Wirtschaft

Frischfisch aus Birkhausen

Pächter Christian Steinbuch startet in Karpfensaison. Artenvielfalt liegt Fischerei-Pächter Christian Steinbuch am Herzen. Auch Teichmuscheln hat er in seinen Teichen. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 22.09.2023

Von Jens Lohse 

Birkhausen (NG). Am 29. und 30. September lädt das Fischhaus in Birkhausen in der Gemeinde Harth-Pöllnitz zum Tag der offenen Tür. Am Freitag ist der Hofladen von 12.30 bis 17 Uhr geöffnet, am Sonnabend von 9.30 bis 13 Uhr. „Wir stellen Biertischgarnituren auf. Auch die Pavillons laden zum Verweilen und natürlich zum Kosten ein. Als Spezialität grillen wir Steckerlfisch und eröffnen die Karpfensaison", sagt Christian Steinbuch. Der 40-Jährige ist seit Juli 2022 Pächter der Fischerei Birkhausen. 80 Hektar Fläche stehen ihm zur Verfügung.

14 Fischteiche bewirtschaftet er wie vor hundert Jahren, ohne Strom und ohne Technik. „Für den Erhalt des Ökosystems ist das enorm wichtig. Hier geht es um die Artenvielfalt. Fischzucht ist aktiver Naturschutz. Seeadler, Fischadler, Otter, Biber, Enten, Amphibien, Reptilien, die vom Aussterben bedrohten Teichmuscheln, Schnecken und Insekten - alles kommt bei uns vor", erzählt der Fischwirtschaftsmeister und ergänzt: „Wir haben kaum Fisch auf Eis liegen, außer Störschnitzel." In seinem Hofladen bietet er auch Saibling, Forellen, Hecht, Zander, Schleie, Stör, Lachsforelle, Waller und Barsch an. „Das sind alles regionale, einheimische Fische. Bei mir gibt es keine Meeresprodukte", erklärt Christian Steinbuch. Die Produktpalette hat er freilich erweitert. Brotaufstriche, Salate, Frikadellen sind beliebt und werden donnerstags frisch hergestellt, um ab Freitag im Birkhäuser Hofladen verkauft zu werden.

Auch gebeizte Lachsforelle und geräucherte Filets mit Kräutern gibt es im Angebot, das zuletzt um Bienenhonig und Meerrettich aus der Region ergänzt wurde. Nach Rezepten wie zu DDR-Zeiten werden hier auch Bestellungen für Weihnachten und Silvester angenommen. Ab Oktober beginnt Christian Steinbuch mit den Abfischungen der Teiche, die sich bis Mitte November hinziehen. Er hofft, dabei keine bösen Überraschungen zu erleben. Als er jüngst einen Teich bei Gütterlitz abfischen wollte, waren nur noch drei der ausgesetzten 150 Fische darin. Der Fischotter hatte sein Unwesen getrieben. „Für diese Verluste kommt in Thüringen niemand auf. In Bayern ist der Fischotter zum Abschuss freigegeben. In der Oberpfalz haben viele Binnenfischer aufgegeben, weil sie teilweise 95 Prozent ihrer Bestände verloren haben. Erst kommt der Reiher, dann der Kormoran und dann der Otter. Da muss die Politik doch handeln", fordert Christian Steinbuch, der am letzten Dienstag auch beim Deutschen Fischereitag in Erfurt vor Ort war. 

Zwar sind nur 1,2 Prozent der Thüringer Landesfläche von Wasser bedeckt. Dennoch spielt die Fischerei im Freistaat eine große Rolle: Bei der Karpfenproduktion liegt der Freistaat im bundesdeutschen Vergleich an vierter Stelle, bei der Forellenproduktion an der fünften. Zudem engagieren sich rund 44.000 Fischereischein-Inhaber für die Gewässer. 

Unterdessen wünscht sich Christian Steinbuch einen harten Winter, damit die Fische am besten unter einer Eisdecke für drei Monate Ruhe finden. Im letzten Jahr schwankten die Temperaturen stark, was viel Stress für die Fische bedeutete, die in der kalten Jahreszeit eigentlich ihren Kreislauf herunterfahren. Verstärkung konnte der Fischerei-Pächter beim Verkauf gebrauchen, sucht da eine Aushilfe für acht Stunden in der Woche auf Basis einer Geringbeschäftigung. Auch Gastronomen sind bei Christian Steinbuch gern gesehen, die bei ihm regelmäßig Fisch beziehen, Bis nach Saalburg reicht des Netzwerk schon, kann aber noch Neuzugänge verkraften.

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