Ein schönes Nest für besondere Schützlinge
Die Bewohner der WG „Lebens-Art“ feierten mit ihren Betreuern und Gästen den 10. Geburtstag ihrer Einrichtung. Foto: Erika Baumann
Von Erika Baumann
Der Garten des Hauses in der Dürrenebersdorfer Straße 80 ist einladend gestaltet, Luftballons und Wimpelketten sind aufgehängt, der Rost brennt, weit geöffnet ist die Eingangstür, dahinter viele Teller voller leckerer Kuchenplatten . Schließlich soll Geburtstag gefeiert werden – der 10. der Wohngemeinschaft „Lebens-Art"! Im Frühjahr 2016 wurde das moderne Gebäude feierlich eingeweiht. Das Besondere: Hier haben junge geistig beeinträchtige Menschen, die meisten über 30, ein schönes Zuhause. Und die wollten das Jubiläum gemeinsam feiern mit ihren Betreuern vom Geraer Arbeiter-Samariterbund (ASB), Eltern, Freunden, Förderern und Nachbarn. Ihnen allen galt schon am Eingang ein herzlicher gestalteter großer Willkommensgruß.
Zu den ersten Besuchern, die sich rund um die Thematik ambulantes Wohnen von beeinträchtigten Bewohnern interessierte, gehörte Katharina Ottenschläger aus Lusan. Sie sei von einer Mutti der Kirchgemeinde über diesen Tag informiert worden. „Ich bin ganz begeistert vom Haus und seiner tollen Wohnform und von den jungen Leuten, die einem offen gegenübertreten", sagt sie anerkennend. Und weiß, wie wichtig es ist, solchen Menschen ein behütetes Nest zu geben. Sie selbst sei seit 2008 in der Suchthilfe aktiv, begleitet die Arbeitstherapie in der Werkstatt eines Zwötzener Wohnheimes. Und Christoph Ludwig aus Bieblach war einfach neugierig auf Einrichtung und Bewohner. „Ich bin angetan, wie die Gruppe hier selbstbestimmt und aufgeschlossen lebt und gut betreut wird."
Dafür sorgen tagtäglich die ASB-Alltagsbetreuer um Team-Leiter Klaus Wirtz. Von der ersten Stunde an dabei ist Ilona Zimmer. Sie weiß um alle Höhen und Tiefen, die man gemeinsam in den zehn Jahren gemeistert hat. „Längst kennen wir uns alle gut und sind wie eine kleine oder doch schon recht große Familie." Dieses gute Zusammenspiel zwischen Betreuer-Team und den besonderen Schützlingen schätzt Martina Born hoch ein. Sie, die Förderschullehrerin und ihr Mann Jürgen, Geschäftsführer der Geraer BKL Haustechnik, hatten die Idee für so ein spezielles Haus zum Wohlfühlen. Sie haben selbst ein behindertes Kind. Ein Heimplatz käme für ihre Tochter nicht in Frage. Und so machten sie sich Gedanken, wie sie ihre Tochter und anderen jungen Leuten mit gleichem Schicksal helfen können, ihre Zukunft weitestgehend selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.
Und das tun tagtäglich Stefanie Born, Angelika Otto, Mark Glückner, Christian Wagner und seit zwei Wochen ebenso Alice Gill in ihrer ambulanten Wohnform. Jeder Bewohner hat sein eigenes geräumiges Zimmer mit Sanitärzelle. Es gibt eine Gemeinschaftsküche, einen gemütlichen Aufenthaltsraum, ein behindertengerechtes Pflegebad, einen Hauswirtschaftsraum. Alle Bewohner gehen einer Tätigkeit nach, in den Werkstätten der Lebenshilfe und deren Agaer Einrichtung. Ein Fahrzeug bringt sie zur Arbeit und holt sie auch wieder ab.
Auch Neues konnte zum 10. Jubiläum berichtet werden: Der Verein „Lebens-Art" ist nun offiziell gegründet. Vorsitzender ist Jürgen Born, Mitglieder sind Team-Leiter Klaus Wirtz von der ASB, Eltern der Bewohner, Mitarbeiter der BKL-Haustechnik, Freunde und Bekannte. Ziel ist die noch bessere Unterstützung der Wohngemeinschaft, zum Beispiel bei Hilfen im Haus, bei Festen übers Jahr oder bei der Freizeitgestaltung. Vor kurzem besuchte die Gruppe ein Konzert am Schkeuditzer See. Das Auto hat Jürgen Borns Firma kostenlos zur Verfügung gestellt. Und den „Bratmeister" am Tag der offenen Tür hat sein Kollegen Stefan Müller gern übernommen.
„Ja, wir konnten mittlerweile ein recht gutes Netzwerk knüpfen", freut sich Martina Born, die selbst oft in der WG Hand anlegt. Aber sie wünscht sich ein noch breiteres Engagement der Eltern, damit diese ambulante und viel Einsatz fordernde Wohnform auch in Zukunft Bestand hat.
Gesellig klang der sonnige Jubiläums-Tag aus mit anregenden Gesprächen und Basteln im Freien. Viele Fragen konnten den wissbegierigen Besuchern über Haus und Bewohnern beantwortet werden.
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