Wirtschaft

GVB-Chef und Amtsleiter gesucht

Zahlreiche Stellenausschreibungen innerhalb der Stadtverwaltung und Tochtergesellschaften

Erschienen am 12.02.2021

Ein Klick auf gera.de und Bewerbungswillige werden fündig: Die Stadt Gera sucht u.a. Sachbearbeiter in der Vollstreckung, im Vollzugsdienst sowie in der Jagd- und Fischbehörde, ebenfalls Ärzte, einen Leiter für das neue Stadtplanungsamt und einen Geschäftsführer für den GVB. Junge Menschen, die in das Berufsleben starten wollen, können zwischen diversen Ausbildungen in verschiedenen Bereichen und Qualifikationsstufen wählen. Neues Gera hat sich zwei Stellen genauer angeschaut: 

Geschäftsführer GVB 

Aktuell ist Thorsten Rühle, Geschäftsführer des GVB. Wir erinnern uns, 2014 schlitterten die Stadtwerke und damit verbunden der GVB in die Insolvenz. Thorsten Rühle bewarb sich auf die Stelle des GVB-Chef des neu gegründeten Geraer Verkehrsbetriebes, um die Rettung selbigen voranzutreiben. Nun endet die befristete Zeit. Wird er sich erneut bewerben? Neues Gera fragt nach: 

Vor fünf Jahren habe ich mich auf die Stelle des Geschäftsführers der neu gegründeten GVB beworben. Ich wusste, dass es schwer werden würde, die GVB aus der Insolvenz zu führen und ohne meine langjährige Erfahrung als Geschäftsführer hätte ich mir das nicht zugetraut und wohl auch nicht geschafft. Damals lag auf meinen Schreibtisch ein tausendseitiger Kaufvertrag, der erst einmal umgesetzt werden musste. So mussten etwa zehntausend Verträge neu geschlossen werden, darunter ein Tarifvertrag für die Beschäftigten, sowie rechtliche Hürden überwunden und Planfeststellungsbeschlüsse überführt werden. Ein Arbeitstag von sechszehn und mehr Stunden war in den ersten Jahren für mich eher die Normalität als die Ausnahme. Mir ist es aber gelungen, die Anfangshürden zu überwinden. Also, warum sollte ich mir keine zweite Amtsperiode zutrauen? 

 

Wie bewerten Sie Ihre Arbeit der letzten Jahre? 

Das Land Thüringen und die Stadt zahlen jährlich einen Betriebskostenzuschuss von rund 5 Millionen Euro, das schwankt je nach bestellter Verkehrsleistung. Im Jahr 2016 hat dieser Ausgleichbetrag nicht ausgereicht. Die GVB musste einen zusätzlichen Verlust von 387.000 Euro hinnehmen. Schon im darauffolgenden Jahr gelang es mir, das Blatt zu wenden und den Zuschussbedarf zu senken. Im Jahr 2017 erwirtschaftete die GVB nach Ausgleichszahlung einen Überschuss von 771.000 Euro. Im Jahr 2019 erzielte die GVB ihr bestes Ergebnis seit Gründung ihrer Vorgängergesellschaft im Jahr 1990 überhaupt. Wir lagen um 1,6 Millionen Euro unter dem gewährten Ausgleichsbetrag und konnten 836.000 Euro an die Stadt zurückzahlen. Natürlich ist das nicht allein meine Leistung, sondern die Leistungen aller Mitarbeiter der GVB. Ich denke, wir können stolz darauf sein, den Kostendeckungsgrad der GVB durch zahlreiche Restrukturierungsmaßnahmen von 72 auf 76 Prozent gesteigert zu haben und damit wieder im oberen Drittel der Straßenbahnbetriebe in Deutschland zu liegen. Diese Entwicklung haben wir natürlich auch dem Umstand zu verdanken, des es uns gelungen ist, den Abwärtstrend bei den Fahrgastzahlen im Jahr 2016 umzukehren. Die Zufriedenheit unserer Kunden steht bei uns an erster Stelle und so konnten wir auch den Erfüllungsgrad der durch die Stadt vorgegeben Qualitätskriterien von 92 Prozent im Jahr 2016 auf 94 Prozent steigern. 

