Kultur

Zum 100. Geburtstag von Karl Weschke

Kurator Holger Peter Saupe erklärt das „Meerbild“ von Karl Weschke. Foto: Wolfgang Hesse

Erschienen am 11.11.2025| Jahrgang: NG 23/25

Von Wolfgang Hesse Gera (NG). Für Karl Weschke (1925-2005) waren es die frühen Lebensjahre, die ihn bewogen, Gera nicht zu seinem Lebensmittelpunkt werden zu lassen. Geboren in Alttaubenpreskeln, lernte er ganz früh die Prostitution seiner Mutter kennen. Familiäre Beziehungen, ein Elternhaus hatte er nie. Seine Jugend verbrachte er in den Straßen und Gassen Geras als Gossenkind. Er hasste seine Mutter, obwohl er weiter mit ihr zusammenleben musste. Einen Halt fand er in der Hitlerjugend, wo er sich erstmalig anerkannt fühlte. Geprägt von der Ideologie des Nationalsozialismus suchte er seine Verwirklichung in der deutschen Luftwaffe und geriet 1945 in britische Kriegsgefangenschaft. Für ihn brach mit dem Bekanntwerden der Naziverbrechen eine Welt zusammen. Er entschied sich letztlich auch deshalb, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren. 

In seiner Kunst thematisiert Weschke die existentiellen Beziehungen zwischen Natur und Mensch, Mensch und Tier oder Tier und Mensch. Seine Bilder sind vor allem von dem Gefühl der Empathie für die Leidenden durchdrungen. Obwohl er durch Vermittlung einige Kunstgeschichtskurse an der Universität Cambridge absolvierte, blieb er sein Leben lang ein Autodidakt. Seine Anfangswerke sind geprägt vom rauen Klima mit Regen und Sturm und der Kraft des Atlantiks, seinen Erfahrungen als Kriegsgefangener, aber auch durch die Erlebnisse der Kindheit. Vielleicht auch deshalb spielten Beziehungen zu Frauen im Leben von Karl Weschke eine große Rolle. Mit vier Frauen zeugte er fünf Kinder. Erst nach seinen Aufenthalten in den 1990-er Jahren in Ägypten veränderten sich seine Bilder, sie wurden heller und farbiger. Diese meist großformatigen Arbeiten sind im einem Teil der Ausstellung in der Orangerie zu sehen. 

Holger Saupe, Kurator der Karl Weschke-Ausstellung und Leiter der Kunstsammlungen Gera, holte bereits 2001 das Werk des Künstlers in einer ersten großen deutschlandweiten Schau nach Gera. In Vorbereitung dieser Schau lernte er Weschke in seinem Zuhause in Cornwall kennen und konnte diese Begegnungen in die damalige und auch diesjährige Ausstellung einfließen lassen. 

Nach 1988 weilte Karl Weschke mehrmals zu Filmaufnahmen in Gera. Der Film „Karl Weschke - Mythos eines Lebens", von Thomas Grube, erlangte in ganz Deutschland große Beachtung. In Jahre 2003 erhielt er das deutsche Bundesverdienstkreuz am Bande und ein Jahr später wurde er Ehrenbürger der Stadt Gera. 

Öffnungszeiten für die Doppelausstellung „Karl Weschke - Back in Town" (Stadtmuseum, Orangerie): täglich außer montags von 11-17 Uhr.

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