Kultur

Erhalt und Pflege der Muttersprache

Karin Wagner und Jörg Bönisch bei der Eröffnung des Vortrages „Verstehen Sie Bahnhof“. Foto: Erika Baumann

Erschienen am 24.06.2026| Jahrgang: NG 13/26

Von Harald Baumann Um unsere schöne deutsche Sprache, die der Wissenschaftler und Poet Jean Paul einmal als die Orgel in der Sprachfamilie bezeichnet hat, muss man sich Sorgen machen. Unsere Sprache ist durch eine ungewöhnliche Vielzahl von Anglizismen, also Englisch und Amerikanisch, durchdrungen. Auch in Gera und der Region sind Sprachpanscher am Werk: Telekom, die Post, die Deutsche Bahn, aber auch Kaufhallen, Gastronomie und Verwaltungen, ja auch der MDR tragen zur Verhunzung der Sprache von Goethe, Schiller, Marx und Engels bei. 

Diesem Prozess der kulturellen Entfremdung stemmt sich mit Ideen und Aktivität eine vielfältig tätige Gruppe von Menschen entgegen: der Verein Deutsche Sprache e.V (VDS). Er wurde 1997 in Dortmund gegründet, feiert also 2027 sein 30-jähriges Bestehen. Er betreibt ein weltweites Netz zur Pflege der deutschen Sprache. 

Dieser Tage waren wir Zeuge eines dieser interessanten Vorhaben. Treffpunkt war die Gaststätte im Geraer Südbahnhof. Die Regionalleiterin Ostthüringen des Vereins, die langjährig schon tätige Karin Wagner, hat Vereinsmitglieder und Interessenten zu einem Vortrag der Sprachpflege eingeladen. Unter dem originellen Titel „Verstehen Sie Bahnhof" hielt der Sprachexperte Jörg Bönisch in Eisenbahneruniform einen Vortrag zum Thema „Kuriositäten der Bahnfachsprache". De facto also eine Wertschätzung für ein Gebiet unserer Muttersprache. Deutsch ist voller besonderer sprachlicher Begriffe, zum Beispiel derzeit im weit verbreiteten Fußballsport. 

Karin Wagner gab bei dieser Gelegenheit einen Einblick in die vielgestaltige Vereinsarbeit der Regionalgruppe: Zu Beginn waren das etwa 40 Mitglieder, derzeit sind es rund 100. Die Zahl stieg seit 2017 kontinuierlich an. Der VDS fördert eine offene und sachliche Debatte zur Entwicklung und zur Zukunft der deutschen Sprache. Das Kulturgut Sprache betrachten die ehrenamtlich wirkenden Freunde als ihre Herzensangelegenheit. Dazu präsentieren sie sich in den sozialen Medien, auf Buchmessen, auf Volksfesten (Beispiel: Geraer Hofwiesenparkfest), auf Großveranstaltungen und durch die Vergabe von Kulturpreisen an heimischen Gymnasien für das beste Deutsch-Abitur. 

Ein Beispiel: Am 12. April diesen Jahres kamen in der Bad Köstritzer St. Leonhard-Kirche rund 80 Interessenten zu einem Konzert „Sprache und Musik". Die Künstler Lutz Schönfeld und Dirk Eisenschmidt präsentierten mit Akkordeon, Gitarre und Gesang deutsche Rock- und Pop-Balladen. Ja, die deutsche Kultur hat eine lange Musikgeschichte. Die VDS-Regionalgruppe plant künftig nun derartige weitere solcher Veranstaltungen, die der Vorstand mit fünf Fachleuten organisiert. Die Regionalgruppe will sich im September auch an dem weltweiten „Tag der deutschen Sprache" beteiligen. 

Der VDS veröffentlicht übrigens eine deutschlandweit beachtete jährliche Bewertung der Sprachpanscher, die Vereinsvorsitzender Prof. Walter Krämer listig verkündet. Dazu gehörten die Hamburger Damenschneiderin Jil Sander, die im deutsch-englischen Kauderwelsch über ihr Leben sinnierte. „Preisträger" wurde auch der Reifenhersteller Continental, das Unternehmen Ritter Sport mit ihren Naschereien und merkwürdigerweise auch die Duden-Redaktion. 

Der VDS veranstaltet jährlich die Bundesdelegiertenkonferenz, die voriges Jahr im Geraer KuK (Eröffnung im Rathaussaal) stattfand. Eine außerordentliche wertvolle Publikation gibt der Verband mit den Zeitschrift „Sprachnachrichten" in einer Auflage von 20.000 Exemplaren heraus – eine Perle für Sprachliebhaber. In diesem Heft befinden sich auch immer wieder Berichte von den Aktivitäten der VDS-Regionalgruppe Ostthüringen.

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