Kultur

Inspirationen in Stein und Grafik

Die Radierungen im schwarzen Rahmen sind die persönlichen Auseinandersetzungen der Künstlerin mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Foto: Wolfgang Hesse

Erschienen am 29.11.2023| Jahrgang: NG 24/23

Von Wolfgang Hesse Gera (NG). Das Familienunternehmen Sanitäts- und Gesundheitshaus Carqueville GmbH ist immer für eine kulturelle Überraschung gut. Zur guten Tradition gehören die Ausstellungen in den Räumlichkeiten der Zentrale in Töppeln. Von Peter Carqueville initiiert, setzt sein Sohn Felix heute das Anliegen seines Vaters fort, Kunst den Menschen nahe zu bringen. 

Aktuell zeigt das Sanitäts- und Gesundheitshaus im ersten Stock Arbeiten von Eva Skupin. Die Bildhauerin lebt in Südthüringen, in Mehmels, im Landkreis Schmalkalden-Meiningen gelegen. Bereits im Alter von 16 Jahren hat sie begonnen, ihre Ideen auf verschiedene Weisen umzusetzen. Heute mag sie besonders Staub, Steinstaub nämlich, wie während der Laudatio von Dr. Klaus Freyer zu erfahren ist. Mit Bildhauerei, Grafik und Installation beschäftigt sich Eva Skupin. Etwa 100 Arbeiten, ein Spektrum ihrer Schaffensperioden, stellt sie in den Geschäftsräumen Carqueville aus. 

Im Laufe der Zeit bearbeitete sie Ton, Holz, Wachs, Bronze, Kalk- und Sandstein, Alabaster und Marmor, wobei Kunstwerke von der Kleinplastik bis zu meterhohen Steinskulpturen entstanden. Im öffentlichen Raum, zum Beispiel in Nordhausen, Meiningen oder Hohenfelden kennzeichnen ihre Skulpturen zentrale Orte des gesellschaftlichen Lebens. „Heute arbeite ich wieder vermehrt mit Stein und Hartgestein", gesteht sie. Andere Materialien, wie etwa Bronze, seien in den Hintergrund getreten. In der Arbeit mit dem Stein finde sie die Freiheit, sich emotional zu entfalten. „Ich erschaffe Dinge, die erst bei der Bearbeitung entstehen. Das passiert meist ohne Kopf, die emotionalen Empfindungen überwiegen", sagt sie. Passion, Leidenschaft, aber auch das Leiden spielen in ihrer Kunst eine einschneidende Rolle. Das alles vereint sich in ihrem Brennen für die Kunst. Sie überlässt dem Betrachtenden einen Deutungsspielraum, wie etwa bei der Plastik Löwenmann und Adlerfrau. Besucher sollen ihre plastischen Werke selbst erfühlen, will heißen, Berühren ist ausdrücklich erwünscht. 

Bei aller Ernsthaftigkeit und humanistischen Grundgedanken findet man ihren Humor in vielen der Arbeiten. Ihre biblische Eva in prallen Formen hält hinter sich als Apfel das Apple-Zeichen in ihren Händen. Der Apfel ist auf ein großformatiges Bild neben ihr entwichen. Hier hegt sie Assoziationen zu dem Gemälde Sündenfall von Lucas Cranach dem Älteren. Adam, den Apfel in der Hand haltend, gelingt es nicht, der Versuchung zu widerstehen. Hier verbindet sie den Baum der Erkenntnis mit dem Wissen, das aus dem Computer kommt. Ähnliche Anspielungen findet man in ihrer Darstellung zur Künstlichen Intelligenz. Zwei Engel und ein Mikrochip stehen in Ambivalenz zwischen göttlicher Inspiration und Maschinendenken. 

Die Grafik ist für Eva Skupin eine Saisonbeschäftigung. Wenn es draußen nass und kalt wird, zieht sie sich in warme Räume zurück. Anders als bei der Arbeit am Stein sind ihre Radierungen oft Kopfgeschichten privater Natur. „Gerade in der Zeit der Lockdowns, der Kontaktsperren und der Impfpolitik war ich viel allein. Als Umgeimpfte blieben mir viele öffentliche Orte verwehrt", erinnert sie sich. Es entstanden Radierungen aus einer traurigen Zeit. Diese sind in der Ausstellung in schwarze Rahmen gefasst. „Sie dienen als ein Augenzeugenbericht einer subjektiv, reflektierten Wirklichkeit", berichtet sie. Als gläubige Christin schöpfte sie in dieser Zeil viel Kraft aus dem Glauben und der Hoffnung für das Leben, die über das Sterben hinaus geht. „Das Schöne und Furchtbare leise darzustellen, macht es für mich nicht nur sichtbar, sondern auch greifbar. Somit wird Zeichnen zu einem heilbaren Prozess", sagt Eva Skupin. 

„Ihre Kunst ist mehr als Darbietung, sie ist Kommunikation, die soziale Funktion, die auch darin besteht, den Horizont zu erweitern", fasst Dr. Klaus Freyer die ausgestellten Arbeiten der Künstlerin zusammen. 

Unter dem Titel „Von der Schönheit des einvernehmlichen Schweigens..." wird Eva Skupin ab 8. Januar 2024 in der Verbandsgalerie, auf der Krämerbrücke, in Erfurt ausstellen. Hier werden ihre aktuellen Arbeiten aus Stein zu sehen sein. 

Die aktuelle Ausstellung kann im Sanitätshaus Carqueville, in Töppeln, Flurstaße 6, 07586 Kraftsdorf zu den Öffnungszeiten des Unternehmens besichtigt werden, der Eintritt ist frei.

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