Sport

Einmal Fuchsberg, immer Fuchsberg

Mit 70 Jahren bestritt Oberliga-Kicker Matthias Blaseck sein Abschiedsspiel für den VfL 1990 Gera. Zum Abschiedsspiel von Matthias Blaseck waren mit Klaus Gläser, Gerd Schulz, Thomas Hartmann und Peter Lengert (v.l.) auch viele einstige VfL-Größen erschienen. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 28.10.2022

von Jens Lohse 

Er hat es wahrgemacht! Mit 70 Jahren hat Matthias Blaseck sein Abschiedsspiel beim VfL 1990 Gera bestritten. Als Kapitän führte der Mittelfeldspieler, der einst in den 1970er Jahren in der DDR-Oberliga 87 Punktspiele für Dynamo Dresden, Stahl Riesa und Wismut Gera bestritten hatte, den Kreisliga-Spitzenreiter im Ortsderby gegen den Post SV Gera aufs Feld. 102 Zuschauer waren gekommen, um der Partie beizuwohnen, die ihren Ursprung in einer Wette hatte. Bei seiner ambulanten Reha nach der Hüftoperation im Sommer im SRH-Wald-Klinikum in Gera hatte er mit seinem Chef-Therapeuten Klaus Stöckel gewettet, noch in diesem Jahr bei einem Pflichtspiel aufzulaufen. Sollte Matthias Blaseck das schaffen, muss ihn Stöckel bei der nächsten Reha jeden Tag persönlich von zu Hause abholen und dort wieder abliefern. Schafft es der Fußballer nicht, stiftet er der Weihnachtsfeier des Reha-Zentrums ein 50 Liter-Fass Bier.

Akribisch hatte sich Matthias Blaseck vorbereitet, wöchentlich zweimal trainiert. Vor dem Spiel erwärmt er sich im heimischen Kinderzimmer mit vielen Dehn- und Gymnastik-Übungen. „Das Aufwärmen mit der Mannschaft mitzumachen, hätte keinen Sinn ergeben. Da wäre ich schon vorher kaputt gewesen", so der Rentner, der wie zuvor abgesprochen pünktlich eine Viertelstunde vor Spielbeginn mit dem Fahrrad am Fuchsberg vorfuhr. Ein paar Bahnen auf dem Rasen hin und her folgten mit Auswinkeln und Einwinkeln - wie früher eben, nur etwas bedächtiger. VfL-Trainer Matthias Reislhuber freute sich mit dem Routinier. „Meine Mannschaft kriegt das hin, auch mit dem großen Bahnhof, den es hier heute gibt. Das ist ein ganz normales Spiel. Nicht jeder kann von sich behaupten, einmal mit einem DDR-Oberliga-Spieler im Team aufgelaufen zu sein. Matthias Blaseck ist ein feiner Kerl. Er hat sich so ein Abschiedsspiel verdient. Er hat viel für den Verein getan", so Reislhuber, dessen Team in den vergangenen Wochen einen erstaunlichen Aufschwung hingelegt hatte. Im Vorjahr noch Drittletzter in der Kreisliga-Staffel B sind die Debschwitzer mittlerweile zur Spitzenmannschaft avanciert. „Wir sind eine sehr junge Mannschaft geworden, die sportlich noch einiges vorhat. Manche Spieler kicken sogar noch bei den A-Junioren. Wir haben viel Potenzial, auch wenn junge Teams natürlich Schwankungen unterliegen", schätzte der VfL-Coach ein.

Unterdessen hatte Blaseck sein Team aufs Feld geführt. Geleitet wurde die Partie vom ebenfalls 70-jährigen Geraer Schiedsrichter Bernd Wolfrum. Nach der Begrüßung stand Blaseck gleich vor der nächsten Herausforderung. „Ich kannte meine Mitspieler ja kaum. Als ich meine Oberliga-Spiele bestritten hatte, waren sie noch nicht einmal geboren. Wir haben einen Kreis gebildet und dann meinten sie, dass der Kapitän vor Spielbeginn immer etwas sagen muss. Da war ich erst einmal etwas überfordert, haben mich dann an den RB-Spruch in Leipzig erinnert, den etwas abgewandelt und einfach ´Einmal Fuchsberg, immer Fuchsberg!' gerufen. Das kam ganz gut an", verriet Matthias Blaseck, der zuvor schon in der Kabine über seine Rückennummer 53 aufklären musste. „Wir sind in den alten Autohaus Walter-Dressen von vor 20 Jahren aufgelaufen. Mit 53 Jahren habe ich damals in der Stadtklasse nochmals angefangen. Die 48 gehörte zum Beispiel Thomas Emmrich. Die Magdeurger Tennislegende war 48-facher DDR-Meister und spielte damals bei uns im Team des VfL 1990 Gera III, zu dem auch Bahnrad-Weltmeister Gerald Mortag gehörte", so Blaseck. „Ich hatte vier, fünf Ballkontakte. Meine Passquote lag bei 100 Prozent. Ich habe den Ball immer direkt weitergeleitet. Meistens sind meine jungen Spieler aber mit dem Ball an mir vorbeigelaufen. Da bin ich in meinem Alter nicht hinterhergekommen. Sie hätten mich anspielen müssen und ich hätte sie dann geschickt. Als ich vom Platz gegangen bin, haben alle Zuschauer Beifall geklatscht", meinte der Routinier hinterher, dessen neue Hüfte die 16 Spielminuten gut überstand. Die 150 Tombola-Lose waren bereits im Vorfeld schnell verkauft. Zu gewinnen gab es unter anderem Eintrittskarten für Fußballspiele bei RB Leipzig und beim FC Carl Zeiss Jena. Während Matthias Blaseck am Spielfeldrand mit vielen alten Weggefährten Erinnerungen austauschte, endete die Begegnung mit einem leistungsgerechten 1:1-Unentschieden.

„Das war ein aus jeder Sicht gelungener Fußball-Nachmittag am Fuchsberg. Die Kulisse war ansprechend. Das Wetter hat mitgespielt. Ich bin sehr zufrieden", äußerte sich Matthias Blaseck nach dem Abpfiff.

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