Wirtschaft

Jobtag im Weidaer Matratzenwerk

Die aus Mariupol in der Ukraine geflüchteten Dmytry, Olha und Maksim Flinta arbeiten seit mehr als zwei Jahren im Breckle-Matratzenwerk in Weida. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 05.09.2025| Jahrgang: NG 18/25

Von Jens Lohse Weida-Hohenölsen (NG). Für Sonnabend, 13. September plant die Breckle Matratzenwerk Weida GmbH in Weida-Hohenölsen in der Zeit von 9 bis 12 Uhr einen Jobtag. Händeringend sucht man nach Lkw-Fahrern, Nähern und Näherinnen, Maschinenbedienern und Polsterern. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich die Firma zum heute größten Matratzen- und Schlafmöbel-Hersteller in Deutschland. Eingerichtet werden soll ein Bustransfer aus den Geraer Ortsteilen Bieblach-Ost und Lusan, der Job-Interessenten am 13. September um 9 Uhr direkt zum Breckle-Werk und gegen Mittag auch wieder zurückbringt. Haltestellen in Bieblach-Ost sind die Ernst-Abbe-Straße, die Hilde-Coppi-Straße und die Heidecksburgstraße. In Lusan kann in der Zeulsdorfer Straße, Lärchenstraße und Ahornstraße zugestiegen werden. Im Matratzenwerk wird durch das Unternehmen geführt und verschiedene Tätigkeitsfelder vorgestellt. Wer mit eigenem Auto anreisen will, für den stehen ausreichend Parkplätze vor Ort zur Verfügung. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Der Rost brennt. Wer am 13. September keine Zeit hat, kann sich per E-Mail unter bewerbung@breckle-weida.de ganz unkompliziert bewerben. 

Matratzenwerk-Chef Gerd Breckle hofft, dass sich möglichste viele Job-Interessenten finden, die dem Beispiel der Familie Flinta folgen. Im Juli 2022 war sie nach Ausbruch des Krieges in ihrer ukrainischen Heimat aus Mariupol am Ufer des Asowschen Meeres nach Deutschland gekommen. Über Leipzig fand die Familie in Greiz eine Bleibe. Dmytry und Olha Flinta waren zu Hause Lehrer. Er unterrichtete Mathematik, sie Sport. Der 21-jährige Sohn Maksim studierte Elektrotechnik. Sein Studium setzt er derzeit neben der täglichen Arbeit online fort. Seit zwei Jahren und drei Monaten arbeitet das Trio nun schon bei Breckle. Die beiden Männer packen Matratzen ein und bereiten sie für den Versand vor. Die 48 Jahre alte Olha arbeitet am Band wie ihr Mann und ihr Sohn 40 Stunden in der Woche und ist für das Beziehen der Matratzen verantwortlich. „Wir könnten in Deutschland auch als Lehrer arbeiten. Unsere Diplome sind nicht das Problem. Aber es geht um die deutsche Sprache", verrät Dmytry. Seit zwei Jahren wartet die Familie auf einen Deutsch-Sprachkurs. Neun Monate dauert allein der B1-Kurs. Für Lehrer wären aber sogar Sprachniveau C1 oder C2 erforderlich. Problematisch ist zudem, dass die Sprachkurse alle vormittags stattfinden, was bedeutet: entweder Arbeit oder Sprachkurs. „Die deutsche Sprache ohne Lehrer zu lernen, ist extrem schwer", sagt der Vater, der sich im Betrieb wohlfühlt und auf seine netten Kollegen verweist. „Wir warten, dass der Krieg aufhört. Bis dahin ist es für uns besser zu arbeiten, als bloß herumzusitzen. Ob wir irgendwann in unsere Heimat zurückkehren, werden wir sehen. Mariupol ist jetzt jedenfalls russisch besetzt", erklärt Dmytry Flinta, der sich nach der Frühstückspause im Breckle Matratzenwerk mit Ehefrau und Sohn wieder an die Arbeit macht.

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