Gesellschaft

Mein Garten ist mein Ein und Alles

Nach einer Pause ist Karin Hackbarth beim „Tag der offenen Gärten“ wieder dabei. Die 80-jährige Karin Hackbarth freut sich auf den 12. 6. Fotos: Lohse

Erschienen am 31.05.2022

Von Jens Lohse
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Fünf Jahre lang hat Karin Hackbarth beim „Tag der offenen Gärten" nicht mitgemacht. Diesmal will sie endlich wieder dabei sein. „Ich habe meinen Ehemann Manfred, mit dem ich 61 Jahre verheiratet war, lange Zeit gepflegt. Vor sieben Wochen ist er gestorben. Meine Enkelin hat gesagt, egal was die anderen denken: Mach, was Dir Spaß macht. Der Garten ist doch mein Ein und Alles", erzählt die rüstige 80-Jährige, die auch an den nun langsam wärmer werdenden Abenden gern in ihrem 1.000 Quadratmeter großen Kleinod sitzt. „Abends ist es im Garten am schönsten. Da brauche ich keinen Fernseher", sagt Karin Hackbarth. Seit 2006 waren die Hackbarths für zehn Jahre beim „Tag der offenen Gärten" dabei. 2007 wurde ihr Garten gleich als einer der schönsten in Thüringen ausgezeichnet.
Die Liebe zur Natur wurde Karin Hackbarth bereits in die Wiege gelegt. „Meine Eltern haben in der Landwirtschaft gearbeitet. Für mich als Kind war das noch zu schwer. Deshalb war ich für den Garten verantwortlich. Mein Vater wollte immer viel Gemüse anbauen. Meine Mutter hat mir aber auch eine Ecke mit Blumen gelassen", erinnert sich die Rentnerin, die früher bei ihren zahlreichen Reisen immer zuerst Kontakt mit den Hotelgärtnern aufnahm. „Die haben mir dann Senker und Stecklinge mitgegeben, die ich zu Hause eingepflanzt habe. Zeitweise hatte ich bis zu 50 Kübelpflanzen. Jetzt sind es noch etwa die Hälfte", weiß sie genau. An jeder Pflanze, die Karin Hackbarth großgezogen hat, hängt ihr Herz. „Mein Mann hat immer nur die Blumen gegossen, die ihm gefallen haben. Ich habe alle gleich lieb", sagt sie und verrät, dass für sie das Frühjahr die schönste Jahreszeit ist, wenn ihre Wiese mit hunderten von Schneeglöckchen blütenweiß erstrahlt.
Jahrelang hat Karin Hackbarth auch getöpfert, wodurch viele Dekorationen entstanden sind. Auf ihrem Urlaubsplan standen zudem stets Gartenreisen nach England, Frankreich oder Holland. „Anregungen kann man nie genug bekommen", meint sie.
Weil es ihrem Mann gesundheitlich immer schlechter ging und er ins Pflegeheim musste, konnte sie zuletzt nicht mehr am „Tag der offenen Gärten" teilnehmen. „Viele haben mich gefragt, wann Frau Hackbarth endlich wieder mitmacht. An ihren Garten können sich viele Besucher genau erinnern. Gerade ihr bepflanztes Vogelhäuschen-Dach hatte viele Nachahmer gefunden", weiß Steffi Reinhardt aus Kleinfalke, die für den „Tag der offenen Gärten" in Gera und Umgebung verantwortlich zeichnet. Diesmal ist Karin Hackbarth wieder dabei. Bis dahin ist noch einiges zu tun in ihrem Garten. Handwerklich macht ihr niemand etwas vor. „Bohren, Mauern - ich kann alles. Nur mit der neuen Technik tue ich mich schwer", sagt sie. Nächstenliebe wird bei ihr groß geschrieben. In ihren Hochzeiten backte sie bis zu 22 Bleche Weihnachtsplätzchen und verteilte sie an die Rentner in der Umgebung, die ihr daraufhin im Sommer immer einen Beutel mit frischem Gemüse an die Haustür hingen.
Geht es nach Karin Hackbarth, könnte jeden Tag „Tag der offenen Gärten" sein. „Wer meinen Garten sehen will, der braucht nur zu klingeln. Ich freue mich immer über Gäste", sagt sie. Gut erinnern kann sie sich noch an einer 25 Personen-Gruppe aus Ulm, die 2019 ihren mehrtägigen Ausflug nach Thüringen mit einem Abstecher in ihren Garten verschönerte. „Die haben sogar bei mir gepicknickt und alles Essen mitgebracht. Ich habe auch etwas abbekommen", ist die einstige Stadtwerke-Angestellte noch heute begeistert.
Am 12. Juni wird ihre Begeisterung erneut aufflammen, wenn sicherlich mehr als 25 Ulmer ihren Garten interessiert besichtigen und sich viele Anregungen holen werden.

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