Was macht eigentlich das Feiern aus?

Kuratorin Dr. Claudia Schönjahn weist auf einige Details im Gemälde „Disco“ von Thomas Holle hin. Foto: Wolfgang Hesse

Erschienen am 19.08.2026| Jahrgang: NG 17/26

Wolfgang Hesse

Wie die Feste über die letzten Jahrhunderte und Jahrzehnte von den Malern und Grafikern gesehen wurden, erzählt eine neue Sonderausstellung in Otto-Dix-Haus. Unter dem Titel „festefeiern" wird auch die Mehrdeutigkeit sichtbar, denn nicht nur das Fest selbst steht im Mittelpunkt, sondern auch wie gefeiert wurde. „Zu diesem Thema ist viel in der bildenden Kunst zu finden. Wir haben auch nicht wenige Bilder und Arbeiten auf Papier zu diesem Thema, hat sich herausgestellt", verrät Dr. Claudia Schönjahn, die Kuratorin der Ausstellung. Alle 37 Arbeiten stammen aus der Sammlung.
„Wir haben einen großen Rahmen gesetzt. Unsere Reise geht mit dem 16. Jh. los und reicht bis in die 90-er Jahre des 20. Jhs. Sie erzählt von der antiken Rezeption in der Renaissance, dem 18. Jh und amüsanten Karikaturen des 19. Jhs. Dabei werden bürgerliche Sitten und Gebräuche auf die Schippe genommen und auch der sozialistische Mensch charakterisiert, der bewusst den Rückzug ins Individuelle sucht", erklärt Claudia Schönjahn.
Im Zeitalter des Barock zählten aufwendige Zeremonien als Manifestation der Macht dazu. Genau diese zeigt eine „Festliche Szene" aus dem 17. Jh. Galante Feste und Spiele des Rokoko inmitten idyllischer Landschaften zeigt ein anderes historisches Bild.
Selbst Otto Dix ist in der Ausstellung vertreten. Er schuf Einladungen etwa zu einem Gauklerfest oder eine Postkarte zu einem Bauernball.
Ob ein Lampionumzug, Kinderfasching oder schwankende Gestalten vor einer Bar, die Kunstschaffenden beobachteten den Alltag um sich herum sehr genau. Tänzerinnen und Tänzer mit fliegenden Röcken und Tüchern auf Lothar Zitzmann Gemälde „Festival" zeigen die sozialistische Feierkultur. Das Bild ist wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Weltfestspielen 1973 in Berlin entstanden und könnte als ein Wandbild für die Völkerverständigung gedient haben.
Anders zeigt Thomas Holle die Gesellschaft in der Mitte und Ende der 80-er Jahre. Sein Ölgemälde „Disco" aus dem Jahre 1986 zeigt bereits die Sehnsucht der jungen Generation in Richtung Westen. Das besondere Flair, das Feiern in einer geschlossenen Umgebung, zeigt der Künstler, indem er Jugendkultur, Ausgelassenheit, Rauchen, Alkohol und Zärtlichkeiten in den Mittelpunkt rückt. Die Sängerin und die Musikanten erscheinen als Geister ihrer selbst. Das alles sind Dinge, die nicht in das sozialistische Menschenbild jener Zeit passten.
Rückzug ins Privatleben war ebenfalls ein Ventil, der Gängelei des Staates zu entkommen. Elena Olsen zeigt das mit „Das große Hochzeitsmahl" aus dem Jahre 1981. Sie stellt eine Situation an einer Festtafel dar und fragt den Betrachter: „Welche Charaktere stellen die einzelnen Personen dar?" Sofort fällt das nachdenkliche Mädchen in den Blick, dass die Situation mit Humor nimmt. Auffällig ist ein „Mond-Lampion", das damals bei keiner fröhlichen Feier fehlen durfte.
Die Sonderausstellung bei einem Besuch des Otto-Dix-Geburtshauses am Mohrenplatz bis zum 18. Oktober zu sehen.

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