„Gespenster zähmen“ in Gera
Die Studenten der Klasse Haack von der Universität der Künste Berlin haben Gera als sehenswerte Stadt erlebt. (links Simone Haack, rechts Thomas Bender) Foto: Wolfgang Hesse
Von Wolfgang Hesse
Simone Haack ist wieder einmal in Gera. Sie wurde durch eine Jury als Artist-in-Residence-Künstlerin des Jahres 2010 ausgewählt und weilte im Rahmen ihrer viermonatigen Residenzzeit im Herbst 2010 in der Otto-Dix-Stadt Gera. Das Ergebnis dieser Zeit präsentierte Simone Haack im Rahmen der Sonderausstellung „Zweilicht" im Jahre 2011 in der Orangerie. Sie schuf 2019 das Porträt von Viola Hahn, das jetzt in der Galerie der ehemaligen Oberbürgermeister von Gera im Rathaussaal zu sehen ist. „Ich bin immer wieder gern hier, ich suche die Verknüpfung mit Gera", gesteht die Berliner Künstlerin. „Jetzt freue ich mich andere Leute für Gera zu begeistern. Es ist eine tolle Möglichkeit, die wir bekommen haben, hier auszustellen", freut sie sich.
Die Arbeiten, die im Kunstverein ausgestellt werden, sind im Rahmen ihrer Gastprofessur an der Universität der Künste Berlin entstanden. Simone Haack übernahm 2025 die Leitung der ehemaligen Klasse Favre für Malerei und Medien. Von insgesamt 39 Studierenden dieser Gruppe stellen 25 die Ergebnisse der letzten Monate in der Ausstellung vor.
Simone Haack ist in Gera in guter Erinnerung geblieben. Das zeigen die vielen Besucherinnen und Besucher, die zur Ausstellungseröffnung in den Kunstverein gekommen waren. Vertreter der Kunsteinrichtungen Geras, Geraer Künstler und die ehemalige Oberbürgermeisterin Viola Hahn wollten Simone Haack persönlich wiedertreffen.
Warum geht es um Gespenster?
„Ein Bild der Ausstellung trägt den Titel ‚Gespenster zähmen' und stammt von Rosa Bergmann. Sie schlug diesen Titel für die Ausstellung vor und alle waren davon sehr angetan", erklärt Simone Haack. „Gespenster zähmen" geht auf den französischen Filmtheoretiker André Bazin zurück, der das Ordnen oder das Auswählen aus einer großen Materialsammlung als den Versuch „Gespenster zu zähmen" bezeichnete.
„Mein Ziel ist es, bei jedem Studierenden das Ureigene herauszuholen Also das, was nur er oder sie schaffen kann", erklärt Simone Haack. „Ich bin nur ein Coach, wie eine individuelle Begleiterin im kreativen Prozess. Und deswegen hat jeder seine ganz eigene Bildsprache entwickelt, was auch gut zur Überschrift der Schau passt", weiß die Künstlerin. „Das Ergebnis sind nicht zuletzt Erfahrungsberichte aus inneren Landschaften."
Die Arbeiten in Form von Malerei und Mixed Media ergeben eine große Auswahl an bildgebender Kunst, als Bilder oder plastische Kreationen.
Kreativität für Auge und Geist
Ella Seckler stellt ihre Siebdruckcollage „Gewohnheit" aus und symbolisiert eine Wohnküche ihres Zuhauses, „die alte Strukturen, aber auch warme Erinnerungen, Herzliches und Einfühlendes beinhalten." Das dargestellte Fleisch, das überall auf dem Bild zu sehen ist, wirkt zwar etwas beklemmend, erinnert Ella Seckler jedoch an ihre Heimat. „Ich komme von Land, meine Familie sind Metzger. Fleisch hat für mich auch etwas Natürliches und Einladendes, obwohl ich sehr früh vegetarisch geworden bin", sagt die Künstlerin. Das Bild zeigt ihr ambivalentes Verhältnis dazu.
Während der vier Tage des Aufenthaltes in Gera, versuchten die jungen Leute die Stadt näher kennen zulernen. Auf dem Programm standen die Orangerie mit der Otto-Dix-Schau, der Hofwiesenpark und das Geburtshaus von Otto Dix. Gegenüber von Berlin, fand Ella Seckler Gera übersichtlicher.
Momo Bera, hat mit der „Ich Struktur" eine bewegliche Installation im Spiegel erschaffen. Dabei geht es um die Abstraktion der menschlichen Figur. „Man versucht sofort im Luftballon mit Gesicht und dem Umhang etwas Menschliches zu erkennen. Es reicht ganz wenig, um Emotionen zu sehen. Das finde ich einfach spannend, wie schnell Intuition funktioniert und was sie mit uns macht", erklärt Momo Bera. Der Spiegel sei wie eine Selbsterkenntnis, wie etwa in der frühkindlichen Phase, wenn sich ein Kind erstmals im Spiegel als eigener Mensch wahrnimmt. „Es hat auch so etwas Geisterhaftes, weil das Objekt schwebt, aber dennoch nicht weg kann. Bei jedem Windhauch, jeder Berührung passiert immer eine Reaktion und Aktion", so die Künstlerin.
„Kunst besitzt die besondere Fähigkeit, das Unsichtbare erfahrbar zu machen und dem Unausgesprochenen eine Form zu geben. Die Arbeiten der Klasse Haack laden uns ein, diese Erfahrung zu machen. Sie bieten keine fertigen Antworten und keine einfachen Erklärungen. Vielmehr eröffnen Sie Räume des Wagens des Fragens, des Zweifelns und des Entdeckens", charakterisiert Thomas Bender, Vorsitzender des Kunstvereins, diese Schau und freut sich zusammen mit den jungen Ausstellenden auf einen großen Zuspruch der Geraer Kunstinteressierten.
Die Ausstellung ist bis zum 28. August jeweils Freitag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr (oder nach Vereinbarung) im Kunstverein, Markt 8/9 zu sehen.
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