Kultur

Erinnerung und Mahnung

Die Gedächtniskapelle in der Neuen Landschaft Ronneburg während des 10. Kirchweihjubiläums. Fotos (2): Wolfgang Hesse

Erschienen am 17.09.2025| Jahrgang: NG 19/25

Von Wolfgang Hesse

Ronneburg (NG). Seit dem 20. August 2015 erinnert in der Neuen Landschaft Ronneburg eine Gedächtniskapelle an die Folgen des Uran-Bergbaus in der Region. Zwölf kleine Fenster gedenken im apostolischen Gleichnis der ca. 2.000 betroffenen Menschen, die Heimat und Lebenswerk verlassen mussten. In zwölf Orten gingen Siedlungsstrukturen verloren, in vier Orten die gesamte Bebauung. Die Orte Katzendorf und Culmitzsch, Gessen und Schmirchau nennt man heute die verschwundenen Dörfer. Die großen Fenster und die Tür bilden ein Kreuz und die Dachspitze weist gen Himmel.
„In diesem Jahr kann mit dem zehnjährigen Kirchweihfest der Geschichte von Anfang und Ende der Ära des Uranbergbaus in Ostthüringen, der Authentizität des zerstörten vergangenen Lebensraums und der neu entstandenen Landschaft im ehemaligen Bergbaugebiet gedacht werden", betonte Frank Lange während eines Festgottesdienstes vor der Gedächtniskapelle.
Bis jedoch vor zehn Jahren dieses Gotteshaus Wirklichkeit werden konnte, lag ein langjähriger und beschwerlicher Weg hinter den Initiatoren.
Seit 1988 organisierten sich Anwohner und Umweltschützer im kirchlichen Umweltkreis Ronneburg. Mit Analysen und Aufklärung wiesen sie noch zu DDR-Zeiten auf die Gefahren des Uran-Bergbaus und den Raubbau an der Natur hin. Mit dem Ende des Uranabbaus und der Sanierung der geschundenen Landschaft ging parallel das Gedenken einher. Die Wismut GmbH und der Bergbautraditionsverein beschritten eigene Wege der Erinnerungskultur. Als sogenannter Schlussstein auf dem Lichtenberg erinnert heute ein Aussichtsturm in Form einer Grubenlampe an die Zeit des Uranbergbaus in dieser Region. Der kirchliche Umweltverein Ronneburg und der 2005 gegründete Verein Gedächtniskapelle Ronneburg e.V. stellten neben der Bewahrung der Schöpfung, das Gedenken an die durch den Uranbergbau verursachten Schäden an Heimat und Gesundheit in den Fokus. Dies alles sollte in einer Kapelle inmitten der neu geschaffenen Landschaft ihren Ausdruck finden.
„Die Idee, das Projekt im Rahmen der Bundesgartenschau 2007 Gera-Ronneburg zu realisieren, wurde von der BUGA GmbH abgelehnt", schreibt Frank Lange im seinen Erinnerungen.
Erste Entwürfe für ein Gotteshaus erwiesen sich als sehr kostenaufwändig und es wurde nach Alternativen gesucht. Die Initiatoren, die Familien Lange und Barth, entdeckten während eines Urlaubs die Angerberger Friedenskapelle in Tirol. Der Architekt Reinhold Ehrenstraßer und der Bürgermeister Walter Osl aus der Gemeinde Angerberg freuten sich auf eine Schwesterkapelle in Ronneburg und unterstützten tatkräftig die Planung für das Projekt.
Dank vieler Helfer, finanzieller und tatkräftiger Sponsoren und unzähliger Stunden an Eigenleistungen aus dem Verein, konnte die Gedächtniskapelle Ronneburg am 20. August 2015 eingeweiht werden.
Hans-Dieter Barth, einer der aktivsten Miterbauer des kleinen Gotteshauses, erinnerte an die Bergleute, die durch Radioaktivität gesundheitliche Schäden oder sogar den Tod erleiden mussten, nur um Atombomben zu bauen. „Trotz der neuen Landschaft und dem Schönen, das im Rahmen der Bundesgartenschau geschaffen worden ist, dürfen wir das Geschehen nicht vergessen. Die Erde muss bewahrt werden für uns und unsere Nachkommen", betonte er. Neben dem Gedächtnis an die vielen Anwohner, denen ungefragt eine Last auferlegt wurde, stehe die Kapelle als ein Ort der Besinnung, das Leben und die Natur zu achten. Das hätten die Besucher dieser Kapelle so wahrgenommen und dieses Haus mit Leben erfüllt.
Frank Lange schätzt, dass etwa 100.000 Menschen die Kapelle besucht und 3.000 davon einen Eintrag hinterlassen haben. Die Einträge zeigten, so Lange, wie die Offenheit, die Vielfalt und die Friedensbotschaft, die sich die Organisatoren sich für diese Kapelle wünschten, sichtbar werden. Ulrich Zippel, stellvertretender Vereinsvorsitzender, zitierte einige der Texte und verwies auf den ökumenischen Gedanken, der sich auch in der Andacht am Kirchweihtag widerspiegelte. „Diese Kapelle soll dem freien Glauben und Denken aller Menschen offen zugewandt sein. In den geistlich religiösen Eintragungen im Gästebuch wird diese Spannbreite unmittelbar sichtbar. Regelmäßig kommen Menschen zur Kapelle, um hier ihre ganz persönlichen Nöte, Lebenssituationen oder große Veränderungen in Worte zu fassen", betonte er. Dekan Bertram Wolf und Oberpfarrer i.R. Roland Geipel nahmen diese Gedanken in den gemeinsamen Gottesdienst auf.
Unter der Überschrift „Hier ist der Himmel" wurde eine Publikation von Frank Lange mit der ausführlichen Entstehungsgeschichte der Gedächtniskapelle vorgestellt. Er stellt darin auch die Eintragungen im Besucherbuch, geordnet nach Kategorien vor, die das Leben in der Kapelle verdeutlichen. (Bei Interesse: Broschüre zum Druckkostenpreis von 10 Euro über franklange44@web.de)

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