 

Was treibt Sie an, sich erneut zu bewerben? 

Ein gutes Stück Wegstrecke ist vollbracht, aber vor uns stehen noch große Herausforderungen. Genau das treibt mich an. Noch in diesem Jahr beginnen wir damit, sämtliche Fahrgastinformationsanzeigen an den Haltestellen durch barrierefreie Monitore zu ersetzen. Die können auch sprechen. Von den 33 Anzeigen werden Ende des Jahres 20 ersetzt sein. Nach jahrelangen Bemühungen ist es uns auch gelungen, Fördermittel für die stationären Fahrausweisautomaten zu akquirieren. An den Automaten der Linie 1 kann man schon seit Jahren nicht mehr mit EC-Karte bezahlen, weil die Systeme veraltet sind. Das wird sich jetzt ändern. Seit Sommer 2019 haben wir mit der Sanierung des ersten Teilabschnittes der Wiesestraße gemeinsam mit der Stadt Gera, dem Zweckverband Mittleres Elstertal und anderen Versorgungsträgern eine gemeinsame Großbaustelle. Immer wieder gibt es Komplikationen, die uns zeitlich zurückwerfen, aber bisher haben wir auch immer wieder Lösungen gefunden, um den Bauprozess zu beschleunigen. Es gilt aber auch schon jetzt an den zweiten Teilabschnitt der Wiesestraße zu denken. Nicht zuletzt stehen wir in den Startlöchern, um endlich neue Straßenbahnen zu beschaffen. 

 

Auf Wunsch des Stadtrates wurde die Stelle erneut ausgeschrieben. Es hätte auch eine Verlängerung ohne erneute Bewerbungsphase geben können. Fühlt es sich an, als ob Ihnen kein Vertrauen so ausgesprochen wird? 

Der Aufsichtsrat der GVB hat sich schon im vergangenen Oktober mit einer Stimmenenthaltung dafür ausgesprochen, die Zusammenarbeit mit mir für weitere fünf Jahre fortzusetzen. Der Aufsichtsrat kontrolliert und berät die Geschäftsführung und ist am nächsten dran an den entscheidenden Fragen. Natürlich fühlt es sich so an, als ob Teilen des Stadtrates dieses Vertrauen fehlt, aber ich denke, es liegt an der unzureichenden Information und Kommunikation zwischen uns und den Mitgliedern des Stadtrates, auch an einer klaren Haltung der Stadtverwaltung. Wenn ich mit Vertretern des Stadtrates spreche, egal ob links oder konservativ, sehe ich sehr wohl, dass sie mit mir gemeinsam über Lösungsmöglichkeiten nachdenken. So ist letztendlich auch der Kompromissvorschlag für das Optionsmodell der Straßenbahnbeschaffung entstanden (wir berichteten). 

 

Sie haben davon gesprochen, dass der ÖPNV mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in eine tiefe Krise geraten ist. Was genau heißt das? 

Im März und April vergangenen Jahres verzeichneten wie Fahrgasteinbrüche von bis zu 63 Prozent, im Jahresdurchschnitt 24 Prozent. Das ist natürlich für die Existenz eines Verkehrsunternehmens bedrohlich, da die Fahrgeldeinnahmen wegbrechen. Wir sind das ganze Jahr über auf Sicht gefahren und tun dies noch immer. Dank drastischer Sparmaßnahmen und einem hohen Anteil an Abonnenten sind wir im vergangenem Jahr im Vergleich zu anderen Verkehrsunternehmen aber noch mit einem blauen Auge davongekommen. Wir haben uns ja auch schon für die Treue unserer Abonnenten mit Gutscheinen für städtische Einrichtungen wie den Tierpark, die Museen und das Hofwiesenbad bedankt, deren Gültigkeit wir auf jeden Fall verlängern wollen, da diese Einrichtungen ja schon wieder geschlossen sind. Da die Krise in 2021 ja bereits im Januar mit voller Wucht zuschlägt, denke ich, dass es in diesem Jahr noch schwieriger werden wird. Das Jahr 2020 hätten wir zur Not auch ohne ÖPNV-Rettungsgelder überstanden, im Jahr 2021 sind wir auf diese Gelder angewiesen.

