DDR-DJ´s feiern Wiedersehen
Mehr als 20 einstige Schallplattenunterhalter der DDR treffen sich zwölf Jahre nach dem letzten Zusammentreffen im „Klimperkasten“ wieder. Foto: Jens Lohse
Von Jens Lohse
Gera (NG). 2014 hatte Frank Kuhne zum letzten Treffen der DDR-DJ´s eingeladen. „Zehn Jahre später wollten wir die Zusammenkunft wiederholen. Nun sind es zwölf geworden, was aber nicht schlimm ist. Die Resonanz ist nach wir vor groß. Es fühlt sich an wie bei einem Klassentreffen", meinte der 69-jährige Organisator, der diesmal in den Klimperkasten am Hauptbahnhof gebeten hatte.
„Damals waren wir im Lusano 25 einstige Schallplattenunterhalter. In dieser Größenordnung bewegen wir uns auch diesmal", verriet Frank Kuhne, der 1971 gemeinsam mit Rolf Kraft im Speisesaal des Wohnungsbaukombinats Gera in Debschwitz seine erste Disco für die Belegschaft veranstaltet hatte. Zuvor hatte er bereits bei einer Schuldisco aufgelegt. Nachdem sich sein Kumpel zurückzog, machte Frank Kuhne zunächst allein weiter, ehe er im Crossener Thomas Gehrt einen neuen Partner fand. Beide arbeiteten zusammen bei Carl Zeiss. Thomas Gehrt hatte sieben Jahre als Live-Musiker agiert. Das Duo passte perfekt zusammen. Das Kreiskulturkabinett Gera bot zu dieser Zeit Lehrgänge für Schallplattenunterhalter an. Nach diesem wurde Frank Kuhne mit A eingestuft, was bedeutete, dass er im Stadtgebiet Gera auflegen durfte. B bedeuete Kreis, C Bezirk, D die gesamte Republik. Eine weitere Kategorie gehörte den Berufs-DJ´s.
Später meldeten sich beide nach Eisenberg um. Dort waren die Vorgaben nicht so streng. „In der Papierfabrik Blankenstein im Sperrgebiet haben wir vor 1.200 Leuten aufgelegt. Auf dem Weg dorthin wurden wir mit unserem Lada trotz Passierscheins fünfmal angehalten und kontrolliert", berichtete Frank Kuhne und ergänzte: „Uns hat es Spaß gemacht. Und trotzdem war es auch anstrengend. Schließlich waren wir 60 bis 70 Abende im Jahr unterwegs und dass trotz eines ganz normalen Drei-Schicht-Jobs als Dreher im Musterbau", erzählte der 69-Jährige, der fünf Jahre auch den Fasching in Silbitz musikalisch betreute. Mit der Wende suchte Thomas Gehrt sein Glück im Westen. Frank Kuhne brauchte einige Zeit, etablierte sich wieder mit kleinen Veranstaltungen und hat dieses Engagement mit seiner mobilen Diskothek „Renaissance" bis heute aufrechterhalten.
Dienstältester DJ im Klimperkasten war Wolf-Rüdiger Weber. Der 76-jähriger gebürtige Plauener hatte schon 1970 als Profi als „DJ Wolf" begonnen. Die Liebe verschlug ihn nach Schmölln. 1977 zog er nach Gera weiter. Nun lebt er seit 1999 in Magdeburg. Als Live-Musiker hatte er kein Glück, war später in einem Tonstudio in Westberlin aktiv und erlebte den letzten Tag des Ostberliner Palasts der Republik im dortigen Jugendtreff. Weil er stets viel DDR-Musik spielte, erwarb er sich den Beinamen „Der rote Wolf". Missen möchte er die Zeit nicht. „Ich hatte ein wunderbares Leben. Manche Dinge hätte ich sicherlich nicht gebraucht. Aber das wird jedem so gehen", meinte er.
Und so entwickelte sich ein Abend, in dem noch lange in Erinnerungen geschwelgt wurde. Das nächste DJ-Treffen wird sicherlich nicht wieder zwölf Jahre auf sich warten lassen.