Wirtschaft

Solide Ausbildung sichert Zukunft

Lehrling Maximilian Schöppe (r.) im angeregten Gespräch mit Thorey-Geschäftsführer Andreas Ludwig und der Ausbildungsleiterin Sandra Burkhardt. Foto: Erika Baumann

Erschienen am 14.11.2023| Jahrgang: NG 23/23

Von Harald Baumann Gera (NG). Die Situation am Ausbildungsmarkt in Thüringen ist angespannt. Berufswünsche der Jugendlichen decken sich nicht immer mit dem Angebot an Ausbildungsstellen. Die Unternehmen andererseits haben vielfach andere Vorstellungen vom Berufsnachwuchs. Angebot und Nachfrage finden also oft nicht zueinander. Umso wichtiger ist es, alle Möglichkeiten zur Ausbildung aufzuzeigen. Denn solide Ausbildung sichert Zukunft. 

Von diesem Bestreben getragen, hatte Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen, zu einer Presseinformation nach Gera eingeladen. Das Gespräch fand in einem Betrieb statt, wo erfolgreich ausgebildet wird, und zwar in der Thorey Gera Textilveredlung GmbH mit dem Logo „Qualität beginnt an jedem Arbeitsplatz". Ob Gewebe, Gewirke, Gestricke, Vliese – diesen Textilien werden dort besonderen Eigenschaften verliehen. Das sind 20 Millionen Quadratmeter jährlich. Damit zählt das seit 1994 in Gera ansässige und hochmoderne Unternehmen mit 44 Mitarbeitern, so erläuterte Geschäftsführer Andreas Ludwig, zu den bedeutendsten deutschen Gardinen- und Dekoherstellern und exportiert in über 50 Länder. Und Thorey bildet jährlich drei bis vier Lehrlinge zu Facharbeitern in vier Berufsfeldern aus. „Was wir heute nicht ausbilden, haben wir morgen nicht als Fachkräfte", betonte Andreas Ludwig. 

Am Gespräch nahm auch der Geraer Auszubildende Maximilian Schöppe teil. Er berichtete, wie er nach einem Langzeitpraktikum in Kooperation mit Arbeitsagentur und Thorey-Betrieb im September dieses Jahres übernommen wurde und in die dreijährige Ausbildung als Produktveredler gestartet ist. Er möchte seine Lehrzeit gut nutzen und dem Unternehmen die Treue halten. Lobend äußerte er sich über die gute Arbeitsatmosphäre. Wie Markus Behrens in der Runde zur Lage auf dem Thüringer Ausbildungsmarkt darlegte, meldeten die Unternehmen der Agentur für Arbeit seit Oktober vorigen Jahres bis Ende September diesen Jahres 13.600 betriebliche Ausbildungsplätze, 400 mehr als im Vorjahr. Andererseits sind rund 1.600 Stellen noch unbesetzt. 300 Jugendliche hatten bis Ende September noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. 

Über die Erfahrungen bei den berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen, die es in der Agentur für Arbeit Thüringen Ost gibt, sprach deren Vorsitzender der Geschäftsführung Stefan Scholz. In Ostthüringen haben seit September zehn Jugendliche ein Langzeitpraktikum begonnen, im Vorjahr nutzten 19 junge Leute das Instrument. Elf davon sind danach in eine Ausbildung gestartet. In Gera waren 89 Ausbildungsstellen unbesetzt. Für diejenigen, wo der direkte Einstieg in die Ausbildung nicht gelungen ist, gäbe es Alternativen, beispielsweise die Einstiegsqualifizierung. Das sei ein betriebliches Praktikum von vier bis zwölf Monaten, welches auf die Dauer der Ausbildung angerechnet werden kann. Wir bestärken unsere Geraer Betriebe darin, so Scholz, ob für sie auch Bewerber mit ungünstigeren Startchancen in Frage kommen. Dazu gehören Jugendliche mit einem Handicap genauso wie junge Menschen mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund. Für die Berufsvorbereitung junger Leute gehöre ein ganzes Bündel von Angeboten, um ihnen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern, auch eine assistierte Ausbildung mit besonderer sozialpädagogischer Hilfe und eine außerbetriebliche Ausbildung. Alle diese Möglichkeiten seien besser als ohne Ausbildung zu bleiben. 

Bei der Nachwuchsgewinnung für eine betriebliche Ausbildung setze man große Hoffnung in die Praxistage, die Schüler ab Klasse 7/8 künftig einmal pro Woche in Firmen und Unternehmen absolvieren können. Die Vorbereitungen für den Start im nächsten Jahr nach den Winterferien würden bereits laufen.

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