Der Wachtelkönig von Braunichswalde
Momentan hält Peter Meyer nur 150 Wachteln hinter seinem Haus in Braunichswalde. In Bälde wird wieder die große Brutmaschine gestartet. Foto: Jens Lohse
Von Jens Lohse
Braunichswalde (NG). Als Peter Meyer 2019 in den Ruhestand geht, sucht der Vorsitzende des Kreisverbands der Rassegeflügelzüchter Gera nach einer neuen Aufgabe. „Eigentlich habe ich gar nicht gesucht. Aber ein befreundeter Züchter meinte, man könnte doch mal etwas mit Wachteln machen. Auf diesen Zug bin ich aufgesprungen", erzählt der 66-Jährige, der inzwischen mit seinem Wachtelhof in Braunichswalde groß im Geschäft ist. Der bietet Wachtelspezialitäten aller Art an. Das Sortiment reicht von frischen Wachteleiern über Wachtelei-Nudeln oder Wachtelei-Spätzle in bereits sieben Variationen, tiefgefrorenem Wachtelfleisch bis hin zum Wachteleierlikör.
Zum absoluten Renner auf der jüngsten Grünen Woche in Berlin wurde die im Glas angebotene Wachtelsülze. „Die in die Hauptstadt mitgenommenen 100 Gläser waren in vier Tagen verkauft. Um nachzuliefern gibt es momentan eine Vorbestellliste", verrät der umtriebige Rentner. Das drittletzte Glas kaufte der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion Tino Chrupalla, der seinem Stand einen Besuch abstattete. Peter Meyer ergänzt: „Da habe ich wohl eine Nische erwischt, die ihresgleichen sucht. Ich habe nicht gewusst, dass dieser Markt noch so leer ist." Einige Hotels und Gaststätten wie das Bioseehotel in Zeulenroda oder Burg Posterstein, auch die Globusmärkte in Gera-Trebnitz und Hermsdorf bieten seinen Eierlikör an. Hochwertige Präsente stellte der Braunichswalder jüngst für den Jahresempfang des Landkreises Greiz und die Messe in Erfurt bereit. Die diesjährige Grüne Woche war für weitere Kontakte Gold wert.
Wachteln zählen zu den kleinsten Hühnervögeln überhaupt: Die in Europa lebende Art ist etwa so groß wie eine Amsel. Sie wird nur rund 18 Zentimeter groß und wiegt zarte 100 Gramm. Einige Züchtungen, wie die Legewachtel, bringen allerdings mehr auf die Waage - bis zu 260 Gramm. Wachteln werden immer beliebter als Haustiere, vor allem wegen ihrer kompakten Größe und der Möglichkeit, frische Eier zu sammeln. Sie legen regelmäßig kleine, proteinreiche, aber cholesterinarme Eier, die kaum Allergien verursachen. Ein paar Tiere reichen aus, um den täglichen Bedarf einer Familie zu decken. Sie sind relativ robust, pflegeleicht und benötigen keine komplizierten Futtermittel. Im Vergleich zu Hühnern sind Wachteln eher ruhig, was sie auch für städtische Gebiete geeignet macht.
Die Wachtelsaison dauert von November bis nach Ostern. Im Sommerloch läuft bei Peter Meyer die Nudelherstellung. Derzeit hat er nur 150 Tiere in seiner Anlage hinter dem Haus, die auf Dinkel-Pellets stehen und automatisch mit frischem Wasser versorgt werden. In Bälde wird die große Brutmaschine wieder mit etwa 1.000 Eiern befüllt. „Wenn 800 Wachteln herauskommen, bin ich zufrieden", sagt Peter Meyer, der weiter expandiert. Momentan produziert er zwischen 5.000 und 6.000 Flaschen Eierlikör im Jahr. „Der wirtschaftliche Erfolg hat den Vorteil, dass ich mir meine Partner aussuchen kann. Erst kürzlich habe ich neue Verträge mit Feinkostgeschäften in Erfurt und Leipzig geschlossen", berichtet der 66-Jährige. Inzwischen hat er auch einen Internet-Verkaufsshop eingerichtet und verschickt seine Spezialitäten gut verpackt nach ganz Deutschland. Gern können die Waren aber auch bei ihm vor Ort im Wachtelhof in Braunichswalde erworben werden. Unter Tel. 0160-8971900 oder E-Mail info@wachtelhofmeyer.de können individuelle Termine vereinbart werden.
Ein großer Coup gelang Peter Meyer vor wenigen Wochen im Wissen darum, dass die Wachtel-Erzeugnisse momentan in der gehobenen Gastronomie besonders angesagt sind. Seine Wachtelei-Nudeln und das Wachtelfleisch werden nun in drei Restaurants des Spa & GolfResorts Weimarer Land in Blankenhain geliefert, das zuletzt als Trainingslager-Ort der Fußballnationalmannschaften von Deutschland und England auf sich aufmerksam machte. „Zwei Restaurants davon tragen sogar einen Michelin-Stern", verkündet Peter Meyer stolz und hofft, dass die Entwicklung in Sachen Wachteln noch längst nicht am Ende ist.