Gesellschaft

Geraer Fischer Academy macht Sehbehinderte zu Autofahrern

Eine Herzensangelegenheit ist es für die Mitarbeiter der Fischer Academy, den interessierten Mitgliedern des Blinden- und Sehbehindertenverbands einen Tag hinter dem Steuer zu ermöglichen. Foto: Lohse

Erschienen am 16.05.2022

Von Jens Lohse

Gera. Rainer Bachmann ist glücklich. Der 78-jährige Geraer war zu DDR-Zeiten im Besitz einer Fahrerlaubnis und damit auch mit diversen Autos unterwegs. Dann wurden die Augen immer schlechter, was das Führen von Kraftfahrzeugen unmöglich machte. Am Sonnabend nun saß er wieder hinter dem Lenkrad. Möglich machte dies die Fischer Academy Gera. Auf dem Übungsgelände der Firma hatten die Mitarbeiter die Kreisverbände Gera und Greiz des Blinden- und Sehbehindertenverbands eingeladen. Vier Autos, ein Wohnmobil und ein Lkw standen bereit, um von den Mitgliedern gefahren zu werden. Es war nicht die erste Veranstaltung dieser Art. „Einmal jährlich organisieren wir diese Veranstaltung. Durch Corona mussten wir zwei Jahre pausieren. Dafür ist der Spaß jetzt umso größer. Die Freude in den Gesichtern der Sehbehinderten zu erkennen, ist für uns unbezahlbar. Daraus schöpfen wir Kraft für die tägliche Arbeit", meint Nancy Bradtke, Geschäftsführerin bei der Fischer Academy. Chef Mike Fischer pflichtete ihr bei. „Einige der Sehbehinderten sind mit dem Zug gekommen. Wir haben sie am Bahnhof abgeholt und sind dann vom Fischerdorf hierher gefahren. Den Traum, einmal im Leben Autozufahren, wollen wir ihnen erfüllen. Über die Jahre sind schon kleine Freundschaften mit den Mitarbeitern entstanden", verrät er. Der Greizer Thomas Rödiger, Vorsitzender der Kreisorganisation Greiz-Altenburg ist vom Empfang begeistert. „Wir wollen die Gesellschaft für unsere Probleme sensibilisieren. Zum Beispiel sind Elektro-Autos praktisch geräuschlos unterwegs und deshalb von uns kaum wahrzunehmen. Das birgt große Gefahren", macht er auf ein Problem aufmerksam.
Mittags wurde gegrillt. Die Versorgung war gesichert. Während dessen hatte Rainer Bachmann seine Runden auf dem Übungsplatz gemeinsam mit Fahrlehrer Daniel Kapellen gedreht. „Das Gefühl fürs Autofahren bleibt. Das verlernt man nicht. Das ist wie Schwimmen oder Fahrradfahren. Einfach ein tolles Gefühl", erklärte er.

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