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Bei Nacht durch Geras Museen

In blaues Licht hüllt sich das Geraer Stadtmuseum während der Museumsnacht. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 06.09.2023| Jahrgang: NG 18/23

Von Jens Lohse Gera (NG). Die 24. Geraer Museumsnacht am vorletzten Freitag hielt, was sie versprochen hatte. Sechs Stunden lang begeisterten die städtischen Museen und zahlreiche langjährige Partner des Kulturamts die interessierten Besucher bis Mitternacht mit einem kurzweiligen Programm. Zudem bedeuteten 3.000 verkaufte Armbändchen eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als 2.700 Gäste gekommen waren. „Dabei hat natürlich auch das Wetter eine Rolle gespielt. Die Prognosen sahen erst gar nicht so gut aus", meinte Steffen Kühn von der Stadtverwaltung. 

Als sich die letzte historische Straßenbahn gegen 21.45 Uhr auf dem Heinrichsplatz in Richtung Straßenbahnmuseum in Lusan aufmachte, hatten die Besucher schon viel erlebt. Das Fleck-Sauer-Ensemble hatte die Museumsnacht bereits um 18 Uhr auf der Freitreppe des Stadtmuseums eröffnet. Mit ihrer Musik aus den 1920er Jahren sorgten die Band-Mitglieder aus Hermsdorf und Bad Klosterlausnitz für gute Laune bei ihren Zuschauern. Die Stammgäste der Museumsnacht, die nach eigenen Aussagen „nicht weit her sind", hatten bisher immer an der Orangerie aufgespielt. Während sich das Stadtmuseum in ein blaues Licht hüllte, hatte zu vorgerückter Stunde drin Burlesque-Tänzerin Mama Ulita aus Leipzig mit ihrem humorvollen Schönheitstanz wie in den goldenen Zwanzigern dafür gesorgt, dass kein Stuhl leer blieb und selbst die Stehplätze heiß begehrt waren. 

Auch die letzte Straßenbahn war gut gefüllt. „Bestimmt zehn Jahre sind wir schon bei der Museumsnacht dabei. Zu Beginn des Abends sind wir sogar einmal öfter gefahren, weil der Andrang so groß war. Die Straßenbahn gehört eben zu Gera. Das begeistert Jung und Alt", meinte Ralf Roscher, der den Wagen 12, Baujahr 1928 die sanierte Wiesestraße in Richtung Lusan lenkte. Sein Kollege Frank Müller, ebenfalls Mitarbeiter des Geraer Verkehrsbetriebs und seit 1988 im Unternehmen, hatte die Gäste in seiner historischen Uniform begrüßt. „Wir konnten heute gefühlt 50 Prozent mehr Mitfahrende begrüßen, als es bei der letzten Museumsnacht der Fall war. Auch viele Kinder und Jugendliche waren dabei. Für uns dienen solche Veranstaltungen natürlich auch dazu, den Nachwuchs auf uns aufmerksam zu machen. Ich habe einst bei der Parkeisenbahn im Martinsgrund angefangen", verriet er und rief zu mehr Optimismus und Zuversicht unter den Geraern auf. „Wenn wir mit unseren historischen Triebwagen mit Gästen aus ganz Deutschland unterwegs sind, dann sind die oftmals begeistert von Gera. Wir brauchen unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Ich bin auch im Gästeführerverein. Wenn wir in der Berliner Straße die vielen sanierten Villen passieren, dann lacht mein Herz." 

Die Geraer Straßenbahn-Tradition vermittelte im Lusaner Museum auf dem GVB-Betriebsgelände anschließend Karl Doller. Der 83-Jährige hatte es sich nicht nehmen lassen, von seinen Erfahrungen zu berichten. Er erinnerte an den O-Bus-Verkehr in Gera zwischen 1939 und 1977, daran, dass zu DDR-Zeiten an den Pressefest-Wochenenden alle verfügbaren Wagen im Einsatz waren oder an die alten Routen der Geraer Straßenbahn über die Sorge, durch die Unterführung am Hauptbahnhof, die erste Straßenbahn nach Lusan im Jahr 1977 oder die Premierenfahrt Hinter der Mauer aus Anlass der Arbeiterfestspiele 1984. Auch den Güterverkehr ließ der wohl bekannteste Geraer Straßenbahnfahrer nicht unerwähnt, der auch nach fünf Führungen durchs Museum immer noch frisch wirkte. „Ich bin belastbar, bin ja auch schon 58 Jahren verheiratet", meinte er lachend. Ganz in Familie war Ralph Biegel zur Museumsmacht gekommen. Der 58-jährige gebürtige Geraer wohnt mittlerweile in Wünschendorf. „Eigentlich hätte ein solches Ereignis noch mehr Besucher verdient. Vor 15 Jahren war bei der Museumsnacht mehr los. Aber es geht wieder voran", meinte er, der seine Frau Conny zur Hutausstellung im Museum für Angewandte Kunst begleitet hatte. „Darauf hatte ich mich besonders gefreut. Das war eine tolle Sache", verriet sie. Dem zwölfjährigen Julius Lorenz aus Gera hatte es besonders die alte Straßenbahn angetan. „Museen interessieren mich schon. Ich habe mir im MAK bei der Kreativ-Mitmachstation auch ein Cap gestaltet", erzählte der Siebtklässler von der Christlichen Gemeinschaftsschule. Der Nachwuchs für die Museumsnacht schein also auch gesichert.

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