Gesellschaft

Fliegende Polizisten in Gera zu Gast

Roland Lutz (IPA Air Crew), Marko Dähne (IPA Gera), Bestseller-Autor Hans Thiers, Gastgeberin Moinika Lips vom Zwergenschlösschen und Hermann Mayer (IPA Air Crew/v.l.) vor dem Krimi-Dinner in Untermhaus. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 08.07.2026| Jahrgang: NG 14/26

Von Jens Lohse

Gera (NG). Eine besondere Ehre wurde jüngst Hans Thiers zuteil. Der Kriminalrat a.D., der zwei Tage später seinen 80. Geburtstag feierte, begrüßte bei seinem Krimi-Dinner im Untermhäuser Zwergenschlösschen nichtalltägliche Gäste.
Die Air Crew der International Police Association (IPA) veranstaltete in Gera ihr Jahrestreffen. Die IPA ist die größte Polizeiorganisation der Welt, deren Motto „Servo per Amikeco" (Esperanto für „Dienen durch Freundschaft") viele Menschen erreicht hat. Die Air Crew – eine offene Gemeinschaft von luftsportbegeisterten Polizeibeamten, die allesamt Piloten sind – treffen sich einmal jährlich zu einem Gedankenaustausch, der diesmal in Gera stattfand.
Während Vertreter aus der Schweiz, Luxemburg und Dänemark kurzfristig absagten, gehörten der Delegation noch 23 Polizisten aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen an. Einige kamen mit dem Auto nach Ostthüringen, einige auch per Kleinflugzeug. Fünf Maschinen landeten in Gera-Leumnitz, eine in Schöngleina bei Jena. „Wir waren schon in Flensburg, Hof und Bozen. Diesmal haben wir uns Gera als Ort auserkoren", verrieten die beiden Air Crew-Verantwortlichen Hermann Mayer und Roland Lutz einhellig.
Zum Geraer IPA-Vorstand gehört Marko Dähne, der die Gäste während der Zeit in der Stadt begleitete. „Die Air Crew hat uns angeschrieben. Wir kannten uns vorher nicht, hatten aber gleich ein gutes Gefühl. So haben wir uns mächtig ins Zeug gelegt, um drei kurzweilige Tage zu organisieren, was uns ganz gut gelungen ist. Froh sind wir, dass mit dem Flugplatz alles geklappt und auch das Wetter mitgespielt hat", freute sich Marko Dähne.
Die Air Crew wurde von Geras Oberbürgermeister Kurt Dannenberg im Rathaus empfangen. Es gab eine Stadtführung mit Karin Schumann, Rundflüge über Gera, einen unterirdischen Rundgang durch die Höhler mit Informationen zur Brau- und Biergeschichte Geras und als Höhepunkt das Krimi-Dinner mit Hans Thiers.
„Es ist mir eine besondere Ehre, meinen Vortrag vor Kollegen aus den Altbundesländern zu halten", freute sich der einstige oberste Kriminalist des Bezirks Gera, der im August 2014 sein erstes Buch über die Mordfälle im Bezirk herausgebraucht hatte.
„Zur ersten Lesung damals war die Bibliothek brechend voll. Die 1.500 Exemplare waren nach 14 Tagen ausverkauft", erinnerte sich der Bestseller-Autor an den Anfang seiner Erfolgsgeschichte. 2015 folgte Band 2, dann ein Werk über die Serienmörder der DDR, das es deutschlandweit weit nach oben in den Verkaufslisten schaffte. Inzwischen hat Hans Thiers sein sechstes Buch auf den Markt gebracht, 950 Lesungen absolviert und 21 Fernsehbeiträge mitgestaltet. 60.000 Besucher konnte der rüstige Rentner bei seinen Veranstaltungen begrüßen.
Neue Formate wie die Krimi-Kultur-Tour mit Stadtführer Ulrich Braumann, die Krimi-Straßenbahn-Tour oder die Krimi-Bus-Tour mit dem alten Robur-Bus wurden geschaffen. Alle anstehenden Events sind für dieses Jahr bereits ausverkauft. „Jetzt bin ich schon dabei, Termine für 2027 zu vereinbaren", berichtete er.
Auch die „fliegenden" Polizisten der IPA-Air Crew konnte Hans Thiers mit seinem Krimi-Dinner begeistern. Schon mit 34 Jahren war er 1973 zum Leiter der Morduntersuchungskommission des Bezirks Gera berufen worden und hatte dieses Amt bis 1990 inne.
Seinem ersten Mordeinsatz im Juli 1973 in Neustadt/Orla folgten viele weitere spektakuläre Fälle, wie der Stadtwald-Mord im November 1976, als ein neunjähriges Mädchen aus Gera-Zwötzen als vermisst gemeldet wurde und wenige Tage später im Stadtwald erdrosselt, nackt und mit schwersten Verletzungen im Genitalbereich aufgefunden wurde. Wie der Täter – ein 27-jähriger Ingenieur aus Ronneburg – ermittelt wurde, schilderte der Ex-Kriminalist äußerst anschaulich. Auch die Vermisstensache Michaela Wagner, der Polizistenmord in der Ernst-Toller-Straße oder die Schießerei in der Bar des Interhotels Gera kamen zur Sprache.
„Ich bin erstaunt, wie weit die Kriminalisten in der damaligen DDR in Sachen Ermittlungstechnik damals schon gewesen sind. Das waren sehr interessante Einblicke", bilanzierte Hermann Mayer den Krimi-Dinner-Abend, der mit vielen persönlichen Gesprächen ausklang.

Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Neues Gera

Aktuelle Ausgabe

Neues Gera

Nr. 16-2026
vom 05. August

Aktuelle Ausgabe

Neues Gera

Neues Gera

Nr. 15-2026
vom 22. Juli