Wirtschaft

Was der Neue anpacken will

Neues Gera sprach mit Karsten Sachse, neuer Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer

Erschienen am 26.02.2021

Sie sind seit dem 1. Januar neu im Amt als Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostthüringen. Was halten Sie von dem Sprichwort „Neue Besen kehren gut"? 

Das Sprichwort ist für mich nicht der Antrieb in diesem Amt. Zumal ich schon seit 16 Jahren als Assistent der Geschäftsleitung in der Handwerkskammer tätig bin. Durch die Arbeit in vielen Gremien, Arbeitskreisen und Kommissionen konnte ich bereits zahlreiche Kontakte zu Entscheidern in Politik und Handwerk sowie vor allem zu Handwerksunternehmen, Innungen und Kreishandwerkerschaften aufbauen. Das möchte ich künftig weiter intensivieren. Dabei ist mir vor allem eine enge Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt im Verbund mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hauptverwaltung und der drei Bildungsstätten wichtig. Nichtsdestotrotz kann ein Wechsel an der Spitze eines jeden Unternehmens oder einer jeden Verwaltung auch neue Impulse setzen. 

Wie stark ist das hiesige Handwerk von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen? 

Ich habe ja meine neue Funktion in Zeiten des zweitenLockdowns begonnen. Da gilt natürlich das Hauptaugenmerk erst einmal der Bewältigung der Coronakrise und der Unterstützung unserer Mitgliedsunternehmen. Viele von Ihnen sind wirklich hart getroffen. Denken wir nur an die Friseure und Kosmetiker, die seit dem 16. Dezember zum zweiten Mal komplett schließen mussten. Aber auch viele andere Branchen haben mit den coronabedingten Auswirkungen zu kämpfen: Verunsicherung bei den Privatkunden, ausbleibende öffentliche Aufträge oder fehlende Umsätze beispielsweise bei Textilreinigern, Bäckern und Fleischern durch geschlossene Hotels, Gaststätten oder Events für Cateringservice. All das gilt es für uns im Blick zu halten und die Betriebe dennoch bestmöglich zu unterstützen. 

Die Handwerkskammer ist kompetenter Dienstleister für alle Ostthüringer Handwerksunternehmen. Welche Schwerpunkte wolllen Sie setzen? 

Wir wollen nicht verwalten, sondern aktiv für unsere Mitgliedsbetriebe da sein. Deshalb sehen wir uns als der erste Ansprechpartner für unsere Mitglieder, damit diese sich auf ihre tägliche unternehmerische Tätigkeit konzentrieren können. Unsere Mitgliedsbetriebe zahlen Beiträge an die Handwerkskammer. Da ist es für sie auch ihr gutes Recht, eine modern aufgestellte Verwaltung erwarten zu können, die ihre Interessen vertritt und ihnen mit einem umfangreichen Dienstleistungsangebot zur Verfügung steht. Wir haben bereits in den vergangenen Monaten der Pandemie bewiesen, dass unsere Handwerkerinnen und Handwerker auf uns zählen können. Das wollen wir natürlich beibehalten und kontinuierlich ausbauen. 

Die Kammer hat sich vor allem Lorbeer erworben bei der Heranbildung des fachlichen Nachwuchses. Wie ist der Stand bei der Aus- und Weiterbildung junger Leute, einschließlich künftiger Meister? 

Die Corona-Pandemie hatte auch gravierende Auswirkungen auf die Gewinnung von Fachkräftenachwuchs. Bildungsmessen fanden nicht. Praktika in Betrieben waren kaum möglich. Umso mehr freut es uns, dass wir die Zahl neuer Lehrverträge im vergangenen Jahr in Ostthüringen konstant halten konnten. Das ist aber vor allem ein Verdienst der Ausbildungsunternehmen, auch wenn wir hier mit verschiedenen Angeboten, wie beispielsweise mit unserem Ausbildungsevent im September vergangenen Jahres in der Bildungsstätte Gera-Aga wertvolle Hilfestellung geben konnten. Das gleiche gilt natürlich für die Fortbildung zum Handwerksmeister. Auch hier sind wie tagtäglich dabei, passgenaue Angebote für alle Interessierten zu unterbreiten. Nichts ist für das Handwerk wichtiger, als gut ausgebildete Junggesellen und hervorragende qualifizierte Handwerksmeister zu haben. Mit Blick auf die Unternehmensnachfolge in den kommenden Jahren braucht das Handwerk genau diese Frauen und Männer, um die handwerkliche Versorgung in der Fläche zu erhalten. 

Die Bildungsstätten in Gera, Zeulenroda und Rudolstadt genießen einen guten Ruf. Welche neuen Herausforderungen gibt es an deren Profil? 

Wir haben schon jetzt modernste Bildungszentren mit technischer Top-Ausstattung und hoch qualifiziertem Lehrpersonal. Für mich ist es aber in Zukunft wichtig, sich auf bestimmte Kernbereiche zu fokussieren. So kann ich mir unter anderem in unseren Bildungsstätten Gera-Aga, Rudolstadt und Zeulenroda eine Spezialisierung auf einige Themenfelder vorstellen, ohne das Große und Ganze aus den Augen zu verlieren. Hier werden wir versuchen, in den Bildungsstätten echte Mehrwerte für unsere Handwerkerinnen und Handwerker zu schaffen. 

Das Gespräch führte Harald Baumann.

 

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