Wirtschaft

„Gastronom“ feiert 60-Jähriges

Pächter Torsten Keller und die schon seit Juni 1980 vor Ort beschäftigte Steffi Haase freuen sich auf das 60-jährige Gastronom-Jubiläum. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 05.06.2024| Jahrgang: 11_Extra/2024

Von Jens Lohse Gera (NG). Kindheitserinnerungen werden wach. Das Interhotel auf dem damaligen Platz der Republik, das Café Rendezvous - im Volksmund „Zitronenpresse" genannt - und auch die Selbstbedienungsgaststätte „Gastronom" sind aus den 1970er und 1980er Jahren im Kopf der Gerschen geblieben. Vieles existiert nicht mehr. Eines aber schon: Vor zehn Jahren hat Torsten Keller das Geraer „Gastronom" übernommen. Der gebürtige Suhler hatte seit 1998 die Gastronomie im Marktkauf betrieben und war nach dessen Schließung auf der Suche nach einem neuen Standort. 

So stieß er auf das „Gastronom", das seit der politischen Wende 1990 durchweg gelaufen war und gerade von einer Firma aus Baden-Württemberg samt vermieteter Spielothek betrieben wurde. Der Renovierungsrückstau war groß. Sowohl technische Anlagen waren zu erneuern, als auch hygienische Auflagen zu erfüllen. Nach etwa ein Jahr dauernden Verhandlungen wurde man sich einig. 

Im Dezember 2013 wurde der Mietvertrag unterschrieben, das Gebäude entkernt und neu eingerichtet, so dass bereits am 12. März 2014 wiedereröffnet wurde. „Anfangs hat es etwas gedauert, doch dann wurden unsere Angebote von der Kundschaft recht schnell gut angenommen. Früher war das ´Gastronom' bei einigen verrucht, doch wer nach der Neueröffnung einmal bei uns war, hat dann meist zurückgefunden. Es gab auch welche, die den Umbau bedauert haben, doch der Großteil unserer Kunden fand, dass wir einen guten Weg gefunden haben. Mittlerweile haben wir uns einen Ruf aufgebaut, werden von Jung und Alt und allen sozialen Schichten besucht", sagt Torsten Keller, der bei der Wiedereröffnung alle Mitarbeiter übernommen hatte. „Das 50-jährige Jubiläum haben wir damals im ganzen Trubel verpasst. Nun wollen wir aber ´60 Jahre Gastronom' feiern. Das Stadtmuseum hat uns bei der Recherche zur Geschichte unter die Arme gegriffen. Im Rahmen der Ausstellung ´Achtung Baustelle! Geras Zentrum im 20. Jahrhundert' haben wir viel Neues erfahren", erzählt Torsten Keller, der am 11. Juni ab 9 Uhr zur Jubiläumsparty einladen will. Die Bierzeltgarnituren für den Außenbereich sind schon geordert. In DDR-Manier werden Fassbrause, Bier und Roster zum Preis von nur einem Euro angeboten. „Bei Aufräumarbeiten im Keller finden wir immer wieder alte Dinge. Kahla-Geschirr, alte noch handschriftlich gefertigte Dienstpläne und HO-Bestellblöcke waren darunter", verrät Torsten Keller, der mittleweile seit 25 Jahren in der Gastronomie tätig ist und auf ein beständiges Team setzt. 

Während Gabriele Steinbach schon ein Vierteljahrhundert bei ihm angestellt ist, arbeitet Steffi Haase schon seit Juni 1980 im „Gastronom". „Im nächsten Jahr feiere ich mein 50-jähriges Dienstjubiläum", berichtet die 65-Jährige stolz. „Als ich hier begonnen habe, dachte ich: ´Hier bleibe ich nicht!' Der Durchlauf war enorm. Schon um 8 Uhr waren die ersten Biertrinker da. Der Ruf war schlecht. Erst als ab 1982 kein Bier mehr ausgeschenkt wurde - es gab nur noch Fassbrause in Henkelgläsern - zog Ordnung ein. Lange Schlangen gab es immer. Teilweise nutzten die Kunden sogar die Fensterbänke als Sitzplätze zum Essen", erinnert sich Steffi Haase. Hocker und Bänke waren damals noch fest im gefliesten Boden verschraubt. Auch das Tablettsystem auf Alu-Rohren ist unvergessen. Heute ist man wesentlich flexibler. 

„Viele Stammkunden freuen sich darüber, dass das Ojekt ´Gastronom' erhalten geblieben ist. Früher kamen Delegationen vom ´Goldenen Spatz' hier essen. Auch Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller war sehr gern bei uns zu Gast", weiß Steffi Haase. Ein Stammkunde aus Dresden macht seit Jahren im Geraer „Gastronom" Station, wenn er einmal im Monat seinen Sohn in Frankfurt/Main besucht. Viele Gerichte hat man von früher übernommen. Einmal in der Woche gibt es wie seit 40 Jahren Topfbraten mit Klößen. Flecke stehen an der Tafel, auch Milchreis. Dienstag ist Tiegelwurst-Tag. „Die regionale Küche macht uns aus", sagt Steffi Haase, während ihr Chef Torsten Keller ergänzt: „So können wir gut gegen Pizza, Burger und Döner bestehen."

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