„Momente“ aus aller Welt in der Bibliothek
Heike Hahn vor ihren moonlight-Fotos, zu denen sie der chinesische Dichter Li Bai inspirierte. Foto: Wolfgang Hesse
Von Wolfgang Hesse
Es ist ein gutes Team, Heike Hahn aus Nürnberg und Frank Rüdiger aus Gera. Die beiden Künstler des Lichtbildes kennen sich schon lange und gestalteten mehrfach Ausstellungen in den Partnerstädten Gera und Nürnberg. Auch für „Momente" ergriff Heike Hahn die Initiative und holte die Mazedonierin Maja Argakijeva mit in das Trio, denn auch Skopje ist eine Partnerstadt Nürnbergs. Von 1. bis 30. Oktober 2024 feierte diese Ausstellung in Nürnberg Premiere. Jetzt ist sie mit 21 Fotos in Gera zu sehen. Die Ausstellenden mussten sich in Gera auf jeweils sieben Stück beschränken.
„Es sind Ausschnitte aus ihren Schaffen und zu sehr vielfältigen Themen zu sehen", erklärt Annerose Kirchner in ihre Laudatio zur Eröffnung. „In dieser kleinen, überschaubaren und gut gestalteten Ausstellung, bieten sich sehr viele Assoziationen zum Nachdenken."
Heike Hahn, ambitionierte Fotografin und Initiatorin verschiedener Ausstellungen in ihre Heimatstadt Nürnberg, wurde 1963 geboren. Sie beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit China und besuchte Land und Leute. Besonders interessant findet sie die Dichter der chinesischen Hochblüte, der Tang-Dynastie, wie etwa Li Bai. Er habe über 1.000 Gedichte geschrieben, berichtet die Fotografin. Sie habe sich auf deutsche Nachdichtungen bezogen, die sie zu ihren moonlight-Fotos inspiriert haben. Den Wald tränkt sie dabei in ein tiefes Blau, was sehr einladend und faszinierend wirkt. Weitere China-Fotos beschreiben den Alltag, wie sie ihn während ihrer Reisen erlebte. Kontrovers stellt sie die Auferstehung am Ostermorgen mit dem Kreuz auf dem Kehlstein in Bezug. „Das Edelweiß und das Kreuz an diesem düsteren Ort der Geschichte korrespondieren mit einer Blütenwiese im Frühling", erklärt sie.
Maja Argakijeva, Jahrgang 1977, arbeitet seit 2010 als freiberufliche Konzert- und Veranstaltungsfotografin. In der Ausstellung sind sieben Schwarz/Weiß Aufnahmen von ihr zu sehen. Teilweise benutzt sie Doppelbelichtungen und verleiht so ihren Fotos neue Dimensionen. Betrachter werden schnell die starken Aussagen ihre fotografischen Momente verspüren. Flüsternde Kinder, Pferde auf der Weide, Zirkus oder zwei Stewardessen, jedes Foto erzählt eine eigene Geschichte.
Der dritte im Bunde ist Frank Rüdiger, als Fotograf, Autor und Verleger tätig und für viele Gersche kein Unbekannter. „Ich habe mich auf Momente beschränkt, die auf Reisen entstanden", gesteht Frank Rüdiger, Jahrgang 1954 und präsentiert street photography aus den USA, Nürnberg, Venedig und London. Rüdiger hat den besonderen Blick auf Alltagsmomente, die zufällig entstehen und die für ihn eine faszinierende Aussage besitzen. Für andere nebensächlich, verleiht er damit dem Betrachter eine Inspiration, an derartigen Situationen nicht einfach vorüberzugehen, sondern im Stillen zu verweilen.
Drei Erzählungen kann man zwischen den ausgestellten Fotorahmen entdecken. Ulla Spörl, Geraer Schriftstellerin und Ehefrau von Frank Rüdiger, schrieb diese drei Kurzgeschichten, die ihr beim Betrachten von ausgewählten Fotos spontan in den Sinn kamen. Diese seien fiktiv, wobei die Geschichte aus London einen realen Bezug besitze, ist von ihr zu erfahren.
Kuratorin Annerose Kirchner hat der Text zu den Fotos von den unberührten Wäldern tief beeindruckt. Er zeige, dass deren Schönheit verloren gehe, wenn der Mensch mit Gewalt eingreift. Die Natur ist stark, sich selbst zu retten, wenn man ihr nur die Chance dazu gibt, sagte sie in ihrer Laudatio. Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Juli in der Geraer Bibliothek, während der Öffnungszeiten zu sehen. Der Eintritt ist frei.
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