Kultur

Vom Bauhaus-Schrank bis zum Mitropa-Geschirr

Kuratorin Anne-Kathrin Segler zeigt Sammeltassen, die ihren Höhepunkt zwischen den Jahren 1920 und 1970 hatten. Foto: Wolfgang Hesse

Erschienen am 26.06.2024| Jahrgang: NG 13/24

Von Wolfgang Hesse

Gera (NG). Am 6. Oktober des Jahres 1984 in der Greizer Straße 37-39 eröffnete das Museum für Kunsthandwerk, das heute als Museum für Angewandte Kunst (MAK) stadtbekannt ist. Mit der Neugründung damals sollte das neu errichtete Wohnquartier kulturell aufgewertet und zudem das Gebäude aus dem 18.  Jahrhundert, benannt nach seinem Vorbesitzer Dr. Moritz Rudolph Ferber, öffentlich zugänglich gemacht werden. Schon mit der zweiten Sonderausstellung „Kunst um 1900", war die Richtung des künftigen Sammlungsprofils vorbestimmt. In den 1980-er Jahren zählte die DDR-Gebrauchsgrafik zu einem Schwerpunkt.
Im 40. Jubiläumsjahr des Museums für Angewandte Kunst wurde kürzlich die neue Schau „Von Art Déco bis DDR Design" eröffnet. „Von den Leuten, die früher hier gearbeitet haben, ist keiner mehr im Dienst", betonte Holger Peter Saupe, der Direktor der Kunstsammlung Gera. „Die Kollegen waren auf eigene Recherchen angewiesen, da auch die Personaldecke in den letzten Jahren sehr dünn war."
Die umfangreichen Bestände, die seit dem Bestehen des Museums zielgerichtet erweitert worden sind, wurden gesichtet. „Man konnte zudem auf Stiftungen und Schenkungen zurückgreifen, um eine repräsentative Auswahl für das 40. Jubiläum präsentieren zu können", berichtete Kuratorin Anne-Kathrin Segler.
„Im Foyer zeigen die Regale bereits die Vielfältigkeit der ausgestellten Gegenstände", erklärt die Kuratorin. Von Jugendstil-Keramik über Kahla-Porzellan bis hin zu DDR-Verpackungen reicht das Spektrum. Hunderte Aschenbecher schlummern im Depot und wurden auf Art Déco und Kulturgeschichte betrachtet. „Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, nicht nur auszustellen, sondern das Ausgestellte zu erforschen", so Anne-Kathrin Segler.
In einem Regal entdeckt man Verpackungen im typischen DDR-Design. Zu sehen sind Elektronik-Erzeugnisse wie Antennenverstärker, Kofferradios oder Kopfhörer, alles Produkte aus Thüringer Herstellung.
Die neue Ausstellung zeigt Möbel, Kleidung, Schmuck und Alltagsgegenstände aus der Zeit vom Jugendstil und Art Déco. Das sind zum Beispiel Stücke aus den Sammlungen von Georg Brühl aus Chemnitz. Im Jahre 2004 kamen über die Sammlung von Hermann Götting aus Köln, einem Straßenbahnschaffner, ausgewählte Exponate aus den Jahren von 1920 bis 1960 nach Gera.
Die Schau ist systematisch aufgebaut. Jedem Raum liegt ein eigenes Konzept zugrunde. So kann man Exponate aus der Roschützer Porzellanmanufaktur von 1910 bis 1915, aber auch Meißner Porzellan entdecken. Später gelangt man zu Möbeln, die das Bauhaus-Design charakterisieren. Ein Schreibtisch aus den Deutschen Werkstätten Hellerau zeigt die klare Funktionalität und wurde unter anderen vom Gestalter und Bauhausschüler Hajo Rose erworben. Der Entwurf stammte vom niederländischen Designer Mart Stam aus den Jahren zwischen 1948 bis 1950. Von Hajo Rose sind einige Werbegrafiken in der Schau zu finden. Ebenso dürfen Fotografien von Aenne Biermann bei solch einer historischen Zeitreise nicht fehlen.
Die reich verzierten Blechdosen der Hannoverischen Keksfabrik H. Bahlsen stammen von 1913/14. Ein ganz besonderer Hingucker ist ein Küchenschrank nach Entwürfen der Frankfurter Küche von Thilo Schoder. Ebenso steht auch hier die Funktionalität im Vordergrund.
Mode- und Kulturzeitschriften wie Sibylle leiten den Betrachter zu Gegenständen, die zum täglichen Gebrauch in der DDR gehörten. Zu sehen sind Mitropa-Geschirr, die allseits bekannte Blumengießkanne sowie verschiedene Objekte aus billigem Kunststoff, wie etwa Kindereierbecher oder die gelbe Zitronenpresse, die sich teilweise noch heute in einigen Küchenschränken befindet.
Zur Ausstellung, die bis zum 6. Oktober gezeigt wird, jeweils von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet hat, ist ein Katalog im Hirmer Verlag München erschienen.

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