Zwei Jahrestage in Liebschwitz
Stefan Bauch hat sein Heimatarchiv in einem historischen Schrank untergebracht. Foto: Wolfgang Hesse
Von Wolfgang Hesse
Gera (NG). Es begann im Jahre 2001, als das Nebengebäude neben dem Pfarrhaus in Gera-Liebschwitz frei wurde. Die Pfarrstelle sollte nicht wieder besetzt werden. Stefan Bauch erhielt die Gelegenheit, die Räume des Nebengebäudes für seine private Geschichtssammlung zu nutzen. Damit wurde der Grundstein für die Liebschwitzer Heimatstube gelegt. In diesen Oktobertagen jährt sich deren Eröffnung zum 25. Mal. Deshalb lädt Stefan Bauch am 3. Oktober alle Interessierten zum Jubiläum ein. Ab 12 Uhr öffnet er sein Archiv. Der Ortschronist führt gern durch sein selbst geschaffenes Reich und wer mag, kann einen Blick in die Liebschwitzer Kirche werfen.
Stolz ist er auf etwa 500 Gegenstände in der Heimatstube. Darunter befinden sich Stücke, die ihm frühere Heimatforscher aus Liebschwitz überlassen haben. Rudolf Beer, Lehrer an der Liebschwitzer Schule, und Stefan Bauchs Vorgänger, Ortschronist Herrmann Müller, legten ihre Sammlungen in seine Hände. Viele Gegenstände erinnern an das umfangreiche Gewerbeleben in Liebschwitz. „Hier wurde nicht nur Bier gebraut, auch eine Porzellanmalerei war hier ansässig", erklärt Stefan Bauch anhand seiner Objekte. Die prunkvolle Fahne des Liebschwitzer Gesangsvereins Harmonie gehört zu seinen außergewöhnlichsten Sammlerstücken. Über Umwege konnte er auch den Notenschrank dieses Chorvereins in die Heimatstube holen, der heute das komplette Ordnerarchiv des Ortschronisten beherbergt.
Franzosen in Liebschwitz
„Interessant ist, dass genau vor 220 Jahre in Liebschwitz ein schreckliches Ereignis stattfand", erklärt Stefan Bauch. „Nach dem Gefecht bei Schleiz am 10. Oktober 1806 und einen Tag vor der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt kamen französische Truppen in unsere Gegend. Dabei wurden hier in Liebschwitz Höfe geplündert und das Vieh geschlachtet." Die Bevölkerung wehrte sich und bei diesem Handgemenge wurden vier Franzosen getötet. Als Rache zündeten die Truppen die Schule, das Pfarrgehöft und die Schmiede an. Dabei wurden alle Kirchenbücher bis einschließlich des Jahres 1806 vernichtet. Das Pfarrhaus erhielt, nach dem Wiederaufbau im Jahre 1810, sein heutiges Aussehen.
Seit 2001 konnte der Ortschronist 4.500 Besucher in dem kleinen Fachwerkhaus begrüßen. In der warmen Jahreszeit öffnet er einmal im Monat sein Archiv. Die Termine und Öffnungszeiten lässt er durch den Ortsteilrat über Aushänge veröffentlichen.
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