Gera als Filmkulisse - auch international
Konrad Kessler inmitten der Requisiten. Das KuK als polnischer Flughafen. Foto: Wolfgang Hesse
Von Wolfgang Hesse
Gera (NG). Haben Sie Gebäude und Plätze der Stadt Gera schon einmal im Fernsehen oder im Kino entdeckt? Das fragte Sandra Wanzar, Dezernentin für Soziales, Jugend und Kultur der Stadt. Es sei faszinierend, wenn Gebäude, wie das KUK oder das ehemalige Kaufhaus Hermann Tietz, in Trailern von Streaming Portalen über den Bildschirm flimmern, wenn also die Heimatstadt so präsent ist. Genau das war auch der Grund, dieses Phänomen den Geraern und ihren Gästen nicht vorzuenthalten. Anja Kunze von der Mitteldeutsche Medienförderung GmbH und Kulturamtsleiter Felix Eckerle begeisterten sich für diese Idee und konnten Konrad Kessler, den Leiter des Geraer Stadtmuseums, ebenfalls davon überzeugen. Nach zwei Jahren Vorbereitung wurde am 2. April die Sonderausstellung „Filmstar Gera" im Parterre des Stadtmuseums eröffnet.
Die Stadt als Kulisse in 15 Filmen, Dokus und Serien
„In nationalen, wie auch internationale Produktionen haben die Filmemacher Gera für die Dreharbeiten ausgesucht", weiß Konrad Kessler. „Teilweise nur für wenige Szenen, aber auch für die gesamte Handlung wurden Spielorte in der Stadt gewählt." Neben den Hauptdarstellern hat Gera die wichtigste Nebenrolle bekommen. „Wir zeigen nicht viele Objekte, denn es geht um die Stadt, sie in anderer Perspektive, einen anderen Blick zu präsentieren. Deshalb werden auf 15 großformatigen Tafeln Filmausschnitte mit den Originalschauplätzen gegenübergestellt. Dabei beeindruckt, wie die Szenenbildner authentische Situationen schufen", erklärt Konrad Kessler.
Die Flughäfen Paris Orly und Warschau-Okęcie fanden im Kultur- und Kongresszentrum ihr Filmdouble. Im deutsch-französischer Spielfilm „Treasure – Familie ist ein fremdes Land" wird die Freitreppe des KUK der Aufgang zu den Gates. Wegweiser, Stühle aus der Empfangshalle im KUK vervollständigen als Requisiten die Filmkulisse.
Wie das KuK haben sich auch andere Gebäude der DDR-Moderne in Gera zu interessanten Drehorten entwickelt. Die ehemalige Bezirksleitung der SED mit historischen Fassaden, versteckten Innenhöfen und dem imposanten Glasrelief in der Amthorstraße 11, tauchen in mehreren Filmen auf, wie etwa der Komödie, „Zwei zu Eins", mit Sandra Hüller aus dem Jahre 2024.
Menschen, die die Zeit des Umbruchs 1989 erlebten, erinnern sich noch an die überfüllten Friedensgebete in der Geraer Johanniskirche. Diese faszinierende Kulisse wird in der Serie „Sam – ein Sachse" lebendig und die Kirche selbst in Leander Haußmanns „Stasikomödie" zur Gethsemane-Kirche in Berlin.
Regisseurin Aeldrun Geotte erinnert sich an den Filmdreh in Gera
Es waren die Arbeiten zum Film „In einem Land, das es nicht mehr gibt", als Aeldrun Goette authentische Orte als DDR-Kulisse für ihr autobiografisch angelehntes Drehbuch suchte. Sie und ihr Team fanden in Gera das Tietz Kaufhaus und das KUK, das sie sehr an den Palast der Republik (Berlin) erinnerte. Gern denkt sie an die freundliche Aufnahme in Gera während der Dreharbeiten zurück. Die zweimalige Grimme-Preisträgerin (Unter dem Eis, Keine Angst) hat neben negativen auch positive Erinnerungen an die DDR.
„Es war die Zeit meiner Jugend, das erste Mal verliebt, meine Vergangenheit", sagt sie. Es sei wertvoll, diesen persönlichen Umbruch in der Biografie zu haben. Jeder Zuschauer, jede Zuschauerin könne mit dem Film in einen persönlichen Kontakt treten. „Dabei habe ich entdeckt, dass die enorme Kreativität der Menschen in der DDR in der Enge gewachsen ist, eine Kreativität, die sich nicht in Geld ausdrücken lässt", so Aeldrun Geotte. Mit dieser Kreativität, so ist ihre heutige Erfahrung, sei es mit der Wende vorbei gewesen.
Die Sonderausstellung ist bis zum 14. Februar 2027 im Stadtmuseum, Dienstag bis Sonntag und an den Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet zu sehen.