Geraer Rollschnellläufer nach Italien
Zehn Sportler hat der RSV Blau-Weiß Gera zur Speedskating-Europameisterschaft nach Cardano al Campo im Norden Italiens geschickt, wobei Ron Pucklitzsch (hinten l.) und Angelina Otto (hinten r.) die besten Medaillenchancen haben. Foto: Jens Lohse
Von Jens Lohse
Gera (NG). Mit gleich acht Sportlern ist der RSV Blau-Weiß Gera bei den Speedskating-Europameisterschaften im italienischen Cardano al Campo in der Nähe von Mailand vertreten, die vom 20. bis 26. Juni ausgetragen werden. Eigentlich wären es sogar neun gewesen, doch kann der nominierte Erik Willy Werner in der Aktivenklasse der Herren aus beruflichen Gründen nicht starten.
Einige heiße Eisen haben die Geraer im Feuer. An der Spitze steht mit Ron Pucklitzsch der letztjährige Bronzemedaillengewinner der jeweils in China ausgetragenen World Games und Weltmeisterschaften. Der 28-Jährige hatte mit dem DM-Titel über 200 m seine gute Form unter Beweis gestellt, sich dann aber wieder aufs Training konzentriert und auf weitere Wettkämpfe verzichtet. „Zwischendurch bin ich zwei Wochen krank gewesen, weshalb ich im Training etwas nachzuholen hatte. Aber ich bin guter Dinge. Es wird wieder sehr eng", meinte der erfolgreichste Geraer Speedskater der letzten Jahre, der beim Europacup-Auftakt in Portugal den letztjährigen WM-Zweiten Vincenzo Maiorca schon einmal schlagen konnte.
Auch Angelina Otto ist zufrieden mit ihrer bisherigen Vorbereitung. Die 26-Jährige ging bei den Deutschen Meisterschaften in Halle nur an einem Tag an den Start und war dort über 1.000 m und im 5.000 m-Punkterennen nicht zu schlagen. Die Anlage in Cardano al Campo kennt sie nicht. „Wir laufen in Italien auf einer uns unbekannten Bahn. Gehört haben wir vom typisch italienischen Parabol-Style", sagt die Medizinstudentin, die sich eine EM-Einzelmedaille zum Ziel gesetzt hat. „Eigentlich bin ich mal dran", verriet sie und hofft auf eine faire Aufteilung der Strecken mit der anderen deutschen Medaillenkandidatin Larissa Gaiser aus Großbettlingen.
Gleich drei DM-Medaillen erlief sich die erst 19-jährige Lilly Weidener in Halle. Silber gab es in der 10.000 m-Ausscheidung, Bronze im halb so langen Punktelauf und ebenfalls Rang drei über 200 m. „Das waren meine ersten Medaillen in der Aktivenklasse", erzählte Lilly Weidener, die parallel mit ihrem Abitur beschäftigt war, das sie mit einem Durchschnitt von 1,6 beschloss. Von Freudentänzen der 19-Jährigen nach der bekannt gewordenen Nominierung berichtete Trainerin Katharina Berg. Nun will sie in Jena Sport und Englisch oder Biologie auf Lehramt studieren. „In Italien habe ich in erster Linie Helferaufgaben. Trotzdem freue ich mich enorm, mit dabei sein zu können", kommentierte sie.
Dass es Juniorin Nele Gaßmann in den EM-Kader geschafft hat, ist fast schon ein Wunder. Beim Europacup in Groß-Gerau Ende April war die 16-Jährige schwer gestürzt. Mit einem vierfachen Kieferbruch und fünf samt Wurzel ausgeschlagenen Zähnen schien es, als wäre die Saison schon Geschichte, bevor sie überhaupt angefangen hatte. „Eine Woche war ich im Krankenhaus in Frankfurt, konnte sechs Wochen nicht trainieren, ja nicht einmal Fahrradfahren. Ich war mental total am Boden, dachte, dass ich es nie wieder auf dieses Leistungsniveau schaffe. Eine solche Erfahrung steckt man nicht so einfach weg", verriet Nele Gaßmann, die sich aber aufrappelte und hofft, den Trainingsrückstand noch minimieren und sich für die Weltmeisterschaften qualifizieren zu können.
Außerdem sind die Geraer Josephine Otto (Jugend Damen) sowie Benjamin Wolf, Ben Bachmann und Pepe Heller (alle Jugend Herren) bei der EM mit von der Partie. Für die Kadetten-Classics vom 13. bis 16. August in Zandvoorde in Belgien sind Emma Pollex und Ken Bachmann nominiert.