Geraerin holt Thüringer Schach-Meistertitel
Der 15-jährige Nico Aniol vom VfL 1990 Gera ordnet sich bei der Geraer Schachtagen auf dem Platz 20 unter den 137 Teilnehmern ein. Fotos: Jens Lohse
Von Jens Lohse
Gera (NG). Die Köpfe rauchten vier Tage in der Geraer Panndorfhalle. Dort, wo sonst Handballer ihre Tore werfen, Volleyballer aufschlagen oder Nachwuchsleichtathleten ihr Wintertraining absolvieren, wurde diesmal an mehr als 100 Brettern Schach gespielt. Das 3. Albrecht-Beer-Turnier mit 137 Teilnehmern und die Geraer Jugend-Open U 14 mit 77 jungen Denksportlern sorgten für eine gut gefüllte Halle.
Beim Albrecht-Beer-Turnier ging der Turniersieg an den im Vorjahr zweitplatzierten Internationalen Meister Ferenc Langheinrich vom ESV Nickelhütte Aue, der 6,0 Punkte aus sieben Partien holte und den Magdeburger Arne Herter (5,5) und Jasper Heinke (Empor Erfurt/5,5) auf die Plätze verwies. Jasper Heinke sicherte sich damit die im Rahmen der Veranstaltung ausgetragene Thüringer Meisterschaft. Auch Geraer Schachspieler wussten zu gefallen. Während der in Diensten des SV Motor Zeitz stehende Daniel Ahmed (5,5) den sechsten Platz belegte, landete Marius Helmsdorf (ESV Gera) mit 5,0 Punkten vor seinem Vereinskollegen Steffen Puschendorf auf Rang 13. Ein gutes Turnier spielte auch der erst 15-jährige Nico Aniol vom VfL 1990 Gera, der mit zwei Siegen perfekt in die Geraer Schachtage gestartet war. Der Zehntklässler vom Friedrich-Schiller-Gymnasium Eisenberg landete in der Endabrechnung auf Rang 20. Der DM-Zehnte von 2022 in der Altersklasse U 12 unterlag nur Gesamtsieger Felix Langheinrich und FIDE-Meister Karsten Schulz aus Schwerin. „Mit 4,5 Punkten bin ich zufrieden", erklärte Nico Aniol, der in der siebten und letzten Runde auf seinen sechs Jahre älteren Bruder Adrian traf, den er bezwingen konnte.
Beste Geraerin war Tilda Loos (VfL 1990 Gera). Die 17-jährige Gymnasiastin vom Rutheneum spielt in der VfL-Herren-Mannschaft in der Thüringenliga und zugleich für die Damen des SC Rochade Zeulenroda in der 2. Bundesliga. In der Endabrechnung landete die Zwölftklässlerin, die später gern beim Bundeskriminalamt arbeiten würde, mit 4,0 Punkten auf Rang 42. „Ich habe fast nur gegen höher eingestufte Kontrahenten gespielt. Deshalb bin ich mit meiner Ausbeute zufrieden", freute sie sich, die auch bei der Organisation der Schachtage mitgeholfen hatte. In der Frauen-Wertung der Thüringer Meisterschaft holte sie sich aufgrund der höheren Feinwertung den Titel vor der punktgleichen Diana Skibbe (Zeulenroda).
Für besondere Aufmerksamkeit beim Turnier sorgte ein Achtjähriger. Wilhelm Schimming vom SK Turm Bad Hersfeld holte beachtliche 2,5 Punkte und ordnete sich auf Platz 108 ein. Mit seiner erfrischenden Spielweise und bereits beachtlichen Leistungsstärke sorgte er für Erstaunen unter den Kennern der Szene. „Mit viereinhalb Jahren habe ich angefangen, Schach zu spielen. Weil das Turnier über vier Tage ging, hatte ich am Donnerstag schulfrei", verriet er. Mit Vater Jürgen (125.) hatte er bei Oma und Opa in Mannsdorf bei Zeitz übernachtet.
Auch Gegner Michael Martin (Aufbau Heiligenstadt) war begeistert. „Er hat gegen mich fehlerlos gespielt und mich schon fast in der Eröffnung überrollt. Da konnte ich das Matt noch abwenden. Er spielt ein wunderbares Schach", lobte der 71-Jährige, der selbst 50 Jahre in Gera zu Hause war, mittlerweile aber im Eichsfeld lebt.
Die Geraer Jugend-Open U 14 gewann Simon Rudolph (SC Leipzig-Lindenau) mit 5,0 Punkte aus fünf Partien vor Finn Leonidas Leitloff (Empor Erfurt) und Marlene Schille (VfL1990 Gera), die in der Mädchen-Tabelle die Nase vorn hatte.
Die Geraer Schachtage wurden von den Vereinen ESV Gera, VfL 1990 Gera, SV 1861 Liebschwitz und vom Stadtverband der Amateurkünstler organisiert.
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