Sport

Auch auf der Mitteldistanz nicht zu halten

Beim Geraer Powertriathlon landet Beate Zanner von Triathlon Gera auf Rang drei. Ende August gewann sie dann beim KnappenMan bei Hoyerswerda ihre erste Mitteldistanz. Foto: Jens Lohse

Erschienen am 06.09.2023| Jahrgang: NG 18/23

Von Jens Lohse Gera (NG). Beate Zanner hat ihre Triathlon-Leidenschaft wieder entdeckt. Nachdem sich die 40-Jährige in Kindheit und Jugend sportlich beim Tanzen, Cheerleading und Judo ausprobiert hatte, war sie im Jahr 1999 zu den Triathleten gekommen. Doch ein Sportunfall stoppte damals ihre Anstrengungen auf diesem Gebiet nach nur wenigen Monaten. Weil das Laufen dadurch eingeschränkt war, begab sie sich zum Radsport und entwickelte sich praktisch autodidaktisch und mit großem Fleiß. 2015 wurde sie deutsche Bergmeisterin, gewann 2017 und 2018 die Einzelwertung der Rad-Bundesliga. Eine der Höhepunkte ihrer Radsport-Laufbahn war sicherlich auch der Etappensieg bei der Thüringen-Rundfahrt der Frauen 2014 in Schmölln, als sie bei großer Hitze allen Favoritinnen aus der Weltspitze ein Schnippchen schlug und anschließend im Brunnen auf dem Markt baden ging. 

Mit 38 Jahren beendete sie ihre Karriere. Ohne Sport geht es aber bei Beate Zanner nicht, weshalb sie sich den Volkssportläufen verschrieb und auch dort sehr erfolgreich war. Beim Geraer Silvesterlauf 2022 wurde sie Zweite über die 11 km, belegte Rang zwei beim Münchenbernsdorfer Neujahrslauf und beim Hofwiesenparklauf, gewann den Köstritzer Frühjahrscross, den Werdauer Waldlauf und den Heeresberglauf. 

Doch eigentlich galt Beate Zanners Hauptaugenmerk in diesem Jahr dem Triathlon. Genau 21 Jahre nach ihrer ersten Teilnahme am Geraer Powertriathlon ging sie 2023 wieder an den Start. „Ich habe meine alte Liebe zum Triathlon wiedererweckt. Im letzten Oktober hatte ich begonnen, wieder regelmäßig schwimmen zu gehen. Das hat sich ausgezahlt, so dass ich im April mit einem Duathlon ins Wettkampfjahr starten wollte. Aber ich war krank", erinnerte sich Beate Zanner, die deshalb etwas holprig startete. 

Denn schon Mitte Mai stand der Geraer Powertriathlon auf dem Programm. Die Sportlerin von Triathlon Gera - dorthin war sie in alter Verbundenheit zu Edith Kowalski zurückgekehrt - nahm die olympische Distanz in Angriff. Die Voraussetzungen waren alles andere als günstig. Erst hatte sie ein Erkältung etwas aus der Bahn geworfen. Zum Start kam sie praktisch von der Nachtschicht. Dafür lief sie ein super Rennen. „Ich bin sehr zufrieden. Mein Rückstand nach dem Schwimmen war enorm. Nach dem Radfahren hatte ich Krämpfe, konnte kaum noch laufen, aber habe mich durchgebissen", erzählte Beate Zanner, die der Siegerin auf dem Rad fast vier Minuten abgeknöpft hatte und als Dritte die Ziellinie überquerte. Ihre Defizite hatte sie erkannt: weiter am Schwimmen arbeiten und die Wechselzeiten verkürzen. 

Beim Koberbach-Triathlon und beim Gealan-Triathlon in Hof ordnete sie sich jeweils auf Rang zwei ein. Allerdings war es im Wettkampf schwer, die Orientierung zu behalten, da zeitgleich auch die Sachsen- und Bayernliga ihre Wettkämpfe absolvierten. „Deshalb habe ich in Hof gar nicht gemerkt, dass ich mit der späteren Siegerin auf die Laufstrecke gegangen bin. Die ist aber so schnell angelaufen, dass ich gleich abreißen lassen musste", so die 40-Jährige, die weiterhin ohne speziellen Trainer unterwegs ist. 

„Ich arbeite bei Getzner im Schichtsystem, gestalte mein Training freizeit- und wetterangepasst. Ich komme gut zurecht und bin zufrieden mit mir", sagte Beate Zanner, die Ende August in Lohsa bei Hoyerswerda beim KnappenMan ihren ersten Mitteldistanz-Triathlon in Angriff nahm. Dabei vollbrachte sie ihr Meisterstück. 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und einen Halbmarathon hatte sie zu bewältigen. Als 15. stieg sie aus dem Wasser, rollte auf dem Rad aber das Feld von hinten auf. In der dritten von vier Runden übernahm sie die Führung. Als Erste wechselte sie zum Laufen, wenngleich das Führungsfahrrad die Zweitplatzierte begleitete. „Die hatten icht damit gerechnet, dass ich so schnell unterwegs war. Ich ja eigentlich auch nicht", meinte Beate Zanner später im Ziel. Auch beim Laufen fand sie schnell ihren Rhythmus und erreichte nach 4:36:33 Stunden mit mehr als 17 Minuten Vorsprung vor der Zweitplatzierten das Ziel. 

Beim Pöhler Triathlon hatte sie auf der Sprintstrecke zuvor ihren ersten Triathlon-Sieg des Jahres eingefahren. Nach ordentlichem Schwimmen übernahm sie nach der Hälfte der Radstrecke die Führung und verwies am Ende die Plauenerin Jana Richter mit gut zwei Minuten Rückstand auf Rang zwei. Anschließend setzte sie sich auch beim Muldental-Triathlon in Grimma auf der Sprintdistanz durch. Hier musste sie den Veranstaltern genau nachweisen, dass sie jeden Meter der Radstrecke exakt absolviert hatte. Eine so schnelle Radzeit - nur ein Mann war schneller als die Geraerin - hatte man ihr nicht zugetraut. 

Dass man bei Beate Zanner immer mit einer Überraschung rechnen muss, hatte sie Ende Mai/Anfang Juni bei der Tour de Kärnten bewiesen. Beim Sechs-Etappen-Rennen der Radsportler ging sie mit dem ILB-Graakjaer Cycling Team an den Start. „Es lief besser als gedacht, sogar beim Bergzeitfahren, dass sonst nicht meine Lieblingsdisziplin war. Das war ein sehr schönes Erlebnis. Jeden Tag schien die Sonne. Die Temperaturen waren angenehm. Auch auf den Abfahrten konnte ich mithalten", verriet die Geraerin, die Dritte in der Gesamtwertung wurde und die Altersklasse 40+ für sich entschied. 

Das Wettkampfjahr ist für Beate Zanner noch längst nicht zu Ende. Den Rochlitzer Bergtriathlon hat sie ebenso ins Auge gefasst wie den Zwickau-Triathlon, ehe auch der Geraer Höhlerfestlauf auf dem Programm steht. „Das entscheidet ich am Ende aber nach meinem Gefühl. Damit bin ich bisher sehr gefahren", blickte die 40-Jährige voraus. Fakt ist aber, wo sie an den Start gehen wird, zäht sie nach den Ergebnissen dieses Jahres immer auch zu den Sieganwärterinnen.

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