Wirtschaft

Das Brautgeschäft mitten im Dorf

Heike Zundel, Inge und Lothar Schubert sowie Christine Geithe (v.l.) bieten in Inge´s Modelädchen in Großenstein Bekleidung vom Smoking bis zur Jeans an. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 17.04.2023

Von Jens Lohse 

Großenstein (NG). „Mode mit dem besonderen Flair" - mit diesem Slogan wirbt Inge´s Modelädchen in Großenstein um seine Kundschaft. Am 1. Mai 1989 hatte Inge Schuberts Tochter Jacqueline als Meisterin die Schneiderei ihres viel zu früh verstorbenen Großvaters Herbert Seligenfleisch wiedereröffnet. Im Modezentrum Gera hatte sie ihre Ausbildung absolviert. Doch während die Lehre zur Damenmaßschneiderin gegen Ende der 1980er Jahre heiß begehrt war, war mit der Wende kurze Zeit später das Interesse an selbstgeschneiderter Bekleidung dahin. Plötzlich waren die Kleiderständer mit bezahl- und tragbaren Kleidern, Hosen und Jacken voll. 

Also übernahm Inge Schubert das Geschäft zum 1. Mai 1990 als Inge´s Modelädchen. „Damals war ich noch Büroangestellte bei der Gemeinde und habe mir praktisch meine eigene Gewerbegenehmigung ausgestellt", erinnert sich die heute 72-Jährige noch genau und ergänzt: „Ich habe damals die letzte Ware vom Exquisit-Geschäft in der Geraer Breitscheidstraße aufgekauft. Als das vor der Eröffnung im Ort bekannt wurde, zog sich eine lange Schlange durch Großenstein. Alle ware neugierig. Wir selbst waren so aufgeregt, dass wir es damals leider verpasst haben, ein Foto zu machen." 

Seit nunmehr fast 33 Jahren gehört Inge´s Modelädchen zum Großensteiner Gemeinde-Bild. Von der Jeans bis zum Smoking wird alles angeboten. „Anfangs haben wir uns gefragt, wer angesichts der großen Modeketten eigentlich nach Großenstein kommen soll. Aber das Interesse blieb. Das Einzugsgebiet ist groß. Unsere Kunden kommen aus Erfurt, Jena, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Gera und Meerane. Sie haben uns über die lange Zeit die Treue gehalten. Das Brautgeschäft mitten auf dem Dorf, das neben Festmode auch Herren- und Damenmode für den Alltag anbietet, existiert immer noch", ist Inge Schubert zurecht stolz auf ihr Lebenswerk. 

Neben Ehemann Lothar Schubert gehören noch zwei Angestellte zum Kreis der Mitarbeiter. Schneiderin Christine Geithe und Heike Zundel zählen bereits zum Inventar. Beide haben die Schuberts mit der Kurzarbeit gut durch die Corona-Pandemie gebracht. „Acht Monate lang mussten wir komplett schließen. Ein Irrsinn, wenn man überlegt, dass zeitgleich im Globus 250 Menschen eingekauft haben und hier keine Braut rein durfte", schimpft Lothar Schubert noch heute. 

Das große Lager in den eigenen, oft umgebauten Räumlichkeiten, in denen man Bekleidung von der Größe 34 bis zur 70 vorhält, die individuelle Beratung und der große Kundenstamm sind die Erfolsgaranten für Inge´s Modelädchen. Auch die eigenen Parkplätze vor der Tür gehören dazu und bieten den Komfort, den der Kunde in der Großstadt oft vermisst. 

Seit Ende März gibt es neue Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr. Sonnabends bleibt das Geschäft geschlossen. „33 Jahre haben wir am Sonnabend gearbeitet. Jetzt nehmen wir uns etwas mehr Zeit für die Familie", sagt Inge Schubert. Die vier Enkel und mittlerweile schon drei Urenkel wollen die Schuberts aufwachsen sehen. An einen Schlussstrich unter Inge´s Modelädchen ist aber auch nach 33 Jahren noch nicht gedacht.

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