Ein Hobby, das zur Passion geworden ist
Jana Kressner und Uwe Karczmarczyk, inmitten ihres mediterranen Paradieses, zeigen die Blüten ihrer Agave Parryi, die nun langsam verblühen. Foto: Wolfgang Hesse
Von Wolfgang Hesse
Gera (NG). Am Fuße des Büchsenbergs gelegen, versteckt sich unweit des Zwötzener Weges ein mediterranes Kleinod. Inmitten üblicher Gartenanlagen überragen zwei große Palmen das Gelände. Dort verbirgt sich die Gartenwelt von Jana Kressner und Uwe Karczmarczyk. Mauer und Bewuchs erinnern an Urlaub in Italien, Spanien oder Portugal, an das Mittelmeerklima und eine südliche Vegetation. Aktuell kann der ambitionierte Gärtner eine ganz besondere Überraschung präsentieren. Eine seiner Agave Parryi hat einen Blütentrieb entwickelt. So etwas zu erleben sei ganz selten und dann noch in unseren Breiten. Ihm ist kein ähnlicher Fall bekannt, berichtet Uwe Karczmarczyk. „Sie blüht nur einmal, dann wird sie sterben", weiß er. Ein meterlanger Trieb mit Knospen ist entstanden. Diese entwickelten Blüten und Samen, bevor sie absterben. Im Herbst werde die Agave Parryi eingehen, weiß der erfahrene Exotenfreund.
Uwe Karczmarczyk hat inzwischen neues bewegtes Leben in seinen Garten geholt. In einem Terrarium zeigt er drei Streifenhörnchen, denen es sichtlich gut geht. Flink rasen sie durch das Gehege und verstecken sich. Diese Tiere sind in Amerika beheimatet, kommen jedoch mit unseren mitteleuropäischen Klima gut zurecht und können auch im Winter im Gehege bleiben.
In seinem „Klein-Italien" stehen 14 Freilandpalmen, Agaven, Yucca und Aloe. Man ist erstaunt, dass so etwas in unserem „rauen" Klima gedeihen kann. Uwe Karczmarczyk weiß es besser. Seit 2002 pflegen Jana Kressner und er ihr exotisches Hobby.
„Kaum einer hält es für möglich, Freilandpalmen in Gera ausgepflanzt über den Winter zu bringen. Wir haben es ab 2002 riskiert und sind mit reicher Vegetation und voller Blütenpracht belohnt worden", gesteht Uwe Karczmarczyk und zeigt stolz seine fünf Meter hohe Trachycarpus fortunei. Das ist eine mittelhohe, robuste und pflegeleichte Fächerpalme, die gut mit unserem Klima zurechtkommt.
Eine weibliche und eine männliche Pflanzen gedeihen im Palmengarten. Beide befruchten sich gegenseitig und die aufgegangenen Wildlinge zieht Uwe Karczmarczyk in Pflanztöpfen. „Ab einem gewissen Alter, bei guter Bewässerung und Dünger können die Palmen schon mal 30 bis 40 cm im Jahr wachsen", weiß er.
In der kalten Jahreszeit benötigen die exotischen Gewächse die größte Aufmerksamkeit. Uwe Karczmarczyk hat sich deshalb ein ausgeklügeltes Überwinterungssystem einfallen lassen. Schutzdecken aus Fließsäcken oder Luftpolsterfolie schützen die Exoten. In Nächten um die minus 20 Grad beheizt er mit Grablichtern und Petroleumlampen gefährdete Exoten. Bei diesen Temperaturen lässt er seine Gewächse nicht allein und übernachtet selbst im Gartenhaus.
Mit dem eigenen mediterranen Flair erfüllte sich Uwe Karczmarczyk einen Kindertraum. Fotos aus Italien haben ihn bereits in der Schule fasziniert. Heute hat er sich Italien in seinen Garten geholt. Die mediterranen Mauern hat er gemeinsam mit seiner Partnerin eigenhändig und mit viel Kreativität gestaltet.
Neben den Trachycarpus zeigt er Zwergpalmen (Chamaerops humilis), Freilandagaven (Agave Parryi, Agave Neomexicana), Kakteen und einen Olivenbaum. Selbstverständlich befinden sich in seiner grünen Oase auch heimische Stauden. Er sucht einen Mittelweg zwischen Exoten und heimischer Natur.
„Wenn man Wälder rodet oder alles asphaltiert, nehmen wir den Pflanzen und Tieren den Lebensraum. Da brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn unsere Umwelt kaputt geht", gibt er zu bedenken.
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