Sport

Trauer um Birgit Pohl

Im Alter von 68 Jahren verstarb die Paralympicssiegerin am 21. Juni. Unerwartet verstarb die Geraer Paralympicssiegerin Birgit Pohl mit 68 Jahren. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 28.06.2022

Von Jens Lohse Gera. Der Geraer Sport trauert um Birgit Pohl. Im Alter von 68 Jahren verstarb die Behindertensportlerin vom TSV 1886 Gera-Leumnitz am 21. Juni. Sie wurde 1996 in Atlanta Paralympicssiegerin im Kugelstoßen und wiederholte diesen Erfolg 2000 in Sydney im Diskuswerfen. 2008 in Peking reichte es nochmals zu Silber mit der Kugel und Bronze mit dem Speer. Hinzu kamen weitere acht Weltmeistertitel. Dem Sport in Gera war sie stets treu geblieben. Nach einem Schlaganfall 1982 und der daraus resultierenden Lähmung beider Beine war sie zunächst DDR-Meisterin im Schwimmen, ehe sie Ende der 1980er Jahre zur Leichtathletik fand. Als sie in der Schwimmhalle mit ihren Gehstützen aus Spaß Speerwurf übte, sprach sie ein Wurftrainer an. Sie entschied sich fortan fürs Werfen, auch mit Blick auf das Älterwerden. 1989 bei ihrer ersten DDR-Meisterschaft räumte sie alle möglichen Titel ab und blieb dabei. Neben ihren eigenen sportlichen Erfolgen war auch das soziale Engagement von Birgit Pohl hoch zu bewerten. Mehr als 50 Jahre lang betreute sie am Montagabend die Freizeitschwimmer ihres Verein. Dienstag früh um sechs Uhr war die Leumnitzer Koronar-Sportgruppe dran. Der Mittwoch gehörte den Rettungsschwimmern der Wasserwacht. Am Wochenende war sie mit ihrem Ehemann Andreas bei vielen Wettkämpfen vor Ort. Der Elstertal-Marathon, die Geraer Rollsporttage, das Mondseeschwimmen des VfL 1990 Gera, der Special Olympics Day im Stadion der Freundschaft - überall schaute sie persönlich vorbei. Obwohl Birgit Pohl ihre Medaillen zu ihrer aktiven Zeit nur im Schuhkarton aufbewahrte, war sie stolz auf ihre Ehrungen wie den Preis „Nie sich aufgeben", den sie beim Geraer Sportlerball 2009 erhalten hatte, oder auch die drei Silbernen Lorbeerblätter und fünf Ehrungen als Thüringer Behindertensportlerin des Jahres. 2012 hatte sie selbst mit dem aktiven Sport aufgehört, weil es bei den Leichtathleten mit der Zusammenlegung von Schadensklassen immer unübersichtlicher wurde. Besonders in Erinnerung waren ihr die Paralympics 2008 in Peking geblieben. „Über Silber und Bronze dort habe ich mich am meisten gefreut. Ein Jahr vorher war ich an Krebs erkrankt. Kaum einer hat an mich geglaubt. Aber ich habe gekämpft, bin zurückgekommen. In der chinesischen Hauptstadt vor mehr als 90.000 Zuschauern im Stadion zu stehen und zwei Medaillen zu holen, da kriege ich heute noch Gänsehaut", verriet sie in ihrem letzten Interview vor knapp vier Jahren. Ohne Sport hatte sie sich ihr Leben nicht vorstellen können. „Ich sitze den ganzen Tag auf Arbeit. Die Muskulatur muss aber beansprucht werden. Ich bin mit zwei Gehstützen unterwegs. Da müssen der Schultergürtel und die Oberarme belastbar sein". Sonst wird das nichts", erzählte sie. Nun hat ihr Sportler-Herz für immer aufgehört zu schlagen.

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