Tiere und Menschen auf Papier
Tierärztin Sabine Lohse und Marita Kühn-Leihbecher zeigen eine Porzellan-Plastik von Volkmar Kühn. Der Hund begrüßt die Besucher am Empfang. Foto: Wolfgang Hesse
Von Wolfgang Hesse
Gera (NG). Die Tierarztpraxis am Flugplatz Gera-Leumnitz will die Halter ihrer Patienten regelmäßig mit wechselnden Kunstwerken erfreuen oder auch damit ein bisschen trösten. Bereits kurz nach Eröffnung der Praxis fanden hier die ersten Ausstellungen statt. Inspiriert durch die Kontakte von Maler, Grafiker und Kunstlehrer Frank Lohse aus Gera zum Künstlerstammtisch auf der Osterburg in Weida, schuf er einen Ausstellungsbereich in den Warteräumen der Kleintierpraxis. Es ist inzwischen eine gute Tradition geworden, dass hier Geraer Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten präsentieren können. Dabei umfassen die ausgestellten Werke alle Genres, von Malerei und Grafik bis hin zu abstrakten Arbeiten, wie sie im letzten Jahr von Jörg Neuhäuser aus Zwötzen präsentiert wurden.
Die aktuelle Ausstellung sei durch beidseitiges, freundschaftliches Miteinander zustande gekommen, sagt Marita Kühn-Leihbecher im Namen ihres Mannes Volker Kühn, der leider nicht persönlich an der Eröffnung teilnehmen konnte. Über viele Jahre betreut die Kleintierpraxis ihre vierbeinigen Hausbewohner.
„Volkmar Kühn ist ein Sohn dieser Stadt, ist weit über Gera und Wünschendorf hinaus bekannt und hat bedeutende stadtbekannte Plastiken geschaffen", sagt Sabine Lohse zur Ausstellungseröffnung.
„Die Ausstellung zeigt Tusche sowie Graphitzeichnungen von Tieren aus zoologischen Gärten Leipzig, Dresden und eben glücklicherweise nach der Wende weiterhin ausgebauten Tierpark in Ost-Berlin, sowie Skizzen vor Ort auf den Pferderennbahnen, Leipzig und Gotha", erklärt Volkmar Kühn in seiner Laudatio, die von Marita Kühn-Leihbecher verlesen wurde.
„Erlebnisse mit Tieren und Menschen in zoologischen Gärten sowie eine nach dem Kunststudium lebensnotwendige Tätigkeit in der Raubtierabteilung des Leipziger Zoos (1963–1964) vermittelten mir tief greifende Erlebnisse, die für mein künstlerisches Orientieren als Bildhauer weiterhin von größter Bedeutung sind."
Abschließend schreibt er über die Bedeutung der Tiere für das Leben auf der Erde: „Ein Satz aus einer Rede eines indianischen Häuptlings hat für mich immer wieder brennende Aktualität. Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere nicht mehr auf dieser Welt, so stürbe der Mensch in großer Einsamkeit des Geistes", schreibt Volkmar Kühn.
Die ausgestellten Arbeiten zeigen Raubkatzen, aber auch ungefährlichere Tiere, wie Pferde, die der Künstler insbesondere in Relation zu dem Menschen gezeichnet hat. Sie sollten als Entwürfe und Vorstufen für Skulpturen dienen.
Die Ausstellung zeigt Volkmar Kühn aus einem anderen Blickwinkel, als Zeichner und Tierfreund. Kleine Plastiken zum Thema ergänzen diese außergewöhnliche Ausstellung.
Für Sabine Lohse gehört der in mühevoller Kleinarbeit erschaffene Kunstspeicher im Kloster Mildenfurth zu den herausragenden Arbeiten des Künstlerehepaares und empfiehlt unbedingt einen Besuch. Sie möchte diese Schau in der Kleintierpraxis als Auftakt der Ehrung des Künstlers anlässlich seines 85. Geburtstages im nächsten Jahr sehen. Marita Kühn-Leihbecher weist in diesem Zusammenhang auf eine Personalausstellung im Sommerpalais in Greiz hin, die Ende 2027 eröffnet werden soll.
Die Ausstellung von Volkmar Kühn ist in den nächsten drei Monaten zu den regulären Öffnungszeiten der Tierarztpraxis in der Ronneburger Str. 74, direkt neben dem Leumnitzer Flugplatz, zu sehen.