 

Amtsleiter Stadtplanungsamt 

Für Geras Baudezernat und seine sechs Ämter stand das Jahr 2020 im Zeichen der Neuerung und Weichenstellung. Auf die Wahl von Michael Sonntag zum neuen Dezernatsleiter und Beigeordneten durch den Stadtrat im Sommer und seinen Amtsantritt Anfang Oktober folgten bedeutende strukturelle Veränderungen für das Dezernat, die zum Jahreswechsel in Kraft traten. Mit der Wiedergründung eines Stadtplanungsamtes, das im Wesentlichen die Themen Stadtplanung, -gestaltung und -erneuerung in sich vereint und bündelt, vergrößert sich der Verantwortungsbereich für den neuen Dezernatsleiter und sein Team. Zudem wurden die Ämter für Verkehr und Tiefbau zusammengelegt, wobei die Verkehrsplanung nunmehr in den Verantwortungsbereich des neuen Stadtplanungsamtes fällt. Michael Sonntag schätzt diese strukturellen Maßnahmen als zukunftsweisend und wichtig für Gera ein: „Mein Dezernat erfährt eine Umstrukturierung, die es uns ab sofort noch stärker erlaubt, städtebauliche Entwicklungen und strategische Planungen in den Mittelpunkt zu rücken. Das spiegelt sich nicht zuletzt in der neuen Dezernatsbezeichnung wider." 2008 wurde das Stadtplanungsamt durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm aufgelöst. Im Zuge einer Strukturreform gab es in allen Dezernaten differenzierte Änderungen in den Organisationseinheiten. Mit der vollzogenen Neustrukturierung im vergangenen Jahr sieht der neue Baudezernent Michael Sonntag die Notwendigkeit der Wiedergründung und ist auf der Suche nach einem neuen Amtsleiter. „Bisher war die Zuständigkeit auf verschiedene Dezernate aufgeteilt. Um eine noch effizientere Abstimmung und engere Zusammenarbeit zu gewährleisten und die komplexen Entwicklungen der Stadt – wie Wohnen, Arbeiten, Handel, Bildung, Kultur, Verkehr, Freiraum/Grün – einheitlicher aufeinander abzustimmen, fand diese Strukturänderung statt. Mit der Bündelung dieser Kompetenzen in einem Amt sind Synergien zu erwarten. Die stadtplanerischen und Stadtentwicklungsfragen erhalten einen höheren Stellenwert und mit dem neuen Stadtplanungsamt innerhalb der Verwaltung einen klaren Ansprechpartner für die Bürger und für Investoren", erklärt Michael Sonntag seine Entscheidung. Dem neuen Amt sind rund 40 Stellen zugeordnet. Bis ein Amtsleiter gefunden ist, wird die Arbeit natürlich nicht ruhen. „Die Mitarbeiter erledigen ihre bisherigen Aufgaben weiter. Bis zur Besetzung der Amtsleiterstelle wird die Erledigung der Aufgaben durch die Mitarbeiter des Amtes und den Baudezernent übernommen", so Sonntag. Gewünscht sind Bewerber aus dem Bereich Architektur oder Stadplanung mit Führungserfahrung. Aktuell laufen wichtige Planungen und Projekte bzw. befinden sich diese in Vorbereitung. Hierzu zählen die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans und des Nahverkehrsplans, das Innenstadtvorhaben Geras Neue Mitte, die Belebung des ehemaligen Tietz-Kaufhauses und die Fußgängerzone „Sorge", mehrere B-Planverfahren zur Ansiedlung von Gewerbe und die Dorferneuerung. „Anstehende Schwerpunkte sind Planungen und Strategien zur weiteren Attraktivitätssteigerung der Innenstadt in baulich-gestalterischer, funktionaler und verkehrlicher Hinsicht, die bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Großwohnsiedlungen Lusan und Bieblach sowie die Stärkung der Wirtschaftskraft durch die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie", freut sich der Baudezernent Michael Sonntag auf kompetente Unterstützung.

 

Fanny Zölsmann

 

Von Fanny Zölsmann

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