Sport

Abschiedsspiel mit 70 Jahren

Ex-Wismut-Fußballer Matthias Blaseck will nochmal die Schuhe schnüren. Der Geraer Wismut-Fußballer Matthias Blaseck feierte am 18. September seinen 70. Geburtstag. Foto: Manfred Malinka

Erschienen am 21.09.2022

Von Manfred Malinka 

Gera (NG). „Am 22. Oktober gebe ich mein Abschiedsspiel", hat sich der ehemalige Geraer Fußballer Matthias Blaseck, der am 18. September 70 Jahre geworden war, vorgenommen. Damit dürfte der gebürtige Großenhainer der älteste je aufgelaufene Kreisligaspieler zumindest in Thüringen sein. Es soll bei der Partie seines VfL 1990 gegen den Post SV Gera am Fuchsberg sein, wenn ihn Coach „Max" Reislhuber mal 10-15 Minuten auf die Spielfläche bittet. Eigentlich hat der waschechte Sachse seine Fußballschuhe schon lange an den Nagel gehängt, seit Ewigkeiten schon kein Spiel mehr als Aktiver bestritten. Begonnen hatte der Blondschopf in Großenhain im Bezirk Dresden mit dem Fußball, ging zunächst zum FSV Lok Dresden, später zu Dynamo, wo der talentierte Junior neun Junioren-Auswahlspiele für die DDR bestritt (1970), zwei Jahre später folgte noch ein Nachwuchsländerspiel. Einige Jahre zuvor hatte er auch schon ein Schüler-Länderspiel bestritten. In der DDR-Oberliga debütierte Blaseck im Dezember 1971 im Spiel Dynamo Dresden gegen Stralsund (6:0), hier wurde er auch Dritter der DDR-Meisterschaft. Ab 1973 spielte der Sachse für Stahl Riesa und bestritt 66 Oberligaspiele. Als Riesa 1977 abstieg und Blaseck nur ein Spiel in der Liga absolviert hatte, wurde die Delegierung nach Gera inszeniert. Als „Blase", wie ihn seine Freunde rufen, am 5. November 1977 sein erstes Oberligaspiel für Wismut Gera bestritt, hatte die Wismut-Elf ganze drei Punkte auf ihrem Konto, stand ohne Sieg da und war Letzte im 14er Feld. Der damalige Gegner, Wismut Aue, hatte fünf Punkte und stand auf Platz elf. Die Geraer hätten mit einem Sieg in der Tabelle klettern können. Bei Nacht und Nebel war der damals 25-jährige Blaseck, praktisch auf dem Zenit seiner Laufbahn, von der BSG Stahl Riesa zu Wismut Gera gewechselt. Kaum einer war über diesen Transfer informiert. Doch das Oberliga-Schlusslicht brauchte Hilfe im Abwehrbereich. „Mit der überforderten Abwehr war der Abstieg programmiert", urteilte Redakteur Andreas Baingo damals in der „Fußballwoche". 25 Gegentore in nur acht Spielen zeigten, wo der Schuh drückte. Blaseck nahm die Liberoposition ein und gewann mit der Betriebssportgemeinschaft Wismut Gera beim großen Bruder Wismut Aue mit 2:1. Aber auch Blaseck konnte später nach seinen 15 Oberligaspielen für die Geraer nicht verhindern, dass die Ostthüringer mit der zweitschlechtesten Bilanz, die je eine DDR-Oberligamannschaft aufwies, wieder abstiegen. „Blase", 49 Jahre verheiratet mit Viola, blieb noch vier Jahre bei Wismut und beendete mit 30 Jahren seine leistungssportliche Laufbahn. In der Folge betreute der Vater zweier Töchter unterklassige Vereine als Trainer. Stahl Maxhütte, Schmölln, Ronneburg und der FC Blau Weiss Gera waren die Stationen. Kürzlich wurde Matthias Blaseck an der Hüfte operiert. Und weil er mit der Behandlung in der Reha im Geraer SRH-Klinikum sehr zufrieden und schnell wieder fit war, ließ er sich von seinem Therapeuten Klaus-Jürgen Stöckel zu einer Wette verleiten. „Ich spiele nochmal Fußball", versprach der ehemalige Oberligaspieler. Und er trainiert fleißig für sein Abschiedsspiel. Sogar ein paar neue Fußballschuhe hat sich der Fußball-Senior dafür schon gekauft.

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