Sport

Heike-Drechsler-Stipendium verliehen

Doppel-Olympiasiegerin Heike Drechsler zeichnet in Gera-Untermhaus höchstpersönlich Hammerwerferin Verena Wesser (l./LV Gera) und Siebenkämpferin Serina Riedel (r./TSV Zeulenroda) mit dem Heike-Drechsler-Stipendium aus. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 11.07.2022

Von Jens Lohse Gera. Die Absage des Zeulenrodaer Grundschul-Sportfests wegen des vorhergesagten Regens konnte die Verleihung des Heike-Drechsler-Stipendiums nicht verhindern. Die Organisatoren um Dieter Schulz und Andreas Balnuweit verlegten die Auszeichnung kurzerhand ins Untermhäuser Café Lohengrin. Die Ehrungen gingen an Siebenkämpferin Serina Riedel (TSV Zeulenroda) und an Hammerwerferin Verena Wesser (LV Gera). Jeweils 1.000 Euro erhielten beide. Das Geld stammt vom „Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport", den Heike Drechsler im Jahr 2007 in Baden-Baden bei der Sportlerehrung des Jahres erhalten hatte. Die 20.000 Euro Prämie setzte Geras Ehrenbürgerin zur Förderung des Leichtathletik-Nachwuchses in Gera und Umgebung ein. Seit 2008 wird der Preis verliehen. Bei der Premiere ging er an den den Zeulenrodaer 400 m-Hürden-Läufer Felix Rupprecht. Auch Erik Balnuweit, Vanessa Pfeifer, das Ostthüringer Hammerwurf-Zentrum, Constanze Dietsch und Sarah Linke kamen schon in den Genuss der Unterstützung. „Zwei Jahre haben wir die Verleihung des Stipendiums immer wieder verschoben. Nun freut es mich besonders, dass es heute geklappt hat. Ich beobachte die Entwicklung der hiesigen Sportler aus der Ferne und freue mich immer, wenn die Talente ihren Weg gehen. Mit dem Geld wollen wir den jungen Leichtathleten eine weitere Motivation geben", meinte Doppelolympiasiegerin Heike Drechsler, die extra aus ihrer Wahlheimat Berlin gekommen war. Für die 17-jährige Hammerwerferin Verena Wesser läuft das Jahr noch nicht nach Plan. Die DM-Fünfte des Vorjahres von Rostock war in den letzten Monaten vom Pech verfolgt. Im Februar kostete ihr eine Corona-Infektion die Teilnahme an der Deutschen Winterwurf-Meisterschaft. Knapp zwei Wochen vor den Deutschen U 18-Meisterschaften in Ulm plagte die Erfurter Sportgymnasiastin wieder eine Magen-Darm-Erkrankung. Bis zu den nationalen Titelkämpfen am Wochenende will sie aber noch fit werden, damit die Hammerwerferin, die in der Landeshauptstadt bei Richard Debuch trainiert, zumindest in die Nähe ihrer persönlichen Bestweite von 56,33 m kommen kann. Mit Heike Drechsler war Verena Wesser ganz früh in Berührung gekommen. Beim Zeulenrodaer Grundschulsportfest 2012 hatte sie in der Altersklasse W 8 Rang zwei über 50 m belegt. Zwei Jahre später reichte es nochmals zu Silber im Weitsprung. Nun stand sie der Geraer Ehrenbürgerin persönlich gegenüber und tauschte mit ihr die Handy-Nummern und E-Mail-Adressen aus. „Wenn irgendetwas ist und ihr Hilfe braucht, dann könnt ihr mich immer anrufen, auch wenn ich vom Hammerwerfen nicht die ganz große Ahnung habe", so Heike Drechsler. Begonnen hatte Verena Wesser als Handballerin, ehe sie nach einer neuen sportlichen Herausforderung suchte und zur Leichtathletik wechselte. Schon bei der zweiten Einheit schnappte sich Wurftrainer Dieter Schulz die Sportlerin, die sich fortan prächtig entwickelte und schon einige tolle Landesrekorde in ihren Besitz gebracht hat. Einen Schritt weiter ist bereits die Zeulenrodaerin Serina Riedel. Die Siebenkämpferin hat sich jüngst in Leverkusen für die U 20-Weltmeisterschaft im kolumbianischen Cali qualifiziert. Am 22. Juli geht der Flieger nach Florida, bevor fünf Tage später die Weiterreise nach Florida ansteht. Der Schützling von Trainer Tom Mäusebach wechselt nach dem geschafften Abitur zur Bundespolizei, wo im Herbst die dreimonatige Grundausbildung ansteht. Ihren Lebensmittelpunkt wird sie dann wohl nach Halle/Saale verlagern, will aber so lange wie möglich für den TSV Zeulenroda an den Start gehen. Mit ihrem Heimtrainer Tom Mäusebach sieht die 19-Jährige ihr Potenzial noch längst nicht ausgereizt. Perspektivisch könnte sie in die Fußstapfen einer Heike Drechsler treten, die als 16-Jährige 1981 mit 5891 Punkten einen Juniorenweltrekord aufgestellt hatte. Diese Marke hat Serina Riedel mit 19 zuletzt in Leverkusen um drei Zähler überboten. Die 57-jährige Heike Drechsler - ihr Alter sieht man ihr nicht an - war eine überaus erfolgreiche Leichtathletin. Gleich zweimal holte sie bei Olympia Weitsprung-Gold, triumphierte sowohl 1992 in Barcelona als auch 2000 in Sydney. Hinzu kamen 1988 in Seoul Silber im Weitsprung sowie Bronze über 100 m und 200 m. Auch bei den Weltmeisterschaften 1983 in Helsinki als 18-Jährige und 1993 in Stuttgart war sie in der Weitsprunggrube nicht zu bezwingen. Hinzu kamen fünf weitere Europameistertitel. Die gebürtige Geraerin feierte ihre großen sportlichen Erfolge für den SC Motor Jena, zu dem sie 1977 gewechselt war, nachdem sie 1974 bei der BSG Wismut Gera mit der Leichtathletik begonnen hatte. Derzeit lebt Heike Drechsler in Berlin und ist bei der Barmer Ersatzkasse im betrieblichen Gesundheitsmanagement angestellt. Den Kontakt in ihre Heimatstadt Gera, wo noch ihre 81-jährige Mutter lebt, hat sie nie aufgegeben. Alljährlich ist sie beim Heike-Drechsler-Grundschulsportfest vor Ort und ist dabei für die Erwärmung verantwortlich. Auch gibt sie den Kindern wertvolle Tipps.

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