Gesellschaft

Doppel-Olympiasiegerin an der Bergschule

Mit den Schülern macht sich die Geraer Ehrenbürgerin in der Turnhalle warm. Fotos (3): Jens Lohse

Erschienen am 17.09.2025| Jahrgang: NG 19/25

Von Jens Lohse

Gera (NG). Ganz viele Schüler-Arme reckten sich in die Höhe, um Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler eine Frage zu stellen. In der Aula der Geraer Bergschule erfüllte die Ehrenbürgerin der Stadt ihr Versprechen, nach dem aus beruflichen Gründen von ihr verpassten Heike-Drechsler-Sportfest des letzten Schuljahres der Siegerschule einen ganz persönlichen Besuch abzustatten.
Auf dem Parkett der Aula waren die 7,48 m aufgeklebt, die die Leichtathletin einst als ihre Bestweite erzielt hatte und die trotz einer Malaika Mihambo auch heute noch den deutschen Rekord markieren.
Die Dritt- und Viertklässler wollten vieles wissen: Wie weit sie einst gesprungen sei, wann sie ihre erste Medaille gewonnen habe, wie viele Pokale zu Hause ihren Schrank schmücken und ob sie schon immer die Beste gewesen sei. Die 60-Jährige, die nach wie vor fit wie ein Turnschuh wirkt und ihrem einstigen Wettkampf-Gewicht nahe ist, antwortete geduldig, auch wenn sich manche Frage doppelte.
Zunächst zeigte sie den Schülern und Lehrern einen kleinen Film über die größten Erfolge ihrer insgesamt 27 Jahre dauernden leistungssportlichen Laufbahn.
Los ging es mit dem WM-Titel 1983 in Helsinki, wo sie als 18-Jährige unerwartet mit 7,27 m die Goldmedaille holte. Auch bei der Europameisterschaft 1986 in Stuttgart hatte sie die Nase vorn und wurde gesamtdeutsch gefeiert. Zwei Jahre später durfte sie ihre ersten olympischen Medaillen in Seoul bejubeln. 1992 in Barcelona gab es olymoisches Weitsprung-Gold wie auch acht Jahre später in Sydney mit 35 Jahren.
„Aber ich war nicht immer nur die Siegerin. Meine ersten Medaillen habe ich bei der Kreis-, Kinder- und Jugendspartakiade im Stadion der Freundschaft gewonnen, über 60 Meter, im Schlagballwerfen und im Weitsprung. Aber das waren nicht nur goldene", erinnerte sich Heike Drechsler noch. „Ich wusste damals schon ganz genau, was ich wollte – nämlich zu diesen olympischen Spielen", berichtete sie und verband damit noch ganz andere Erlebnisse. 1988 hatte sie sich im olympischen Dorf ein Autogramm von Tennis-Siegerin Steffi Graf geholt.
„Bewegung ist etwas ganz Tolles. Das sehe ich auch heute noch so. Deshalb unterstütze ich auch das Heike-Drechsler-Sportfest, das im nächsten Jahr 20-jähriges Jubiläum feiert, schon seit seiner Premiere", erzählte sie. Bis auf letzten Mai war die Doppel-Olympiasiegerin immer persönlich vor Ort gewesen.
Nach dem Auftakt in der Aula der Bergschule folgte in der altehrwürdigen Turnhalle – der Regen ließ Aktivitäten im Freien nicht zu – auch eine sportliche Trainingseinheit. Nach einer Erwärmung wurde auf der Hochsprungmatte die Landetechnik im Weitsprung geübt, was den Dritt- und Viertklässlern sehr viel Spaß machte. Wer nicht selbst lief oder sprang, sah sich auf der Bank die von Heike Drechsler mitgebrachten Olympia-Goldmedaillen oder die Original-Spikes der gebürtigen Geraerin an, die mittlerweile in Berlin ihren Lebensmittelpunkt hat.
Das nächste Heike-Drechsler-Sportfest wird es wohl im kommenden Mai geben. Dann plant Schulsportkoordinator Steven König einige Veränderungen am Wettkampfmodus im Vergleich zu den letzten Jahren. So überlegt man, einen Dreikampf und diesen für Erst- bis Viertklässler anzubieten. Das würde einen Veranstaltungsbeginn am Vormittag erfordern. Dass die Bergschüler dann ihren Erfolg verteidigen wollen, steht für sie außer Frage.

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