Gesellschaft

„Einmal Arzt, immer Arzt”

Professor Dr. Lothar Hoffmann setzt sich vielfältig für seine Heimatstadt ein

Erschienen am 16.04.2021

Seit der ersten Fête de la Musique in Gera müsste ihn theoretisch jeder Gersche kennen. Professor Dr. Lothar Hoffmann ist der Vater der Gerschen Variation dieses aus Frankreich stammenden Musikfestivals. 2018 brachte er das Wiener Adventssingen nach Gera, ist als Arzt im Herzsport aktiv und seit wenigen Wochen auch als Impfarzt in Sachen Corona tätig. Prof. Lothar Hoffmann ist 77 Jahre alt und kein bisschen müde. Für ihn selbst gilt: Einmal Arzt, immer Arzt" und mit Sicherheit auch: „Taten sagen mehr als Worte". 

Kulturelles Engagement 

Als ich ihn damals, vor sieben oder acht Jahren, kennengelernt habe, erlebte ich einen umtriebigen, nimmermüden, ideenreichen Geist voller Tatendrang. Er hatte sich auf die Fahnen geschrieben, ein Straßenmusikfest für Gera zu organisieren, welches in der gesamten Innenstadt Musik aller Genres und Menschen aller Coleur zusammenbringt, um gemeinsam den Klang der Töne zu erleben. Nachdem die Fête de la Musique spätestens im fünften Jahr zu einem Selbstläufer im Gerschen Kulturkalender geworden ist, suchte sich Lothar Hoffmann eine neue kulturelle Herausforderung. Das Adventssingen im Rathaussaal nach Wiener Modell sollte es werden. Tja, und was Lothar Hoffmann anfasst, führt er auch erfolgreich aus. Wir wissen ja nun alle, dass seit mehr als einem Jahr die Kultur zum Dornröschenschlaf verbannt ist. Für Lothar Hoffmann ein Wermutstropfen ohnegleichen. „Nachdem wir im letzten Jahr lediglich ein sechs-stündiges Online-Konzert organisieren konnten, wollen wir unbedingt in diesem Jahr wieder eine Fête de la Musique auf die Straßen bringen", sind es die Mühen des Vereins „Musik für Gera", den Lothar Hoffmann einst gegründet und den Vorsitz mittlerweile abgegeben hat. „Aktuell ist die einzig sinnvollste und durchführbare Alternative zu einem Straßenfest durch die gesamte Innenstadt, eine „Fête a la pique nique" im Hofwiesenpark, denn hier können wir den Besucherstrom kontrollieren und entsprechend der aktuell geltenden Corona-Bedingungen hantieren", betont Hoffmann, der keineswegs dazu beitragen will, dass uns die Pandemie weiter umtreibt. 

Der organisierende Verein „Musik für Gera" plant für den 21. Juni ein Musikfest auf die Beine zu bringen, welchem 8.000 Besucher zeitgleich beiwohnen dürfen. „Es ist mitunter der Expertise von Christian Gübner zu verdanken, dass wir dieses Event in dieser Größenordnung aktuell planen können", zeigt sich Hoffmann zuversichtlich, dass es Gelingen und damit ein bisschen Kultur erwachen kann. Wenngleich die Sponsoren in diesem Jahr zaghafter sind und das benötigte Volumen – 25.000 Euro – noch nicht verzeichnet ist, sind die Organisatoren eifrig bei der Sache, die Fête de la Musique kein zweites Mal ausfallen zu lassen. Übrigens eine kleine Vorfreude auf etwas Kultur können wir bereits jetzt geben: Die zweite Auflage „Sommer in der Stadt" wird 2021 Einzug halten. „Aus unserer Feder wird wieder ein Biergartenkonzert im Juni stattfinden und damit den Sommer in der Stadt willkommen heißen", weckt er eine kleine Vorfreude auf die zweite Auflage „Sommer in der Stadt", federführend organisiert von Seiten der Stadtverwaltung und Akteuren der Stadt. 

Sportliches Engagement 

Es ist Lothar Hoffmanns Antrieb selbst sieben Stunden wöchentlich Sport zu treiben. Um Gutes und Nützliches zu verbinden, investiert er drei bis vier Stunden seiner Zeit als beaufsichtigender Arzt beim Herzsport im Gesundheitssportverein Gera e.V. Dieser wird vor allem Herzpatienten angeordnet, um nach einer Operation oder einem Infarkt wieder auf die Beine zu kommen. „Während jeder Trainingseinheit müssen die Teilnehmer zwei bis drei Mal ihren Puls messen. Es ist notwendig, dass ein Mediziner anwesend ist, der im Notfall – hoch unwahrscheinlich, aber möglich – bei einem eintretenden Herzstillstand sofort die Reanimation ausführen kann, bis der Notarzt eingetroffen ist. Vor Ort gibt es einen Rettungskoffer und Defilibrator, mit dem ich notfalls agieren kann", erklärt der Experte. Wenn Lothar Hoffmann nicht als Schutzengel aktiv ist, tritt er selbst in die Pedale, paddelt los oder greift zu den Stöcken und spaziert flotten Fußes durch die Natur. Ganz nebenbei ist er noch stellvertretender Übungsleiter bei der Frauen-Gymnastik. „Wenn ich nicht unsere Übungsleiterin vertreten muss, bin ich als aktiver Gymnastiker mit dabei", schmunzelt er, dass insgesamt zwei Männer neben den 15 bis 20 Frauen die Hüften kreisen lassen. 

Medizinisches Engagement 

Zeit seines Lebens war er Mediziner. „Einmal Arzt, immer Arzt", seine Devise. Grund genug, sich auch in Zeiten von Corona – wenngleich er mit seinen 77 Jahren zur Risikogruppe zählt und schon lange im Ruhestand weilt – nicht abzuducken. „Es war für mich gar keine Frage, als Ärzte gesucht wurden, ‚hier' zu schreien. Bereits als der Krisenstab im vorigen Jahr eine Liste erstellen ließ, mit pensionierten Ärzten, die man zur Not rekrutieren könne, habe ich mich gemeldet", schildert er. Einmal die Woche ist Lothar Hoffmann nun als Arzt im Impfzentrum Ostthüringen anzutreffen. Sieben Stunden, im Drei-Minuten-Takt – eine Tagesschicht – führt er die Anamnese durch, bevor die Patienten geimpft werden können. Allein in der Panndorfhalle werden 14 Ärzte täglich im Zwei-Schicht-System gebraucht. „Neben der Anamnese braucht es auch fachkundiges medizinisches Personal vor Ort, die im schlimmsten Fall einen anaphylaktischen Schock medizinisch erstversorgen können. „Eine Impfung kann in den ersten 15 Minuten danach – eins zu einer Million – einen Herz-Kreislauf-Stillstand auslösen. Dafür müssen wir Ärzte anwesend sein. Wobei zu sagen ist, dass in der Panndorfhalle auch ein Rettungsarzt vor Ort ist", erklärt er und betont: „Aus medizinischer Sicht ist eine Impfung die einzige Möglichkeit, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Und bis alle geimpft sind, sollten wir uns an die AHA-Regeln halten." Übrigens: Es ist sein Ansinnen, das Honorar, welches er im Rahmen seiner Tätigkeit als Impfarzt verdient, an den Verein „Musik für Gera" zu spenden. „Die Kassenärztliche Vereinigung muss uns aus versicherungstechnischen Gründen anstellen, ein reines Ehrenamt ist aus Haftungsgründen nicht möglich", klärt er auf.

 

Fanny Zölsmann

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