiben einem eher die schlechten Läufe im Gedächtnis. Deswegen ist diese Goldmedaille für mich und meinen Kopf total wichtig. Jetzt weiß ich, dass die letzten Jahre harter Arbeit nicht umsonst gewesen sind. Das gibt mir enormes Selbstvertrauen", erzählt sie. Wenn sie sportliche Mitstreiter mit „Hallo World Champion" ansprechen, fühlt sich das immer noch unwahr an.
Zeit zum Verarbeiten des Erfolgs wird Lucie Krech in den nächsten Tagen kaum haben. Nach dem Rückreise-Tag aus Krakau und einem Tag des Verschnaufens ging es schon am Folgetag für die Wahl-Leipzigerin weiter nach Oklahoma in den USA, wo die diesjährigen Kanuslalom-Weltmeisterschaften der Elite stattfinden.
Als Vierte der nationalen Ausscheidungen in Markkleeberg und Augsburg war Lucie Krech durch den schwangerschaftsbedingten Verzicht von Elena Lilik (Augsburg) ins DKV-Team gerückt. Von Berlin ging es per Flieger über Amsterdam nach Oklahoma. „Das wird ein ganz großes Abenteuer für mich. Ich versuche, alles aufzusaugen, was ich mitnehmen kann. Die Vorfreude ist enorm", sagt die Geraerin, für die nach dem U 23-WM-Titel in Krakau alles was nun kommt, nur noch Zugabe ist.

Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Neues Gera

Aktuelle Ausgabe

Neues Gera

Nr. 16-2026
vom 05. August

Aktuelle Ausgabe

Neues Gera

Neues Gera

Nr. 15-2026
vom 22. Juli