Kultur

Unterwegs mit Herz und Leidenschaft

Im neuen Büro des Vereins: Kerstin Paulick, Steffi Kopp, Karin Schumann, Heidrun Heusinger, Steffi Reinhardt und Rosemarie Ronneberger (v.l.). Foto: Wolfgang Hesse

Erschienen am 02.03.2026| Jahrgang: NG 5/26

Von Wolgang Hesse

Gera (NG). Die Geraer Gästeführer starten mit vielen Neuigkeiten ins neue Jahr. Gerade noch beim Weltgästeführertag 2026, schauen sie zuversichtlich in die Zukunft. Erstmals besitzt der Verein „Gästeführer Region Gera e.V." ein eigenes Büro für die Vereinsarbeit. „Bisher habe ich alles von Zuhause koordiniert, was natürlich ziemlich aufwändig war", erinnert sich die Vereinsvorsitzende Karin Schumann und freut sich über den Büroraum bei der GWB Elstertal. Die Arbeiten am Computer und Absprachen zu den Angeboten des Vereins können jetzt an einem zentralen Ort erfolgen. Zudem bestehe die Möglichkeit, Unterlagen zentral zu archivieren und Öffnungszeiten für Interessierte anzubieten. Im neuen Büro fallen sofort drei originale Arbeiten der Geraer Künstlerin Barbara Lechner ins Auge, die Karin Schumann von Margot Bach als Geschenk erhielt. Die Ansichten zeigen Teile der Geraer Stadtmauer zu unterschiedlichen Jahreszeiten.
Vor zwei Jahren konnte der kleine Geraer Verein bereits seinen 25. Geburtstag feiern und ist dank des Engagements der Mitglieder auch bei Stadtfesten und kulturellen Veranstaltungen anzutreffen. Ein besonderer Höhepunkt im letzten Jahr waren „300 Jahre Bach in Gera". Hierbei begaben sich die Gästeführer zusammen mit dem Herrn Thomaskantor persönlich auf die Spuren von Zeitzeugnissen, die an seinen Besuch in Gera erinnern.
Heute hat der Verein 21 Mitglieder, von denen 19 Gästeführungen anbieten. Ständig bilden sich die Gästeführer weiter, erweitern ihr Wissen, um andere Touren übernehmen zu können. Bei dieser Gelegenheit entstehen oft neue Angebote zur Geraer Geschichte. Das neue Angebot „Ein Italiener in Gera" konnte am Weltgästeführertag seine Premiere feiern. Die Gästeführerinnen Heidrun Heusinger und Kerstin Paulick führten die Besucher zu den Gebäuden, wo Gestaltungselemente des italienischen Architekten Andrea Palladio aus dem 16. Jahrhundert bis ins Heute wirken. Gera hat auch hier etwas Besonderes zu bieten. „Während in Apolda und Weimar jeweils nur eins dieser Motive zu sehen ist, gibt es Gera gleich zwölf davon", erklärt Heidrun Heusinger. Sie sind durch ein Rundfenster und zwei seitliche Fenstern daneben zu erkennen und haben die Renaissance mit Leben erfüllt, so die Gästeführerin. Diese zwölf Motive aus Gera bilden einen Jahreskalender über Geras Architektur, von dem in der Gera-Information noch einige Exemplare vorhanden seien.
Zu einer neuen Tagestour lädt Gästeführerin Steffi Kopp Ende März ein. Während der Bustour werden geschmückte Osterbrunnen entlang des Osterfades in Ostthüringen zu erleben sein. Abschluss bildet die größte Osterkrone Deutschlands mit circa 16.500 bemalten Eiern, die in Berga zu bestaunen ist. Für den Sommer ist eine Mehrtagesfahrt zur Landesgartenschau Thüringen 2026 in Leinefelde-Worbis in Zusammenarbeit mit dem Buga-Förderverein geplant.
Insgesamt gehören rund 60 Touren, darunter mehrere Kostümführungen zum Jahresprogramm der Geraer Gästeführer. Zwei Publikumsmagnete konnten Interessierte am Weltgästeführertag erleben. Die Särge aus der Gruft der Reußen in der alten Feierhalle des Ostfriedhofes wurden gezeigt. Nicolaus de Smit, alias Gästeführer Günter Domkowsky erläuterte das Leben und Wirken von Heinrich Posthumus Reuß im Angesicht seines Prunk-Sarkophags, der ein Kulturgut von Europäischem Rang darstellt. Mehr als hundert Interessierte hatten sich zur Führung durch die Ostmoderne im Stadtzentrum Gera vor dem Kultur- und Kongresszentrum (KuK) eingefunden. Eine Reise in die 1980-er Jahre brachte Erinnerungen zurück, wie etwa das Aussehen der Breitscheidstraße zu jener Zeit.
Ein weiteres stark nachgefragtes Angebot der Gästeführer ist die Krimi-Kultur-Tour Gera. Gästeführer Uli Braumann und Kriminalist a. D. und Buchautor Hans Thiers führen durch Gera-Untermhaus. Architektur und Geschichte Geras treffen dabei auf grausame Tötungsverbrechen. Sie ereigneten sich in Gera in den 1970-er und 1980-er Jahren. Hans Thiers, damals Leiter einer Morduntersuchungskommission im Bezirk Gera, konnte die meisten davon aufklären.
Das neue Vereinsbüro am Johannisplatz 2 hat immer dienstags von 9 Uhr bis 12 Uhr geöffnet. Tickets für Tagestouren sind in der Gera-Information am Markt und im Lädchen „Tausendschön" im Steinweg erhältlich. Nachfragen zu Touren und Reservierungen von Tagesfahrten sind unter 0175-5281949 oder info@gaestefuehrung-gera.de möglich.

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